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Die Liebe der Deutschen zum Bargeld

Ebenso wie bei der Digitalisierung hinkt Deutschland bei der Umstellung von Bargeld auf bargeldlosen Verkehr den entwickelten Ländern hinterher. Besonders auffällig ist dabei der Vergleich mit Skandinavien. Doch was sind die Gründe für den „deutschen Sonderweg“?

Die Deutschen kaufen am liebsten mit Bargeld ein

Die Deutschen bezahlen Ihre Einkäufe am liebsten mit Bargeld.

Obwohl es Gründe dafür gibt, warum die Deutschen am Bargeld hängen, werden sie sich wohl oder übel mit anderen Zahlungsmethoden auseinandersetzen müssen.

Die Situation in Deutschland

Ebenso wie bei der Digitalisierung hinkt Deutschland bei der Umstellung von Bargeld auf bargeldlosen Verkehr den entwickelten Ländern hinterher. Besonders auffällig ist dabei der Vergleich mit Skandinavien. Doch was sind die Gründe für den „deutschen Sonderweg“?

Besonders kleinere Einkäufe werden von den Deutschen bevorzugt in Bar abgewickelt. So nutzen Deutsche in 74 Prozent ihrer Einkäufe Bargeld als Zahlungsmittel. Was das Einkaufsvolumen insgesamt betrifft, so sank der Anteil von Bargeld als Zahlungsmittel 2017 allerdings erstmals unter die 50-Prozent-Marke auf den Wert von 47,6 Prozent.

Weitere Befragungen ergeben, dass die Deutschen im Euro-Raum mit 107 Euro durchschnittlich das meiste Bargeld im Portemonnaie haben. In einer Umfrage der Bundesbank gaben 88 Prozent aller Befragten an, dass sie auch in Zukunft mit Bargeld zu bezahlen wünschen. Doch warum haben die Deutschen eine so stark ausgeprägte Präferenz zu dem traditionellen Zahlungsmittel anstatt sich zum Beispiel in einer Übersicht führender Kreditkartenanbieter mit guten Alternativen vertraut zu machen?

Was sagen die Deutschen?

Umfragen sind ein probates Mittel, um etwas über die Neigungen einer Bevölkerung zu erfahren. So sind Sozialwissenschaftler und Demoskopen mit Umfragen auch der Frage auf den Grund gegangen, was die Deutschen an Bargeld schätzen und warum sie solche Hemmschwellen haben, konsequent auf Kreditkarten, Kontokarten und Zahlen per Smartphone umzusteigen. Dabei wurden folgende Angaben gemacht:

  • 65 Prozent aller Deutschen gaben als Grund an, eine bessere Ausgabenkontrolle zu haben,
  • 43 Prozent halten das Zahlen mit Bargeld für die einfachere Methode,
  • 33 Prozent ein gutes Drittel, haben ein stärkeres Sicherheitsgefühl,
  • 29 Prozent empfinden die Bargeldzahlung als schneller,
  • 20 Prozent haben ein gutes Gefühl dabei, Bargeld bei sich zu haben,
  • 13 Prozent schätzen den Umstand, dass Barzahlungen die Gefahr von Datenmissbrauch ausschließen,
  • 12 Prozent können sich den Pin bei Kreditkarten und Kontokarten schlecht merken,
  • während 9 Prozent aller Deutschen von einer stärkeren Akzeptanz im Einzelhandel ausgehen.

Geringer Anpassungsdruck

Umfragen sind nicht das einzige Mittel, um etwas über die Einstellungen einer Bevölkerung in Erfahrung zu bringen. Ein anderes Instrument sind Hypothesen, die mit Daten und Fakten untermauert sind.

Vergleicht man die Extreme Deutschland und Skandinavien miteinander, so fällt auf, dass Deutschland mit seinen über 80 Millionen Menschen im Gegensatz zu Skandinavien sehr dicht besiedelt ist. Damit lohnt sich für die Banken der breitgefächerte Einsatz der kostspieligen Geldautomaten, von denen es in Deutschland derzeit rund 60.000 gibt. So ist der Weg zum Geldautomaten nicht weit und in der Regel auch nicht mit längeren Warteschlangen verbunden.

Die Deutschen suchen somit rund einmal die Woche einen Bankautomaten auf, was für sie so praktisch und vertraut ist, dass sie keinen Grund darin sehen, ihr Leben in diesem Punkt umzustellen. In Skandinavien hingegen sind die Wege zum nächsten Geldautomaten oft weit, sodass die Skandinavier den Umstieg auf bargeldlose Zahlungsmethoden durchaus als Erleichterung sehen.

Flankiert wird dieser Einstellungswechsel durch Marketingkampagnen der Banken, für die der Einsatz der Bankautomaten ebenso unattraktiv ist, und die im Gegensatz zu Deutschland damit ein Interesse daran haben, ihre Kunden für die neuen Zahlungsmöglichkeiten zu gewinnen und ihnen die klassische Zahlungsmethode zu erschweren.

Warum auch die Deutschen umlernen müssen

Insgesamt gibt es also bezogen auf Deutschland keinen Grund von einem abrupten Wechsel der Zahlungsmethoden auszugehen. Wie Statistiken der letzten Jahrzehnte zeigen, verläuft die Entwicklung von Zahlen mit Bargeld hin zu alternativen Zahlungsmethoden eher schleichend. Dass ein solcher Trend auch in Deutschland existiert, hängt mit dem Internet zusammen. Um das attraktive Angebot an Produkten und Dienstleistungen zu nutzen, die über das Internet angeboten werden, sind auch die Deutschen gezwungen, sich mit den neueren Zahlungsmethoden auseinanderzusetzen.

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Über den Autor

Max Meier

Max Meier ist gelernter Bankkaufmann und schreibt regelmäßig für den Bank Blog Ratgeber über Themen für Kunden von Banken und Sparkassen.

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