Welche Trends bewegen Banken in den nächsten Jahren? Zwischen KI, Cloud, Cyber Security und regulatorischem Druck zeigen sich Chancen, Risiken und überraschende Einschätzungen – aus Sicht führender Branchenexpertinnen und ‑experten.

Zehn aktuelle Trends im Bankwesen.
ibi research liefert jährlich fundierte Einblicke zu den kommenden Entwicklungen im Finanzsektor. Auch in diesem Jahr wurden wieder zahlreiche Expertinnen und Experten aus dem Banking zur Relevanz zentraler Trends für die nächsten zwei bis drei Jahre befragt.
Im Fokus stehen dabei Untersuchungshypothesen und Szenarien zur künftigen Lage im Privat- und Firmenkundengeschäft. Diese werden jeweils ergänzt durch Einschätzungen zu Marktpotenzialen sowie Bedarfen der Marktteilnehmer.
In diesem Jahr wurden die folgenden zehn Trends ermittelt:
- Autonome KI,
- Hyperpersonalisierung,
- Sustainable Finance,
- Legacy-Systeme,
- Cloud Banking,
- Cyber Security,
- Quantencomputing,
- Spatial Computing,
- Barrierefreiheit,
- Regulatorik.
1. Autonome KI: Erwartungen und Hürden
Der Einsatz autonomer Künstlicher Intelligenz (KI) stellt bestehende Strukturen im Bankwesen vor große Herausforderungen – bei gleichzeitig hohen Erwartungen. Laut den Experten steht insbesondere veraltete Informationstechnologie dem produktiven Einsatz autonomer KI im Weg. Auch bestehende oder befürchtete Risiken bremsen die Einführung.
Uneinigkeit herrscht bei der Bewertung des wirtschaftlichen Nutzens sowie beim möglichen Beitrag zur Linderung des Fachkräftemangels. Beide Hypothesen finden bei den Befragten Zustimmung wie Ablehnung gleichermaßen.
Zudem zeigt sich: Der Erfolg von Autonomer KI hängt stark vom Management und der Datenlage ab. 46 Prozent der Experten sehen eine hohe Management-Abhängigkeit, 33 Prozent verorten die Ursachen eher in der Datenverfügbarkeit.
2. Hyperpersonalisierung: Nutzen vs. Vertrauen
Die Akzeptanz von KI-gestützter Hyperpersonalisierung durch die Kunden variiert je nach Perspektive. 75 Prozent der Befragten stimmen (voll oder eher) der Aussage zu, dass das passgenaue Ergebnis im Vordergrund steht – unabhängig davon, ob es durch KI erzeugt wurde.
Gleichzeitig halten 61 Prozent eine transparente Kommunikation darüber, ob KI eingesetzt wurde, für wichtig. Ein Drittel der Experten warnt jedoch vor dem Gefühl der Kunden, durch KI „gläsern“ zu werden, während eine ähnliche Anzahl diese Sorge nicht teilt.
Auch bei der Frage, wem Kundinnen und Kunden ihre Daten eher anvertrauen würden, gibt es keine klare Präferenz: Ein Drittel entscheidet sich für KI, ein weiteres Drittel für den menschlichen Berater – und ein Drittel bleibt unentschlossen.
3. Sustainable Finance im KI-Kontext
Der Einsatz von KI in Sustainable Finance wird überwiegend positiv bewertet. Zwei Drittel der Experten stimmen (eher) zu, dass KI und Datenanalysetools nachhaltige Aktivitäten effizienter und zielgerichteter machen.
Gleichzeitig bleibt die Sicherstellung fachkompetenter Beratung eine Herausforderung – 73 Prozent der Befragten sehen hier Handlungsbedarf. Auch die Beschaffung relevanter Klimadaten wird von knapp der Hälfte als kritisch bewertet, während ein Drittel neutral bleibt.
Ein strategischer Vorteil für einzelne Institute wird von vielen nicht gesehen: 54 Prozent glauben, dass sich alle Kreditinstitute künftig als nachhaltig positionieren werden – ein potenzieller Differenzierungsvorteil entfällt damit.
4. Legacy-Systeme als Innovationsbremse
Starre Prozess-Silos gelten weiterhin als zentrale Hürde für die Modernisierung der Legacy-Systeme. 88 Prozent der Experten stimmen dieser Einschätzung (eher) zu. Im europäischen Vergleich wird deutschen Kreditinstituten ein deutlicher Aufholbedarf bescheinigt – bei gleichzeitig steigendem Druck durch Anbieter neuer Kernbankensysteme.
Für zukunftsfähige Systeme werden insbesondere Cyber-Resilienz, modulare Architekturen und technologische Offenheit als zentrale Anforderungen genannt.
Als größte Herausforderung gilt die Beherrschung der Systemkomplexität. Daneben stellen der Spagat zwischen Standardisierung und Individualisierung sowie hohe Migrationskosten bedeutende Hürden dar.
5. Cloud Banking zwischen Ambition und Risiko
Ohne eine konsequent datengetriebene, kunden- und cloudorientierte Ausrichtung sehen viele Experten keine langfristige Wettbewerbsfähigkeit für Banken. 73 Prozent der Befragten stimmen dieser Einschätzung (voll oder eher) zu.
Gleichzeitig wird Cybersicherheit als größte Hürde gesehen – 70 Prozent der Experten äußern hier Bedenken.
Erwartete Vorteile wie Skalierbarkeit, Ressourcen- oder Kosteneffizienz werden kurzfristig jedoch nicht als realistisch eingeschätzt. Cloud-First-Strategien (49 Prozent) und Cloud-Too-Ansätze (43 Prozent) gelten als präferierte Transformationspfade in den nächsten Jahren.
6. Cyber Security: Kundenvertrauen stärken
Cyber Security bleibt ein zentrales Thema – sowohl intern als auch im Kundenverhältnis. Die Modernisierung alter IT-Systeme ist dabei unerlässlich. Allerdings wird das ständige Ringen zwischen Angreifern und Verteidigern durch technologische Entwicklungen – etwa KI – immer komplexer.
Trotzdem erkennen viele Kunden den Wert der Sicherheitsmaßnahmen nicht ausreichend an: 75 Prozent der Experten sehen eine mangelnde Wertschätzung.
Über die Hälfte der Befragten sieht Verbesserungspotenzial in der Kommunikation – insbesondere durch verständliche Darstellung von Nutzen und Vorteilen der Schutzmaßnahmen.
7. Quantencomputing: Chancen mit Vorbehalten
Quantencomputing wird von den Befragten sowohl als chancenreich als auch als risikobehaftet eingeschätzt. Hohe Kosten und ungelöste technische Herausforderungen gelten aktuell als größte Hemmnisse für einen flächendeckenden Einsatz.
Dennoch glauben 54 Prozent (eher), dass Quantencomputing bis 2030 bestehende Prozesse grundlegend verändern könnte.
Die Branche zeigt sich offen für technologische Entwicklungen, fordert jedoch eine kritische Prüfung der Einsatzmöglichkeiten und -grenzen.
8. Spatial Computing: Zurückhaltung dominiert
Die Potenziale von Spatial Computing – also der Interaktion zwischen Mensch und Maschine – werden eher verhalten eingeschätzt. Hauptgründe sind hohe Kosten sowie Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit.
Auch bei den Kunden herrscht Skepsis: Nur 21 Prozent der Experten glauben, dass diese die Vorteile der Technologie anerkennen würden.
Der Weg zu einem breiteren Einsatz im Kundenkontakt erscheint damit noch weit.
9. Barrierefreiheit: Pflicht mit Aufwand
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) wird von der Mehrheit der Befragten mit erheblichem Umsetzungsaufwand verbunden. Besonders die organisatorische Einbindung über verschiedene Zuständigkeiten hinweg wird als schwierig bewertet.
Eine mögliche Lösung sehen 45 Prozent in der Einrichtung einer zentralen Stabsstelle.
Wirtschaftliche Potenziale durch neue Zielgruppen werden hingegen mehrheitlich verneint – 70 Prozent sehen hier keinen spürbaren Nutzen.
10. Regulatorik: Innovationsbremse statt Treiber
Anstehende regulatorische Anpassungen binden nach Einschätzung der Mehrheit erhebliche Ressourcen – häufig zulasten von Innovationsprojekten.
Zudem wird deutschen Kreditinstituten im Vergleich zum europäischen Ausland weniger Potenzial zugeschrieben, durch Regulierungsmaßnahmen zusätzliche Geschäftschancen zu generieren (58 Prozent).
Insgesamt variieren die Einschätzungen stark, wie sich die regulatorische Entwicklung auf die künftige Wettbewerbssituation auswirken wird.
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