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Sieben Hinweise für Anleger in der Corona-Krise

Der durch die Corona-Pandemie verursachte Börsencrash hat heftige Auswirkungen an den weltweiten Aktienmärkten hinterlassen. Sieben Hinweise zeigen Anlegern, wie sie sich in dieser schwierigen Zeit verhalten sollten.

Geldanlage in Zeiten der Corona-Krise

In Krisenzeiten, wie der Corona-Pandemie, sind Entscheidungen zur Geldanlage immer eine besondere Herausforderung.

Der Absturz der Börsen im Zuge der Corona-Krise war heftig. In nur 28 Tagen hatte der Dax fast 40 Prozent eingebüßt. Weltweit sind die Aktienkurse in nur sechs Wochen um 24 Prozent eingebrochen. 19,4 Billionen Euro haben die 50.805 weltweit börsennotierten Unternehmen nach Berechnungen des Handelsblatts in nur sechs Wochen verloren. Die Marktverwerfungen deuten auf alte und neue Marktdynamiken hin, die das künftige Anlegerverhalten bestimmen könnten.

7 Hinweise für Geldanlagen in der Corona-Krise

Die Pandemie bietet eine ideale Projektionsfläche, um Markteffizienzen zu veranschaulichen, gängige Mythen zu entlarven und populäre Hypothesen zu überprüfen. Knut Gezelius, Lead Portfolio Manager der norwegische Asset Management Boutique SKAGEN Global, gibt Anlegern die folgenden sieben Ratschläge, wie sie sich in diesen schwierigen Zeiten verhalten sollten.


1. Betreiben Sie kein Markt-Timing

Es gibt keine Kristallkugel für den richtigen Ein- oder Ausstieg an der Börse. In den vergangenen Jahren gab es eine Vielzahl überzeugend geschriebener Analysen, die argumentieren, dass die Hausse schon zu lange Zeit andauere und daher ein weiterer Crash unmittelbar bevorstehe. Allerdings haben nur wenige (wenn überhaupt welche) vorhergesagt, dass die Märkte im März 2020 aufgrund einer Pandemie, die einen beispiellosen Stillstand durch einen weltweiten Lockdown auslöst, zusammenbrechen werden.

2. „Cash is king“ stimmt nicht

Anleger, die Bargeld horten, riskieren, auf beiden Seiten zu verlieren. Erst verpassen sie die Marktrally vor dem Absturz und dann verpassen sie in der Regel, inmitten der Panik einzusteigen, während der Markt rasch wieder zu den Höchstständen vor dem Absturz zurückkehrt.

Zudem ist die Rendite auf Bargeld im heutigen Niedrigzinsumfeld im Wesentlichen gleich Null, wenn nicht sogar negativ.

3. Es gibt (noch) keine Blasenbildung bei passiven Investments

Aktive Manager beklagen, dass die lockere Geldpolitik sowie die Verbreitung von ETFs und Momentum-Strategien den Aktienmarkt verzerren, weil sie Volatilität unterdrücken. Allerdings stieg der Volatilitätsindex VIX am 16. März 2020 inmitten der pandemiebedingten Marktverwerfungen auf ein 30-Jahres-Hoch.

Wurde der Aktienmarkt während dieser Turbulenzen zum „Stockpicker-Paradies“? Mehr als zwei Drittel der aktiven Fonds lagen im März und im ersten Quartal unter ihrer jeweiligen Benchmark. Immerhin ein Drittel der aktiven Manager erzielten eine – in manchen Fällen beträchtliche – Outperformance und sind daher für Anleger möglicherweise eine (viel) bessere Option als Indexfonds.

4. Value-Aktien mit niedrigen Multiples sind nicht defensiv

In den vergangenen zehn Jahren war es unter Value-Investoren ein gängiges Mantra, dass die angeschlagenen Value-Aktien defensiv wären. Die Corona-Krise hat diese Hypothese widerlegt.

Ein Vergleich der Renditen des MSCI AC World Growth und des MSCI AC World Value während des Marktabschwungs zeigt, dass Growth zwischen dem 12. Februar und dem 23. März 2020 um 30 Prozent sank, während Value im gleichen Zeitraum um 37 Prozent fiel.

Dies könnte an der traditionellen Definition von Value-Investments liegen, die immaterielle Vermögenswerte aufgrund veralteter Rechnungslegungsgrundsätze in den Jahresabschlüssen nur unzureichend erfasst. Das Konzept des „Value Investing“ bedürfe daher einer vollständigen Überarbeitung, um die Welt, in der wir heute leben, besser abzubilden.

5. Der Glaube, dass „Dividenden nicht lügen“, ist weitgehend eine Illusion

Ein weit verbreiteter Glaube besagt, dass eine hohe Dividendenrendite signalisiert, dass eine Aktie unterbewertet ist, und Investoren bei langfristigen Investitionsentscheidungen einer hohen Rendite Vorrang vor der Gesamtrendite (Kursanstieg plus Dividendenrendite) einräumen.

Der wirtschaftliche Kahlschlag infolge der Pandemie-Auswirkungen führte bei jenen Unternehmen, die im Verhältnis zu ihrer wahren Ertragskraft überproportional ausschütten zu radikalen Dividendenkürzungen, die oft mit einem gleichzeitigen Kursverfall der Aktien einhergingen.

Viele Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen hätten bereits vor der Pandemie auf wackligem Füßen gestanden, mit ungesunden Ausschüttungsquoten und sich verschlechternden Fundamentaldaten. Der wirtschaftliche Kahlschlag infolge der Pandemie-Auswirkungen war möglicherweise der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

6. Technologie verdient mehr Aufmerksamkeit

Die Corona-Krise die hohe Bedeutung digitaler Technologien für einen reibungslosen Alltag gezeigt. Ein Leben ohne Internet, elektronischen Zahlungsverkehr und Online-Shops erscheint vielen inzwischen unvorstellbar. Technologieunternehmen gehören daher eindeutig zu den Gewinnern der Krise und werden– unabhängig von einer Einzelanalyse – auch weiterhin davon profitieren.

7. Man sollte den Markt nicht naiv als irrational abtun

Gezelius ist der Meinung, es sei zu einfach, den Markt als irrational zu bezeichnen. Bereits im Vorfeld der Lockdown waren die Kursverluste an den Märkten heftig.

Ebenso scheint der Markt erkannt zu haben, dass die wirtschaftliche Erholung möglicherweise schneller vonstatten geht als von vielen Experten angenommen. Während laut einer Umfrage der Bank of America unter globalen Fondsmanagern im April nur 15 Prozent der Befragten (und 10 Prozent im Mai) an eine V-förmige Erholung glaubten, stieg der MSCI AC World Index zwischen dem 19. März und dem 5. Juni um 34 Prozent.

Noch ist allerdings offen, ob mittel- und langfristig die Märkte oder die Experten und Fondsmanager auf der richtigen Seite liegen.

Jede Krise hat Gewinner und Verlierer

Jede Krise hat natürlich Gewinner und Verlierer, und die COVID-19-Pandemie ist in dieser Hinsicht nicht einzigartig. Langfristige Anleger sollten die jüngsten Ereignisse analysieren, um wichtige Lehren hinsichtlich derjenigen Anlageprinzipien zu ziehen, die bis, während und nach der nächsten Krise zu erheblicher Vermögensbildung beitragen.

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Über den Autor

Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Er ist Herausgeber von Der-Bank-Blog.de und hält Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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