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Superwallets: Die nächste Etappe beim Mobile Banking

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Innovative Startups stellen sich vor (4)

Die Superwallet ist eine umfassende Mobile Wallet für Banken, Sparkassen und deren Kunden

Die mobile Superwallet bietet als digitale Brieftasche viele Extras für den Kunden

In der Reihe der innovativen Startups aus der Finanzbranche stelle ich Ihnen heute eLeader vor, einen Anbieter von White Label Mobile Wallet Lösungen für Banken.  Dazu habe ich ein Interview mit Tomasz Krajewski, Head of mCommerce geführt.

Polen scheint sich zu einem Zentrum für Finanzinnovationen zu entwickeln.  Das dies hierzulande nur von wenigen bemerkt wird, dürfte vor allem an der Sprache liegen. Neben der MBank, die für viele als eine der innovativsten Banken überhaupt gilt, hat auch die Bank Zachodni WBK eine bemerkenswerte Innovation lanciert. Die BZ WBK ist eine polnische Universalbank und in Mittel- und Osteuropa die größte Bank der Santander Gruppe. Mit Unterstützung durch eLeader hat sie vor kurzem eine neue Superwallet eingeführt. Diese bietet den Kunden innerhalb der Banking App nicht nur Mobile Banking Funktionalitäten sondern auch zahlreiche andere Einkaufsmöglichkeiten. Über die Funktionen und Hintergründe hat mir Tomasz Krajewski einige Auskünfte gegeben.

Der Bank Blog: Herr Krajewski, wie kommt es dazu, dass Polens Finanzinstitute derzeit mit einer Innovation nach der anderen an ihre Kunden herantreten? Ist Polen das Silikon Valley der Banken?

Tomasz Krajewski: Es scheint tatsächlich so. Die Polen sind diejenigen in Europa, die am häufigsten mit einer Visa Karte kontaktlos bezahlen. Dieses Jahr startet ein neuer Zahlungsstandard, als gemeinsames Projekt der größten polnischen Banken. Woher diese Innovationen kommen? Als wir in den 90er Jahren in den Kapitalismus eintraten, mussten die neugegründeten Banken neue IT-Lösungen implementieren. Aus der Notwendigkeit heraus entstanden ausgesprochen moderne Systeme, da die Fehler vieler ausländischen Banken vermieden wurden. Wichtig ist aber auch, dass die polnische Bevölkerung sehr offen für Innovationen ist. Die heute 30-40-Jährigen sind sehr gut ausgebildet und von der Motivation auf das Überholen Westeuropas eingestellt. Einen positiven Einfluss hat auch der flächendeckende Internet- und Mobilfunkzugang.

Die Bank Zachodni WBK hat mit ihrer Unterstützung eine Superwallet eingeführt. Ist dies eine Art Einkaufszentrum, so wie es einige polnische Banken (z.B. Raiffeisen oder MBank) schon vor einigen Jahren in im Rahmen ihres Internet Bankings angeboten haben?

Tomasz Krajewski: Das mobile Internet bietet völlig neue Möglichkeiten gegenüber dem stationären. Und auch die Erwartungen der Nutzer sind andere. Die neue Superwallet es ist weder ein Einkaufszentrum noch ein „Amazon der Banken“ mit Tausenden von Händlern. Der Ansatz, Schuhe, Fernseher und ähnliches im Internetbanking seiner Bank zu kaufen, ist nicht wirklich aufgegangen. Die Lösung der BZ WBK geht in eine andere Richtung. Sie will mit ihrem Angebot die Erfüllung der täglichen Bedürfnisse der Bankkunden vereinfachen. Dazu enthält sie ein Set ausgewählter und nützlicher Dienstleistungen.

Tomasz Krajewski, Head of mCommerce bei eLeader

Tomasz Krajewski von eLeader

Wie funktioniert die BZ WBK App?

Nach dem Öffnen der App kann der Kunde – sogar ohne sich einzuloggen – ausgewählte zusätzliche Dienste nutzen, z.B. Lebensmitteleinkäufe mit Hauslieferung, den Kauf von Fahrkarten in den 30 größten Städten Polens, die Bestellung von Blumensträußen. Bald kann man mit der App auch Hotelzimmer reservieren,  Bahn- und Flugtickets kaufen, Parkplätze bezahlen, ein Taxi bestellen oder Essen aus über 1.500 Restaurants nach Hause liefern lassen.

Derartige Zusatzdienste des Mobile Bankings sind vielleicht eine verlockende Option, aber sollten sich  die Banken nicht besser auf ihr Kerngeschäft, das Bankwesen, konzentrieren?

Die Ära, in der Banken ausschließlich miteinander und untereinander konkurrierten, ist unwiderruflich vorbei. Wenn wir die Kunden fragen „Welchem Unternehmen vertrauen Sie am meisten bei der Abwicklung Ihrer Transaktionen über Ihr Smartphone?“, wird keine Bank genannt, die Mehrheit wird PayPal nennen. „Meine Bank” ist oft nur zweite Wahl. Hinzu kommen neue Marktteilnehmer wie TransferWise, dessen Nutzer schon Transaktionen mit über einer Milliarde Euro durchgeführt haben, oder Gebilde wie MCX oder Tesco Bank. Banken haben nach wie vor Millionen von Kunden, die ihre Bankkonten hauptsächlich als Sparbüchsen nutzen. Und derzeit ändert sich vieles. Auch die Banken sollten innovative Dienste anbieten, aber natürlich mit Köpfchen. Die Kunden wollen keinen modischen Schnickschnack, sondern intelligente mobile Dienste, die Bankleistungen mit einem Mehrwert verbinden und damit komplementär zur Grundfunktion des Geldes sind. Wenn diese Leistungen auch noch einfacher über die Bank als über andere Dienstleister zu nutzen sind, werden auf diese Weise sinnvolle Innovation geschaffen und gleichzeitig der Kundennutzen erweitert.

Welche Art komplementärer Dienste bietet die von der BZ WBK implementierte Lösung?

Zum Beispiel die Bezahlung der täglichen Einkäufe in der App mit nur einem Klick, weil der eingezogene Betrag unmittelbar dem Bankkonto des Kunden belastet wird. Für Finanzdienstleistungen wie für den e-Commerce wird eine einheitliche graphische Oberfläche genutzt und der Kaufprozess ist durch die Bank abgesichert. Aber es gibt noch mehr Anknüpfungspunkte: künftig kann man den Kunden zum Beispiel kurzfristige Darlehen anbieten, um In-App-Einkäufe auch bei niedrigem Kontostand zu ermöglichen.

Welchen konkreten Nutzen zieht die Bank aus diesem Angebot?

Provisionseinnahmen und Kundenbindung! Als Vermittler zwischen ihren Bankkunden und den In-App-Anbietern erzielt die Bank Einnahmen aus den Verkäufen. Außerdem wird die Häufigkeit der Kundenkontakte mit der Mobile Banking App gesteigert. Zusätzlich werden Daten über das Kaufverhalten der Kunden gesammelt, die über die Verknüpfung mit Hilfe von Big Data zu Informationen werden, die wiederum zur Generierung von neuen Mehrwertleistungen für den Kunden herangezogen werden können oder auch durch die Bank vermarktet werden können. Kurz gesagt: Der mobile Verkaufskanal kann so hundertprozentig ausgeschöpft werden.

Sprechen wir noch über die Tendenz der Mehrwertdienste im Mobile Banking. Was lässt Sie an einen Trend zur Superwallet glauben?

In zwei bis drei Jahren wird die Mehrheit der Banken eine eigene mobile Wallet anbieten, auch wenn man heute noch nicht weiß, wie dieses digitale Portemonnaie genau aussehen wird und wie es die Möglichkeiten des Mobile Bankings nutzen wird. Wir sind davon überzeugt, dass Superwallets der führende Trend im Banking sein werden, also die Verbindung von Banking, Mobile Commerce und Mobile Payments in einer einzigen zentralen App. Damit wird das Smartphone oder Tablet in ein universelles Werkzeug für Bankdienstleistungen, Zahlungen, Bestellungen, Paketverfolgungen, Terminabsprachen, Verleih, Buchungen und mehr verwandelt. Und Banken haben die Chance, mit ihrer Finanz-App die erste Wahl des Kunden zu sein. Dies wird auch in vielen Analysen bestätigt, wie z.B. in Recherchen von SAP, die in 17 Ländern mit 12.000 befragten Personen durchgeführt wurden. Auch Firmen wie PayPal oder Square gehen mit ihrem Angebot über klassische Zahlungen hinaus, indem sie neue Funktionen wie z.B. ‚Order Ahead’ – Essenbestellungen direkt in der App anbieten. Das alles geht weit über eine einfache Zahlungsfunktion hinaus und führt in Richtung Superwallets. Und das entspricht auch unserer Vision „far beyond payments“.

Wie sieht das Geschäftsmodell aus, mit dem Sie Ihre Superwallet anbieten?

E-Leader bietet die Lösung auf Whitelabel Basis an. Die Bank integriert es in ihrer App und bietet es unter eigener Marke und Branding an. Unter technischen Gesichtspunkten teilt es sich in drei Module: m-Banking, m-Commerce mit einem Ökosystem der Händler und m-Payments.

Bezüglich des letzten Modules: Wir bilden kein eigenes Zahlungssystem an, sind aber dafür in der Lage, jedes auf dem Markt bestehende Zahlungssystem in Superwallets zu integrieren, sei es IKO+, Zapp, Square oder PayPal. Im Moment ist der Zahlungsmarkt recht verstreut, so dass weltweit ungefähr 150 lokale Wallets existieren – aus unserer Perspektive hat es keinen Sinn, sich auf irgendeine Lösung zu begrenzen, da letztendlich der Nutzer entscheidet, welches Zahlungssystem ihn am ehesten anspricht.

Ich möchte noch hinzufügen, dass eine Bank ebenfalls unsere einzelnen Module implementieren kann, wenn sie schon eine mobile App besitzt.

Haben Sie keine Angst, dass die Banken immer noch zu konservativ sind und der Superwallet-Idee zunächst mit Vorsicht begegnen werden?

Ehrlich gesagt ist ein ungemeines Interesse sichtbar. Noch in diesem Jahr erwarten wir weitere Implementierungen.

Superwallet ist nicht nur unsere Idee – Beispiele mehr oder weniger fortgeschrittener Superwallets werden langsam in der ganzen Welt sichtbar. Die App der U.S. Bancorp (USB) scannt ein Bild aus einer Zeitschrift ein, findet das dort angebotene Produkt und gibt anderen die Möglichkeit, es zu kaufen. Die ICICI Bank wiederumermöglicht den Kauf von Kinokarten.

Die Banker sind sich der Notwendigkeit von Veränderungen bewusst. Ca. 90% der Bankdirektoren fürchten die Konkurrenz von Seiten der Nicht-Banken. Konservative Banken können nachhaltig Marktanteile verlieren, wenn sie sich nicht den neuen Möglichkeiten öffnen, welche das mobile Internet bietet. Mobilität ist eine Revolution, welche die Marktregeln ändert.

Zu Ihren Kunden gehören u.a. Unicredit Group, Danske Bank, Raiffeisen und die National Bank Of Kuwait –  welche von ihnen stehen auf der Implementierungsliste von Superwallet?

Die Firma gibt keine Unternehmen bekannt, mit denen sie Verhandlungen betreibt.

Die letzte Frage: Warum startet der Superwallets-Trend gerade jetzt?

Es ist die logische nächste Etappe in der Entwicklung des mobilen Bankings: am Anfang erwarteten die Kunden von der Bank-App Basisfunktionen und Sicherheit, danach haben die Banken die Benutzerfreundlichkeit verbessert. Jetzt ist Zeit für Zusatzdienste, welche die vielfältigen Möglichkeiten von Smartphones ausnutzen, wie zum Beispiel Fotozahlungen. Superwallet ist die konsequente Fortführung dieser natürlichen Evolution.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers.Aktuell bietet er Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management und Beratung/Consulting an und vertritt die Firma Meniga, einen innovativen Anbieter von White-Label-Lösungen für Persönliches Finanz Management (PFM) im deutschsprachigen Teil Europas.Darüber hinaus hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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