Vertragschaos im Backoffice

Verträge als strategisches Steuerungsinstrument

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Digitale Vertragslösungen verändern das Management von Verträgen grundlegend. Unternehmen stehen vor Herausforderungen wie Transparenz, Fristenkontrolle und effizienter Zusammenarbeit. Die richtigen Systeme können Prozesse erheblich verbessern.

Digitales Vertragsmanagement in der Praxis

Moderne CLM-Systeme erhöhen Transparenz und Effizienz bei Vertragsprozessen.

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Verträge sind weit mehr als juristische Dokumente – sie sind das Fundament geschäftlicher Beziehungen und definieren die Spielregeln wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Sie legen Rechte und Pflichten fest, regeln Lieferbedingungen, Zahlungsmodalitäten oder Haftungsfragen und sichern so die Verlässlichkeit unternehmerischer Partnerschaften. In einer zunehmend vernetzten und regulierten Wirtschaft ist ein professionelles, digitales Vertragsmanagement daher nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern auch der Risikominimierung und Compliance.

Gerade vor dem Hintergrund globaler Lieferketten, wechselnder Marktanforderungen und steigender regulatorischer Komplexität gewinnt das Contract Lifecycle Management (CLM) an Bedeutung. Es beschreibt den durchgängigen, systematischen Ansatz, Verträge über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu steuern – von der Initiierung über die Erstellung und Verhandlung bis hin zur Archivierung, Analyse und möglichen Verlängerung oder Kündigung.

Der Status quo im Vertragsmanagement

Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt eine aktuelle Studie der techconsult GmbH und Ceyoniq Technology GmbH: 64 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland haben keinen vollständigen Überblick über ihre laufenden Verträge. Ziel der Untersuchung war es, den Reifegrad bestehender CLM-Strukturen zu erfassen, zentrale Herausforderungen zu identifizieren und Optimierungspotenziale aufzuzeigen – insbesondere in Hinblick auf Automatisierung und digitale Integration.

Die Ergebnisse offenbaren deutliche Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Obwohl nahezu alle Unternehmen die strategische Bedeutung ihrer Verträge anerkennen, fehlt es häufig an Transparenz, Einheitlichkeit und strukturierten Prozessen.

Vom Papierarchiv zur digitalen Cloud

96 Prozent der befragten Unternehmen bewerten die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit im Vertragsmanagement als wichtig oder sehr wichtig. Dennoch dominieren vielerorts noch manuelle und unkoordinierte Verfahren.
Rund 22 Prozent der Unternehmen nutzen ein lokal installiertes CLM-System, 20 Prozent setzen bereits auf cloudbasierte Lösungen. Fast die Hälfte (46 Prozent) verwaltet Verträge jedoch über klassische ERP- oder CRM-Systeme – und 49 Prozent sogar noch mit Excel-Tabellen. Das führt zu Fehleranfälligkeit, mangelnder Nachvollziehbarkeit und kaum vorhandenen Automatisierungsoptionen.

Ein solches Vorgehen ist in dynamischen Geschäftsumfeldern kaum noch tragfähig: Unklare Verantwortlichkeiten, uneinheitliche Dokumentenversionen und versäumte Fristen beeinträchtigen nicht nur die Effizienz, sondern auch die Rechtssicherheit.

Zwischen Anspruch und Realität

Trotz des Bewusstseins für die Vorteile digitaler Lösungen greifen viele Unternehmen weiterhin auf traditionelle Methoden zurück. Etwa 60 Prozent versenden Vertragsentwürfe noch per E-Mail im Word-Format – ein Verfahren, das Versionskonflikte und Sicherheitsrisiken begünstigt. Auch die Nutzung allgemeiner Cloud-Dienste wie SharePoint oder Google Drive ist mit 59 Prozent weit verbreitet. Diese Plattformen fördern zwar die Zusammenarbeit, sind jedoch nicht speziell auf die Anforderungen eines strukturierten CLM ausgerichtet.

Nur rund ein Drittel der befragten Unternehmen nutzt digitale Verhandlungsplattformen, die sichere, projektbezogene Arbeitsräume bieten. Doch selbst dort fehlt oft die nahtlose Integration in bestehende CLM-Systeme. Das Ergebnis: ein unübersichtliches Vertragsmanagement mit unklaren Zuständigkeiten und begrenzter Kontrolle.

Schwachstellen mit deutlichen Folgen

Die größten Schwachstellen liegen in mangelnder Transparenz und inkonsistenten Prozessen. 35 Prozent der Unternehmen geben an, keinen ausreichenden Überblick über laufende Verträge zu haben; fast ebenso viele beklagen unklare Fristen und verpasste Termine. Hinzu kommen uneinheitliche Vertragsklauseln und fehlende Standardisierung von Templates.

Die Folgen sind gravierend: Fehlende Transparenz schwächt die Verhandlungsposition, behindert die Einhaltung von Fristen und kann finanzielle Nachteile nach sich ziehen. Ein strukturiertes CLM ist daher nicht nur ein organisatorisches, sondern auch ein strategisches Steuerungsinstrument.

Barrieren auf dem Weg zum digitalen CLM

Viele Unternehmen sehen sich mit einer Vielzahl praktischer Hindernisse konfrontiert. Ein Drittel der Befragten arbeitet noch mit papierbasierten Prozessen – zeitaufwendig, fehleranfällig und schwer zu automatisieren. Ebenso häufig entstehen Medienbrüche durch Drucken, Scannen oder E-Mail-Versand, die digitale Workflows unterbrechen.

Ein weiteres Problem sind fehlende Schnittstellen: 34 Prozent der Unternehmen bemängeln die unzureichende Anbindung an ERP-, CRM- oder DMS-Systeme. Dadurch bleibt das CLM isoliert und kann sein Potenzial in Bezug auf Automatisierung und Analyse nicht entfalten. Auch die Nutzerakzeptanz stellt eine Hürde dar – 26 Prozent sehen überladene Oberflächen und komplizierte Genehmigungsprozesse als Bremse im Alltag.

Anforderungen an ein modernes CLM

Aus den identifizierten Schwächen lassen sich klare Anforderungen an zukunftsfähige CLM-Lösungen ableiten. Besonders wichtig sind:

  • Integration: Eine nahtlose Anbindung an ERP-, CRM- und E-Signature-Systeme (43 Prozent).
  • Automatisierung: Ein intelligentes Fristenmanagement (41 Prozent).
  • Skalierbarkeit: Systeme, die mit dem Unternehmenswachstum mitwachsen (39 Prozent).
  • Benutzerfreundlichkeit: Eine intuitive Oberfläche, die den Zugriff auf Vertragsdaten vereinfacht (37 Prozent).
  • Rechtskonformität: Die sichere Einbindung elektronischer Signaturen (38 Prozent).

Ein modernes CLM ist damit weit mehr als ein Verwaltungswerkzeug – es ist ein zentraler Hebel zur Optimierung von Geschäftsprozessen, zur Sicherung der Compliance und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.

KI als Enabler für intelligente Prozesse

Künstliche Intelligenz kann das Vertragsmanagement zusätzlich revolutionieren. Sie unterstützt bei der Erstellung von Vertragsentwürfen, bei der Analyse von Risiken, bei der automatischen Erkennung von Fristen oder bei der Generierung von Textvorschlägen. Dadurch werden nicht nur Routineaufgaben beschleunigt, sondern auch Fehler reduziert und rechtliche Risiken minimiert.

Richtig eingesetzt, kann KI die Rolle des Vertragsmanagements im Unternehmen grundlegend verändern – weg von der reinen Verwaltung hin zu einer datengetriebenen, strategischen Steuerungsfunktion.

Vom Nachzügler zum digitalen Treiber

Die Diskrepanz zwischen digitalem Anspruch und analoger Praxis zeigt deutlich: Viele Unternehmen stehen beim CLM erst am Anfang. Während einzelne Fortschritte erkennbar sind, bleibt das Potenzial moderner Lösungen vielfach ungenutzt. Doch das Vertragsmanagement ist längst kein „Nice-to-have“ mehr – es ist ein kritischer Erfolgsfaktor im digitalen Zeitalter.

Wer jetzt in integrierte, skalierbare und anwenderfreundliche Systeme investiert, schafft die Basis für mehr Transparenz, Effizienz und Compliance. Ein durchdachtes CLM vereint rechtliche Sicherheit mit operativer Exzellenz – und wird so vom administrativen Nachzügler zum strategischen Treiber der Digitalisierung.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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