Kreditkarten bewähren sich jetzt schon seit fast 120 Jahren, sie sind praktisch, relativ sicher und mit vielerlei Zusatzfunktionen ausgestattet. Ihre Vielseitigkeit, die sich seit dem Aufkommen des Online-Zahlungsverkehrs noch verstärkt hat, macht sie außerordentlich beliebt, dennoch könnte ihre große Geschichte bald vorbei sein. Ausgerechnet der große Kreditkarten Anbieter MasterCard, prophezeite schon 2010 das, was heute allmählich zur Realität wird: das berührungslose Bezahlen mit dem Handy. Noch wagen Kunden und Anbieter lediglich den Umgang mit Kleinbeträgen via NFC-gesteuertem Smartphone, doch das könnte sich ändern.

Wie bezahlen? Mit Kreditkarte oder NFC Chip?

Vorzüge der guten, alten Kreditkarte

Der größte Vorteil besteht bei einer Kreditkarte nicht unbedingt im bargeldlosen Bezahlen, sondern im Gewähren eines Kredits und in den Zusatzleistungen, die mit dem Inhaber verbunden sind. So können sich Menschen mithilfe der Kreditkarte versichern, Klubmitglieder werden und Pfänder beim Hotel Check-in oder Mietwagenverleih hinterlegen, sie erhalten VIP-Status in der Flughafenlounge und sind sogar (finanziell) vor Raub und Diebstahl geschützt. Diese Vorzüge sollen beibehalten werden, da sind sich alle Beteiligten einig. Das bargeldlose Bezahlen erscheint vielen Nutzern freilich ebenso wichtig, sonst würden sich Prepaidkarten nicht durchsetzen. Dieser Vorzug wurde erstmals 1894 in den USA umgesetzt, Hotels gaben als erste Anbieter Kreditkarten heraus, ab den 1920er Jahren fanden Kaufhausketten, Fluglinien und Mineralölkonzerne die Idee ebenso bestechend. Doch nun könnte sich die Welt peu à peu von der Kreditkarte verabschieden.

Bezahlen mit dem Handy statt Kreditkarte?

Kreditkartenherausgeber sind davon mehr oder weniger überzeugt, denn ihre technikaffinen Kunden testen schon permanent alternative Bezahlsysteme. Die meisten von ihnen sind an einen PC oder ein Tablett gebunden, aber ab etwa 2010 begannen Handyhersteller, die schon aus der RFID-Technologie seit den 1940er Jahren bekannte Near Field Communication (NFC) so weiterzuentwickeln, dass ein Handy nur noch vor ein Lesegerät gehalten werden muss, um einen sicheren Kontakt herzustellen.

Das Problem ist freilich wirklich die Sicherheit, denn wer überträgt schon berührungslos gern Daten, bei denen es um hohe Summen geht? Noch wird NFC beim Bezahlen für Kleinbeträge im niedrigen zweistelligen Bereich genutzt (unter 50 Euro), einige Sparkassen in NRW ermöglichen damit sogar das Abheben von Kleinstbeträgen am Geldautomaten. Manche Händler bieten die NFC-Bezahlung an, in einigen asiatischen Metropolen kaufen die Menschen ihre U-Bahn-Tickets im Vorübergehen mit dem Handy. Auch die Deutsche Bahn hat einen Feldversuch gestartet. Die großen Kartenanbieter springen auf den Zug auf und entwickeln NFC-basierte alternative Bezahlsysteme, auch Banken beteiligen sich und gehen Kooperationen mit Handyherstellern ein (beispielsweise die Citibank mit Nokia für ein Pilotprojekt in Bangalore).

Den größten Vorteil versprechen sich die NFC-begeisterten Anbieter von der Tatsache, dass Kunden damit nichts mehr aus der Hand geben, wie das bei der Kreditkarte in einigen Fällen nicht anders funktioniert. Auch im Internet wird die Datensicherheit von Kreditkarten in Zweifel gezogen, allerdings wiesen deutsche Journalisten 2012 nach, dass auch NFC nicht unbedingt todsicher ist. MasterCard springt mit Paypass, Visa mit Paywave auf den Zug der neuen Systeme auf, der Markt der alternativen Bezahlvarianten ist in großer Bewegung. Das Ende der Kreditkarte jetzt schon einzuläuten dürfte allerdings verfrüht sein, denn noch gibt es keine ebenso gute Alternative.