Trotz vereinzelter Hoffnungssignale bleibt die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland gedrückt. Die meisten Unternehmen sehen sich vor einem Jahr der Unsicherheit, in dem Investitionen und Beschäftigung weiter unter Druck stehen.

Unternehmen blicken skeptisch auf die zu erwartende Konjunktur im Jahr 2026.
Die erhoffte konjunkturelle Wende bleibt aus: Auch 2026 dürfte die deutsche Wirtschaft keine nachhaltige Erholung erleben. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter 1.915 Unternehmen. Demnach will rund jedes dritte Unternehmen im kommenden Jahr Personal abbauen – und die Investitionstätigkeit bleibt schwach. Eine flächendeckende Erholung ist damit nicht in Sicht.
Anhaltende Schwäche in Industrie und Dienstleistung
Nach einer kurzen Erholung im Frühjahr 2025 hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft wieder eingetrübt. 39 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre Lage schlechter als im Vorjahr, nur 19 Prozent sehen eine Verbesserung. Besonders die Industrie leidet unter den globalen Rahmenbedingungen: Handelskonflikte, geopolitische Unsicherheiten und hohe Energie- sowie Regulierungskosten bremsen die Produktion. Die Dienstleistungsbranche wird zusätzlich von der schwachen Industrie und dem gedämpften Konsumverhalten belastet.
Lediglich die Bauwirtschaft zeigt nach Jahren des Rückgangs eine gewisse Stabilisierung – wenngleich auf niedrigem Niveau. Hohe Baukosten und Materialengpässe verhindern bislang einen stärkeren Aufschwung.
Produktionserwartungen sinken erneut
Für das Jahr 2026 rechnen 25 Prozent der Unternehmen mit steigender Produktion, 32 Prozent hingegen mit einem Rückgang. Der daraus resultierende Negativsaldo von sieben Prozentpunkten signalisiert eine weitere Verschlechterung gegenüber dem Frühjahr 2025. Besonders deutlich zeigt sich der Pessimismus in der Industrie: 36 Prozent der Unternehmen erwarten sinkende Produktionszahlen, nur 27 Prozent steigende. Damit steht der Sektor vor einem weiteren schwierigen Jahr – nach bereits mehreren Rezessionsphasen.
Auch die Dienstleister blicken mit Skepsis in die Zukunft. Rund 31 Prozent rechnen mit einem geringeren Geschäftsvolumen, während nur gut 22 Prozent Zuwächse erwarten. Dagegen ist das Bild im Baugewerbe ausgeglichen: Je ein Viertel der Betriebe prognostiziert Zuwachs oder Rückgang, die Mehrheit rechnet mit einer Stagnation.
Investitionskrise vertieft sich
Die Investitionszurückhaltung der deutschen Unternehmen hält an. Nur 23 Prozent planen für 2026 höhere Budgets als im laufenden Jahr, während 33 Prozent geringere Mittel einplanen. Besonders stark ist die Zurückhaltung in der Industrie: 36 Prozent der Betriebe wollen weniger investieren, nur 18,5 Prozent mehr. Damit verschärft sich die seit Jahren bestehende Investitionskrise weiter.
Hohe Energiepreise, Unsicherheit über regulatorische Rahmenbedingungen und eine schwache Nachfrage belasten die Investitionsneigung. Viele Unternehmen verschieben geplante Projekte oder beschränken sich auf Ersatzinvestitionen. Die Folge: Die industrielle Basis in Deutschland steht weiter unter Druck, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit drohen zu erodieren.
Beschäftigungsabbau in allen Sektoren
Auch auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich eine deutliche Abkühlung ab. 36 Prozent der Unternehmen planen 2026 mit weniger Mitarbeitern, nur 18 Prozent wollen Personal aufbauen. Besonders betroffen ist die Industrie: 41 Prozent der Betriebe beabsichtigen Stellenstreichungen, nur 15 Prozent planen Neueinstellungen. Damit setzt sich der seit drei Jahren andauernde Beschäftigungsabbau fort.
Im Dienstleistungssektor liegt der Anteil der Personalreduzierer bei über einem Drittel. Nur jedes fünfte Unternehmen will zusätzliche Kräfte einstellen. Selbst die Bauwirtschaft, die vergleichsweise stabile Produktionsaussichten hat, rechnet kaum mit Beschäftigungszuwachs. Die strukturelle Schwäche am Arbeitsmarkt wird so zu einem weiteren Belastungsfaktor für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.
Regionale Unterschiede bleiben groß
Zwischen den Bundesländern zeigen sich deutliche Differenzen. Nur Bayern und die norddeutschen Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen weisen laut IW-Umfrage einen positiven Saldo bei den Produktionserwartungen auf. In allen anderen Regionen überwiegt Pessimismus.
Besonders schwach sind die Erwartungen im Nordosten (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Berlin): Fast die Hälfte der Unternehmen dort rechnet mit einer rückläufigen Produktion. Dagegen zeigt sich der Süden robuster, auch wenn selbst hier kein durchgreifender Aufschwung erkennbar ist. Baden-Württemberg liegt etwa im gesamtdeutschen Durchschnitt, Nordrhein-Westfalen und die Regionen Südwest und Südost bleiben im negativen Bereich.
Ursachen der schwachen Dynamik
Mehrere strukturelle Faktoren bremsen die deutsche Konjunktur. Die Analyse nennt vor allem die folgenden Punkte:
- Hohe Kostenbelastung: Energie-, Arbeits- und Regulierungskosten mindern die internationale Wettbewerbsfähigkeit.
- Globale Unsicherheiten: Geopolitische Konflikte, Lieferkettenrisiken und eine schwächelnde Weltkonjunktur dämpfen Exportchancen.
- Zurückhaltende Investitionen: Fehlende Planungssicherheit und stagnierende Nachfrage führen zu Investitionsaufschub.
- Schwacher Konsum: Steigende Lebenshaltungskosten belasten die Kaufkraft privater Haushalte.
- Demografischer Wandel: Fachkräftemangel verschärft strukturelle Engpässe, insbesondere in der Industrie.
Diese Kombination aus externem Druck und internen Strukturproblemen lässt kurzfristig keine Trendwende erwarten.
Kein Stimmungsumschwung in Sicht
Der Blick in die Historie der IW-Konjunkturumfragen verdeutlicht: Ein nachhaltiger Aufschwung zeichnet sich seit Jahren nicht ab. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verharrt auf niedrigem Niveau, und die Erwartungen für 2026 liegen sogar unter denen des Vorjahres. Trotz politischer Initiativen und geplanter Investitionsprogramme in Bereichen wie Digitalisierung und Energiewende rechnen die meisten Unternehmen mit anhaltend schwacher Dynamik.
Damit bleibt Deutschland auf Wachstumssuche. Ohne deutliche Entlastung bei Energie- und Standortkosten sowie eine Stärkung von Investitions- und Innovationsanreizen droht die wirtschaftliche Stagnation zu einem Dauerzustand zu werden.
Ausblick: Ein weiteres Jahr der Unsicherheit
Die Studie zeichnet ein klares Bild: Von einem konjunkturellen Wendepunkt kann keine Rede sein. Weder Industrie noch Dienstleistungen oder Bauwirtschaft erwarten für 2026 deutliche Impulse.
Mit sinkenden Investitionen, rückläufiger Beschäftigung und schwacher Produktion droht das kommende Jahr zu einem weiteren Prüfstein für die deutsche Wirtschaft zu werden. Ohne klare Wachstumsstrategie, gezielte Standortpolitik und strukturelle Reformen bleibt der erhoffte Aufschwung wohl auch 2026 aus.
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