Sechs Thesen zur Zukunft des Wertpapiergeschäfts

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Der Wandel im Wertpapiergeschäft zwingt Banken zu neuen Strategien. Modularität, Automatisierung und Kooperation werden zur Grundlage für Effizienz, Kundennähe und Zukunftsfähigkeit in einem zunehmend technologiegetriebenen Markt.

Wertpapiergeschäft der Banken im Wandel

Warum Banken jetzt ihre Aufstellung im Wertpapiergeschäft neu denken müssen.

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Die Finanzbranche steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Das betrifft unter anderem das Wertpapiergeschäft. Kooperationen zwischen etablierten Instituten und FinTechs sowie konkrete Marktentscheidungen zeigen, wie das Wertpapiergeschäft neu geordnet wird: weg von monolithischen Eigenentwicklungen, hin zu modularen Plattformen, automatisierten Abläufen und strategischen Partnerschaften.

So hat kürzlich die DKB mitgeteilt, ihre Wertpapierabwicklung statt über die DWP über das FinTech Upvest laufen zu lassen. Als Gründe wurden schnellere Abläufe, attraktivere Konditionen und bessere Skalierbarkeit genannt.

Ein weiteres Beispiel ist die UniCredit, die gemeinsam mit BNP Paribas und dem Technologieanbieter FNZ eine neue, cloudbasierte Post-Trade-Plattform aufbaut, um ihre Wertpapierdienstleistungen zu standardisieren und zu digitalisieren.

Neue Strukturen im Wertpapiergeschäft

Beide Fälle illustrieren: Wertschöpfungsketten werden verschlankt, Technologiepartnerschaften ausgebaut und Prozesse weiter automatisiert. Die Zeit, in der Effizienz ein Wettbewerbsvorteil war, ist vorbei. Sie ist heute Grundvoraussetzung.  Das Ziel muss heute darin bestehen, das Wertpapiergeschäft kosteneffizienter und langfristig wettbewerbsfähiger zu gestalten.

Veraltete IT-Systeme, manuelle Prozesse und hohe Wartungskosten lassen sich in einem dynamischen Marktumfeld nicht mehr rechtfertigen. Banken, die versuchen, alle Prozesse selbst zu betreiben, riskieren Ineffizienz und Wettbewerbsnachteile. Spezialanbieter übernehmen standardisierte Aufgaben – vom Settlement bis zum Reporting – schneller, günstiger und stabiler.

Automatisierung und Outsourcing werden zu strategischen Hebeln. Nur wer konsequent prüft, welche Prozesse automatisierbar oder auslagerbar sind, schafft Freiräume für Innovation und Kundennähe. „Automate-or-Outsource“-Strategie wird Grundpfeiler einer neuen Wertpapierarchitektur.

6 Thesen für das Wertpapiergeschäft

Vor diesem Hintergrund zeigt die Unternehmensberatung Cofinpro in einem aktuellen Whitepaper anhand von sechs Thesen, welche Hebel Banken nutzen können und sollten, um Effizienz, Innovation und Kundennähe im Wertpapiergeschäft miteinander zu verbinden und liefert praktische Empfehlungen für Institute.

1. Reines Digital Banking reicht nicht – Kundenerlebnis wird zur Währung

Digitalisierung ist heute selbstverständlich – entscheidend ist, was sie leistet. Banken müssen ihr Vertrauen und ihre regulatorische Stärke mit Einfachheit, Schnelligkeit und digitalem Komfort verbinden. Kundenerlebnis wird damit zur zentralen Währung des Wettbewerbs.

Offene Plattformen und neue regulatorische Möglichkeiten, etwa durch die europäische FiDA-Verordnung, bieten Chancen, Kundenschnittstellen zu erweitern, ohne sie aufzugeben. Wer Kundendaten gezielt analysiert, kann daraus wertvolle Rückschlüsse für Produktoptimierungen ziehen und seine Services kontinuierlich verbessern. Hybride Beratungsmodelle, die situative Unterstützung per App, Chat oder Telefon bieten, schaffen zusätzliche Nähe. Entscheidend ist, dass Banken nicht mehr nur darauf warten, dass Kunden zu ihnen kommen – sie müssen im digitalen Alltag ihrer Kunden dauerhaft präsent sein.

2. Ohne Automatisierung und Partnerschaften keine Zukunft

Effizienz ist kein Differenzierungsmerkmal mehr, sondern eine Grundvoraussetzung. Viele Institute kämpfen noch mit fragmentierten Altsystemen, manuellen Prozessen und hohen Betriebskosten. Der Weg in die Zukunft führt über eine konsequente „Automate-or-Outsource“-Strategie: Was sich automatisieren lässt, sollte automatisiert werden – und was andere effizienter leisten können, gehört in Partnerschaften ausgelagert.

Spezialisierte Dienstleister bieten häufig stabilere und skalierbarere Lösungen, insbesondere im standardisierten Massengeschäft wie Settlement, Reporting oder Transaktionsabwicklung. Banken, die versuchen, alles selbst zu betreiben, binden Ressourcen und riskieren, an Geschwindigkeit zu verlieren. Durch gezielte Integration externer Anbieter lassen sich Prozesse beschleunigen, Kosten senken und Innovationszyklen verkürzen.

3. Flexibilität entsteht durch modulare Architektur

Starre IT-Landschaften verhindern Innovation. Eine zukunftsfähige Bankeninfrastruktur muss offen, modular und API-fähig sein, um regulatorische Änderungen schnell umzusetzen und neue Services flexibel zu integrieren.

Wer Modularität strategisch begreift, schafft sich die Freiheit, einzelne Systemkomponenten bei Bedarf zu ersetzen oder zu erweitern, ohne den Betrieb zu stören. Microservices, Cloud-native Designs und API-first-Ansätze bilden dabei den technischen Unterbau. Ebenso wichtig ist eine organisatorische Anpassung: agile IT-Liefermodelle und DevOps-Strukturen machen es möglich, Produkte iterativ zu entwickeln und schneller am Markt zu testen. So entsteht eine IT-Architektur, die nicht zum Hemmschuh, sondern zum Enabler der Geschäftsstrategie wird.

4. Kundengruppen denken nicht in Standardlösungen

Einheitslösungen gehören der Vergangenheit an. Kunden unterscheiden sich in Zielen, Lebensphasen und Erwartungen – von jungen Selbstentscheidern über hybride Anleger bis zu vermögenden Kunden mit persönlichem Beratungsbedarf. Künftig zählt, wie präzise Banken diese Segmente erkennen und bedienen.

Datenanalyse spielt dabei eine Schlüsselrolle: Sie ermöglicht, Verhaltensmuster und Bedürfnisse zu identifizieren und darauf abgestimmte Produkt- und Serviceangebote zu entwickeln. Eine konsequent segmentierte Produktlandschaft – von digital steuerbaren Self-Service-Angeboten bis hin zu maßgeschneiderten Premium-Strategien – schafft Relevanz und Differenzierung. Auch die Preis- und Leistungsarchitektur sollte sich nicht mehr an Produktarten, sondern am individuellen Kundennutzen orientieren.

5. Dynamische Portfolios ersetzen starre Depots

Das klassische Depot hat ausgedient. Kunden erwarten keine statischen Anlagestrategien mehr, sondern Portfolios, die sich kontinuierlich an ihre Lebensumstände und Marktveränderungen anpassen.

Künstliche Intelligenz ermöglicht diese neue Form des Investierens. KI-Agenten analysieren laufend Einkommen, Lebensereignisse und Zinsentwicklungen, um Anlageentscheidungen dynamisch zu justieren. So entsteht ein „Finanz-Autopilot“, der das Portfolio automatisch optimiert – ähnlich einem Navigationssystem, das die Route fortlaufend anpasst.

Banken sollten die Akzeptanz solcher Systeme früh testen und KI-basierte Portfolio-Engines aufbauen, die Kundendaten in Echtzeit verarbeiten können. Dafür müssen starre Produktsilos aufgelöst und flexible Architekturen geschaffen werden, die automatisierte Anpassungen ermöglichen, ohne Transparenz oder Kontrolle zu verlieren.

6. Investieren wird ein unsichtbarer Begleiter im Alltag

Investieren wird zunehmend unsichtbar – eingebettet in den digitalen Lebenskontext der Kunden. Mit Embedded Investment fließen künftig bei jedem Bezahlvorgang Mikroinvestments in ETFs, Sachwerte oder tokenisierte Assets. Das Wertpapiergeschäft verliert seine Sonderrolle und wird zu einem integralen Bestandteil des Alltags.

Wer solche Möglichkeiten nicht bietet, riskiert, im digitalen Ökosystem unsichtbar zu werden. Banken müssen deshalb strategische Allianzen mit Payment-Providern, E-Commerce-Plattformen und FinTechs eingehen. Wichtig ist, skalierbare Mikroinvestment-Infrastrukturen zu entwickeln, die auch kleinste Beträge effizient verarbeiten können.

Auch White-Label-Module, die sich in fremde Plattformen integrieren lassen, eröffnen neue Wege zum Kundenzugang. Gleichzeitig sollten Institute frühzeitig prüfen, wie sie sich im Umfeld der kommenden EUDI-Wallets positionieren, um dort mit eigenen Angeboten und sicherem Datenzugang präsent zu sein.

Fazit: Offenheit und Mut zur Neuausrichtung

Das Wertpapiergeschäft der Zukunft ist modular, automatisiert und kundenzentriert. Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch kosmetische Modernisierung, sondern durch strukturelle Offenheit, datengetriebene Entscheidungen und den Mut zur Kooperation.

Wer Technologie, Partnernetzwerke und Kundenerlebnis zusammendenkt, entwickelt sich vom Produktanbieter zum Lösungsanbieter – und bleibt relevant in einem Markt, der sich rasant neu erfindet.

Die sechs Thesen könnten den Weg in dieses neue Zeitalter aufzeigen: Kundenerlebnis als Differenzierungsfaktor, Automatisierung als Effizienztreiber, Modularität als strategisches Rückgrat, Segmentierung als Kundenkompass, KI als Steuerungsinstrument und Embedded Investment als Bindeglied zwischen Bank und Alltag.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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