Ein branchenübergreifender Anstieg der Insolvenzen und rückläufige Gründungen zeigen, wie angespannt die wirtschaftliche Lage für Unternehmen aktuell ist – mit weitreichenden Folgen für Arbeitsmarkt, Finanzierungsbedingungen und Standortattraktivität.

Unternehmensinsolvenzen steigen 2025 erneut an – regionale und branchenspezifische Unterschiede prägen das Bild, Gründungen gehen weiter zurück.
Im ersten Quartal 2025 wurden in Deutschland 4.187 Insolvenzen von im Handelsregister eingetragenen Unternehmen verzeichnet. Das entspricht einem Anstieg von einem Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Dies geht aus einer aktuellen Analyse von Dun & Bradstreet hervor. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind Sachsen-Anhalt, Bremen und Rheinland-Pfalz. Einen deutlichen Rückgang meldete hingegen Mecklenburg-Vorpommern.
Zeitgleich ging die Zahl der Unternehmensgründungen bundesweit um vier Prozent zurück – ein Hinweis auf die anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und eine gebremste Gründungsdynamik.
Starke regionale Unterschiede bei Insolvenzen
Die Entwicklung der Insolvenzen verläuft regional sehr unterschiedlich. Sachsen-Anhalt verzeichnete mit einem Plus von 25 Prozent den höchsten Anstieg. Auch Bremen (+22 Prozent), Rheinland-Pfalz und Brandenburg (jeweils +11 Prozent) sowie Hessen und Thüringen (jeweils +10 Prozent) meldeten deutliche Zunahmen. In Schleswig-Holstein (+8 Prozent), Bayern und Sachsen (jeweils +7 Prozent) sowie im Saarland (+3 Prozent) fiel der Anstieg moderater aus.
Demgegenüber gab es in Mecklenburg-Vorpommern einen Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um 17 Prozent. Ebenfalls rückläufig waren die Zahlen in Baden-Württemberg (-9 Prozent), Hamburg (-6 Prozent), Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen (jeweils -3 Prozent) sowie in Berlin (-2 Prozent).
Branchenspezifische Entwicklungen
Auch bei der Analyse einzelner Branchen mit mehr als 100 Insolvenzfällen im ersten Quartal 2025 zeigen sich klare Trends. Den höchsten relativen Zuwachs verzeichnete das Autogewerbe mit einem Anstieg um 33 Prozent. Dahinter folgen der Maschinenbau und das Baugewerbe mit jeweils +16 Prozent, der Großhandel mit +15 Prozent sowie Unternehmens- und Steuerberatungen mit +13 Prozent.
Ein gegenteiliger Trend zeigt sich unter anderem bei Immobilienmaklern und -verwaltungen (-22 Prozent), im Landverkehr und der Logistikbranche (-21 Prozent), bei Holdings und Investitionsgesellschaften (-14 Prozent) sowie im Einzelhandel (-11 Prozent).
Ursachen für den Anstieg der Insolvenzen
Die anhaltend hohe Zahl an Unternehmensinsolvenzen ist auf eine Vielzahl an Ursachen zurückzuführen. Ein zentraler Faktor ist der Wegfall staatlicher Hilfsmaßnahmen aus der Zeit der Corona-Pandemie, durch die viele Unternehmen in den vergangenen Jahren künstlich am Leben gehalten wurden. Insbesondere wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen geraten nun zunehmend in Zahlungsschwierigkeiten.
Hinzu kommt das stark gestiegene Zinsniveau, das die Finanzierungskosten in die Höhe treibt und die Liquidität vieler Betriebe belastet. Diese finanziellen Rahmenbedingungen verschärfen die Lage für ohnehin gefährdete Unternehmen zusätzlich.
Strukturprobleme belasten Wettbewerbsfähigkeit
Neben kurzfristigen Finanzierungsproblemen leidet die deutsche Wirtschaft unter strukturellen Herausforderungen. Hohe Energie- und Rohstoffpreise, ein anhaltender Fachkräftemangel sowie schleppende Investitionen in Infrastrukturprojekte beeinträchtigen die unternehmerischen Rahmenbedingungen nachhaltig.
Diese Kombination aus wirtschaftlichem Druck und strukturellen Schwächen schwächt die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe und untergräbt die wirtschaftliche Stabilität – was sich direkt in der Entwicklung der Insolvenzzahlen widerspiegelt.
Gründungsaktivität weiter rückläufig
Auch bei den Unternehmensgründungen setzte sich der rückläufige Trend fort. Im ersten Quartal 2025 sank die Zahl der Gründungen bundesweit um vier Prozent. Dies lässt auf eine sinkende Gründungsdynamik schließen – möglicherweise Ausdruck pessimistischer Geschäftserwartungen potenzieller Unternehmerinnen und Unternehmer.
Besonders deutlich war der Rückgang in Bremen (-24 Prozent), im Saarland (-22 Prozent) und in Sachsen-Anhalt (-21 Prozent). Auch Mecklenburg-Vorpommern (-12 Prozent) und Hamburg (-10 Prozent) verzeichneten zweistellige Rückgänge.
Breite Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft
Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Unternehmensinsolvenzen sind vielfältig. Auf sozialer Ebene führen sie häufig zum Verlust von Arbeitsplätzen – mit teils gravierenden Folgen für betroffene Regionen, insbesondere wenn dort wenige große Arbeitgeber dominieren.
Wirtschaftlich betrachtet gefährden Insolvenzen die Stabilität von Lieferketten, bringen Zulieferbetriebe unter Druck und beeinträchtigen das Vertrauen von Investoren und Gläubigern. Auch der Staat ist betroffen: Einnahmeausfälle durch wegfallende Steuern sowie zusätzliche Ausgaben, etwa für Arbeitslosengeld, belasten die öffentlichen Haushalte zusätzlich.
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