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Die meisten Deutschen sparen planlos

Deutsche Anleger lassen sich durch die Nullzinspolitik der europäischen Zentralbank nicht entmutigen. Sie sparen eifrig weiter. Allerdings verhalten sich dabei viele planlos und ohne konkretes Ziel.

Das Sparverhalten der Deutschen ist auch im Zinstief eher planlos

Das Sparverhalten der meisten Deutschen ist auch im Zinstief eher planlos.

Einer Umfrage von Union Investment zufolge erwarten74 Prozent, dass ihre persönliche finanzielle Situation in den nächsten sechs Monaten gleich bleibt. Mit einer Verschlechterung rechnen lediglich sieben Prozent.

57 Prozent der deutschen Sparer zeigen sich allerdings derzeit eher unzufrieden mit der Verzinsung ihrer Geldanlage. Dennoch sparen sie fleißig weiter. Und trotz der niedrigen Zinsen ist das Sparbuch weiterhin gefragt. Nur wenige halten es für erforderlich, ihre Geldanlagen angesichts der Zinssituation zu überprüfen und Anpassungen vorzunehmen


Kein Interesse an eigenen Finanzen

Viele Menschen haben kein Interesse an den eigenen Finanzen. Der Umfrage zufolge benötigen Sie dazu einen Anlasse. Die Hauptgründe, sich mit den eigenen Finanzen näher zu befassen sind der Erhalt einer Erbschaft bzw. Schenkung (64 Prozent) und wenn ein größerer Geldbetrag auf ihrem Girokonto eingeht bzw. beim Ausstieg aus dem Berufsleben (52 Prozent). 47 Prozent tun dies bei der Geburt eines Kindes und 37 Prozent, wenn ein Bankberater sie darauf anspricht. Im letzten Fall erwarten 63 Prozent von ihm, dass er Alternativen zu den mageren Zinsen Alternativen vorschlägt und erläutert.

Deutsche sind fleißige Sparer

78 Prozent der Deutschen legen derzeit monatlich Geld auf die hohe Kante. Das sei der höchste Stand seit fünf Jahren. 75 Prozent von ihnen sparen mehr als 100 Euro im Monat. 30 Prozent legen zwischen 100 und 250 Euro zurück und 45 Prozent mehr als 250 Euro.

69 Prozent haben dabei allerdings kein konkretes Sparziel vor Augen. Sie finden ein gewisses Geldpolster als beruhigend und gut für ein sicheres Gefühl. Ohne klar gesteckte Ziele merken allerdings viele nicht, ob sie sich mit ihren Anlagen in die richtige oder falsche Richtung bewegen.

„Falsches“ Sparen wird bevorzugt

74 Prozent halten weiter am Sparbuch fest, wohlwissend, dass es derzeit kaum noch Erträge abwirft. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die vermeintliche Sicherheit. Der Umfrage zufolge ist einer Mehrheit der Sparer sehr wohl bewusst, dass sie auf einem Sparkonto kaum Zinsen erhalten. Und 41 Prozent wissen, dass es trotz der niedrigen Zinsen Geldanlagen gibt, mit denen man attraktive Erträge erzielen kann. Dennoch ändern die meisten ihr Verhalten nicht. Denn nur 32 Prozent halten es für notwendig, ihre bisherigen Geldanlagen infolge der niedrigen Zinsen auf den Prüfstand zu stellen.

Den Anlegern ist offensichtlich nicht bewusst, dass herkömmliche Sparformen nicht mehr nur nichts bringen, sondern unter Berücksichtigung der Inflation sogar an Wert verlieren.

Mehrheit erwartet steigende Zinsen

55 Prozent rechnen in den nächsten fünf Jahren mit höheren Zinsen und glauben, das Zinstief aussitzen zu können. 28 Prozent gehen davon aus, dass die Zinsen in den kommenden fünf Jahren konstant niedrig bleiben werden. Und 16 Prozent rechnen sogar mit weiter fallenden Zinsen.

Allerdings dürfte das Nullzinsumfeld auf unbestimmte Zeit erhalten bleiben. Aus diesem Grund sollten sich Anleger Gedanken darüber machen und in rentierliche Geldanlagen investieren, wenn sie ihr Vermögen real erhalten oder ausbauen wollen.

Fondssparpläne sind eine Möglichkeit, Sparer langsam an chancenorientierte Anlageformen heranzuführen. Die Rahmenbedingungen zum Handeln werden von den Befragten als gut eingeschätzt. 63 Prozent halten es für attraktiv, ihr Geld in Aktien und Aktienfonds anzulegen. Vom Sparbuch behaupten dies lediglich neun Prozent.

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Über den Autor

Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Er ist Herausgeber von Der-Bank-Blog.de und hält Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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