Wie Banken die GenAI-Kluft überwinden können

Von der Pilotfalle zur Wirkung

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Banken investieren Milliarden in Künstliche Intelligenz, doch der wirtschaftliche Nutzen bleibt häufig aus. Wie Finanzinstitute die Lernlücke schließen und echten Business Impact realisieren können.

Banken und der Return on Investment bei GenKI-Projekten

Nur wenige Banken erreichen einen messbaren Return on Investment bei GenKI-Projekten. Der Großteil bleibt in ineffektiven Piloten stecken.

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Während ChatGPT und CoPilot längst fester Bestandteil des Arbeitsalltags sind, bleibt der wirtschaftliche Nutzen generativer KI-Anwendungen für Unternehmen ernüchternd. Laut der neuen MIT-Studie „State of AI in Business 2025“ liegt die Erfolgsquote produktiver KI-Implementierungen weltweit bei lediglich fünf Prozent. Trotz Investitionen von über 30 bis 40 Milliarden US-Dollar erzielen 95 Prozent der Unternehmen keinen messbaren Return on Investment.

Das MIT-Forscherteam um Aditya Challapally und Ramesh Raskar spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten „GenAI Divide“ einer Kluft zwischen hoher Nutzung und geringer Wirkung. Der Report, der auf mehr als 300 Fallstudien und über 150 Interviews mit Führungskräften basiert, beschreibt eine paradoxe Situation: Die Begeisterung für generative KI ist enorm, die betriebswirtschaftliche Wirkung hingegen marginal.

Eine Kluft zwischen Anwendung und Wirkung

Banken und Finanzinstitute gehören laut MIT zu den Branchen, die besonders stark von dieser „GenAI Kluft“ betroffen sind. Zwar haben mehr als vier Fünftel der befragten Institute generative KI getestet oder in Pilotprojekten eingesetzt, doch nur ein Bruchteil hat die Systeme tatsächlich in die Kernprozesse integriert.

Die Ursachen liegen weniger in Technologie oder Regulierung, sondern im fehlenden organisationalen Lernen. Die Studie zeigt, dass die meisten KI-Systeme nicht in der Lage sind, Feedback zu verarbeiten, sich an Kontext anzupassen oder über Zeit besser zu werden. Damit bleiben sie auf der Ebene von „Produktivitäts-Tools“ stehen hilfreich für Einzelne, aber wirkungslos auf Ebene der GuV.

Gerade im Finanzsektor zeigt sich dieses Muster besonders deutlich: Banken investieren massiv in Chatbots, digitale Assistenten oder CoPilot-Integrationen, doch die operative Wertschöpfung bleibt gering. Während Technologie- und Medienunternehmen laut MIT bereits messbare strukturelle Veränderungen erleben, sind Banking und Finanzdienstleistungen nach wie vor ein „Low-Disruption Sektor“.

Warum Banken häufig auf der falschen Seite stehen

Die Gründe sind vielschichtig. Zum einen wirkt der regulatorische Rahmen hemmend, Datenschutz, MaRisk, BAIT und die neue EU-AI Act-Regulierung erzeugen ein Umfeld, in dem Innovation durch Compliance-Bedenken gebremst wird. Zum anderen erschweren gewachsene Systemlandschaften und fragmentierte Organisationsstrukturen die Integration von KI in die End-to-End-Prozesse.

Hinzu kommt eine falsche Allokation von Budgets: Nach Erkenntnissen der MIT-Studie fließen rund 70 Prozent der KI-Investitionen in sichtbare, aber oft wenig nachhaltige Bereiche wie Marketing und Vertrieb. Der eigentliche Effizienzhebel liegt jedoch im Back-Office, bei der Automatisierung von Kreditprozessen, Risikoprüfungen oder regulatorischen Dokumentationspflichten. Genau hier erzielen laut MIT die wenigen erfolgreichen Anwender den größten ROI, nicht durch Kostensenkung beim Personal, sondern durch Reduktion von BPO-Ausgaben und externen Dienstleistungen.

Die Lernlücke als strategischer Engpass

Das MIT-Team identifiziert als Hauptbarriere die sogenannte Learning Gap.
Die meisten Unternehmen setzen auf KI-Systeme, die weder lernen noch Erinnerungsfähigkeit besitzen – sie generieren, aber sie adaptieren nicht. Dadurch bleibt ihr Nutzen punktuell und verschwindet mit jedem neuen Prompt. Die Folge ist ein Innovationsstillstand: hohe Pilotaktivität, aber keine strukturelle Transformation.

Nur ein kleiner Kreis von Organisationen hat diese Lernlücke überwunden. Diese sogenannten „Right-Side Organizations“ implementieren Systeme, die Feedback aufnehmen, kontinuierlich besser werden und in bestehende Workflows integriert sind. Solche lernfähigen, sogenannten Agentic AI-Modelle markieren laut MIT die nächste Entwicklungsstufe – weg von generativer hin zu adaptiver Intelligenz.

Von der Studie zur Praxis: Das KI-Impact-Vorgehensmodell

Genau an dieser Stelle setzt das KI-Impact-Vorgehensmodell mit einem strukturierten Ansatz an, der Unternehmen und insbesondere Banken befähigt, die GenAI-Kluft gezielt zu überwinden und KI-Investitionen in messbaren Geschäftsnutzen zu überführen.

Anstelle technologiegetriebener Einzelinitiativen startet das Modell mit einer strategischen Standortbestimmung: Welche Geschäftsziele sollen mit KI unterstützt werden, und wie zahlt dies auf die Gesamtwertschöpfung ein? Danach folgt die gezielte Identifikation von prozessspezifischen Use Cases, die einen klaren betriebswirtschaftlichen Hebel aufweisen – etwa im Kreditgeschäft, in der Risikosteuerung oder im regulatorischen Reporting.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Aufbau eines belastbaren KI Operating Models mit klaren Verantwortlichkeiten, Governance-Mechanismen und Kontrollpunkten entlang der regulatorischen Anforderungen. Erst auf dieser Grundlage folgt der Rollout und das Enablement die gezielte Befähigung der Organisation, Feedback zu geben, zu lernen und KI als kontinuierlichen Lernpartner zu verstehen.

Das Vorgehen ist damit weit mehr als eine Implementierungs-Checkliste. Es operationalisiert das, was die MIT-Studie als zentrale Erfolgsbedingung benennt: den Übergang von starren Tools zu lernenden Systemen und von kurzfristigen Piloten zu nachhaltigem Business Impact.

Vom Proof of Concept zum Proof of Profit

Die Ergebnisse der MIT-Studie „State of AI in Business 2025“ sind ein Weckruf für die Finanzbranche. Nicht Technologie, sondern Organisationsdesign, Lernfähigkeit und gezielte Umsetzung entscheiden über den Erfolg von KI-Initiativen.

Banken, die jetzt den Schritt von der Experimentierphase hin zu strategischer Skalierung gehen, sichern sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorsprung nicht durch mehr Modelle, sondern durch bessere Lernsysteme und konsequente Integration in ihre Geschäftsarchitektur.

Mit dem KI-Impact-Ansatz steht dafür ein praxiserprobtes Modell bereit, das hilft, die Kluft zwischen Piloten und Performance zu schließen und aus generativer KI endlich generativen Wert zu schaffen.

Über den Autor

Dr. Ingo Kipker

Dr. Ingo Kipker leitet das Competence Center Banken & Finanzdienstleister bei Horváth. Der Bankkaufmann und Betriebswirt begleitet die Finanzindustrie in der digitalen und nachhaltigen Transformation. Er war zuvor u.a. für die Deutsche Bank, Deutsche Börse und BearingPoint tätig.

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