Banken stehen unter zunehmendem Druck, ihre Händlerdienstleistungen zu modernisieren, während agile PayTechs Marktanteile gewinnen. Die Wettbewerbsfähigkeit hängt von schnellen, digitalen und integrierten Lösungen ab.

Banken müssen ihre Händlerdienstleistungen modernisieren, um im Wettbewerb mit agilen PayTechs Marktanteile zu sichern.
Eine aktuelle Untersuchung des Capgemini Research Institute zeigt, dass Banken ihre Händlerdienstleistungen modernisieren müssen, um im Wettbewerb mit wendigen PayTech-Unternehmen bestehen zu können. Diese Anbieter sind gezielt auf technologische Lösungen für Zahlungsprozesse ausgerichtet und drängen zunehmend in das Marktsegment der Händlerdienstleistungen.
Die jährliche Studie, inzwischen zum 21. Mal durchgeführt, verdeutlicht, dass insbesondere kleine (15 Prozent) und mittelständische Händler (22 Prozent) nur geringe Zufriedenheit mit den bestehenden Bankangeboten melden. Dennoch nutzen 66 Prozent der Händler weiterhin traditionelle Finanzdienstleister – ein Signal für die vorhandene Zukunftschance der Banken.
Banken vernachlässigen Händlerbeziehungen
Banken haben in der Vergangenheit Händlerdienstleistungen oft vernachlässigt. Gründe dafür sind sinkende Margen, eine zunehmend komplexe Infrastruktur und hohe Betriebskosten. Diese Lücken nutzten PayTechs, um mit digitalen und effizienten Lösungen Marktanteile zu gewinnen. Während 70 Prozent der Händler Wert auf geringe Zahlungsausfälle und eine stabile digitale Infrastruktur legen, sind nur 19 Prozent der Banken überzeugt von ihrer eigenen Leistungsfähigkeit in diesem Bereich. Ähnlich sieht es beim Onboarding aus: 69 Prozent der Händler erwarten schnelle und nahtlose Prozesse, aber nur 13 Prozent der Bankmanager glauben, dass ihre Institute dies zuverlässig liefern können.
Da viele Banken ihren Fokus eher auf das Kartengeschäft als auf die Akquise und Betreuung von Händlern richten, entstehen Versorgungslücken. Etwa 40 Prozent der Händler suchen bereits nach Alternativen. Die Botschaft ist klar: Banken riskieren, im Ökosystem der Händler vollständig den Anschluss zu verlieren. Wer jetzt gezielt Reibungsverluste abbaut und Technologien wie generative KI nutzt, kann seine Position im Wettbewerb mit PayTechs stärken.
Herausforderungen beim Händler-Onboarding
Ein besonders kritischer Punkt ist das Händler-Onboarding: Banken benötigen dafür häufig bis zu sieben Tage, was durchschnittliche Kosten von rund 496 US-Dollar verursacht. PayTechs schaffen denselben Prozess in weniger als 60 Minuten zu Kosten von etwa 214 US-Dollar. Solche Verzögerungen kosten Händler Umsatz und Geduld und treiben sie in die Arme agilerer Wettbewerber.
PayTechs als Innovationsführer
Auch in Sachen Innovation liegen PayTechs deutlich vorn. So haben 70 Prozent der PayTechs bereits „Payments Orchestration“ implementiert, wodurch Händler sämtliche Zahlungsdienstleister, Banken und Acquirer über eine Plattform verwalten können. Bei den Banken sind es derzeit nur 47 Prozent. Ähnlich sieht es beim Einsatz von generativer KI aus: 60 Prozent der PayTechs nutzen diese Technologie umfassend, während dies bei nur 41 Prozent der Banken der Fall ist.
Regulatorische Neuerungen und digitale Zahlungsmethoden prägen die Marktstrategie der PayTechs ebenfalls stärker. Fast die Hälfte priorisiert digitale Zentralbankwährungen und Stablecoins, und 59 Prozent beschäftigen sich mit digitalen Identitäten, während Banken hier deutlich hinterherhinken (23 Prozent bzw. 38 Prozent). Lücken bestehen auch bei der Betrugsbekämpfung: Nur 26 Prozent der Bankmanager vertrauen auf ihre Schutzmaßnahmen. Händler berichten von Verlusten von rund 2 Prozent des Umsatzes durch Betrug und bis zu neun Stunden Systemausfall pro Jahr.
Wandel im globalen Zahlungsverhalten
Das globale Zahlungsverhalten ist in Bewegung. Die weltweiten bargeldlosen Transaktionen haben sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht, fast 90 Prozent davon entfallen auf den Einzelhandel und B2C-Geschäfte. Für 2024 wird ein Volumen von 1,6 Billionen US-Dollar prognostiziert, bis 2029 könnte es auf über 3,5 Billionen steigen.
Neue digitale Zahlungsmethoden gewinnen dabei deutlich an Bedeutung: Sofortzahlungen und digitale Geldbörsen klettern von 13 Prozent (2020) auf voraussichtlich 25 Prozent (2024). Der Anteil der Karten sinkt dagegen von 65 Prozent auf 52 Prozent, obwohl die Gesamtzahl der Kartentransaktionen weiter wächst. Besonders stark ist der Trend im asiatisch-pazifischen Raum, der 2024 fast 800 Milliarden digitale Transaktionen verzeichnete, mit einem erwarteten Wachstum von 21 Prozent für 2025. Nordamerika liegt bei 256 Milliarden Transaktionen mit moderaterem Wachstum von 7 Prozent, da Karten hier weiterhin dominieren.
Chancen für Banken im Merchant Servicing
Die steigenden Transaktionsvolumina und die Stabilität des Zahlungsgeschäfts bieten Banken die Chance, ihre Händlerbeziehungen zu intensivieren. Vertrauen, langfristige Marktpräsenz und die Breite an Finanzprodukten sind entscheidende Stärken der traditionellen Anbieter. So nennen 78 Prozent der Händler die Markenreputation, 49 Prozent die Stabilität und 46 Prozent die Produktvielfalt der Banken als Vorteile gegenüber PayTechs.
Banken können wieder punkten, wenn sie integrierte und branchenspezifische Mehrwertdienste anbieten – etwa eine nahtlose Anbindung von Restaurants an Lieferplattformen oder Treueprogramme für Einzelhändler. Acht von zehn Händlern geben an, dass sie zu Banken zurückwechseln würden, wenn diese die Dienste eines PayTechs zum gleichen Preis bereitstellen könnten. Eine strategische Fokussierung auf schnelle, digitale, integrierte Lösungen ist damit der Schlüssel, um im Wettbewerb um Händler wieder die führende Rolle einzunehmen.
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