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Alternative Finanzierungsformen – Möglichkeiten und Herausforderungen

Durch die fortschreitende Digitalisierung gewinnen neue, alternative Formen der Unternehmensfinanzierung neben klassischen Bankkrediten immer mehr an Bedeutung.  Sie bieten interessante Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung. wie eine Übersicht zeigt.

Alternative Finanzierungsformen gewinnen an Bedeutung

Alternative Finanzierungsformen gewinnen für Unternehmen immer mehr an Bedeutung

Egal, ob frisch gegründetes Start-up oder bereits etabliertes Unternehmen vor einer Erweiterung: Das nötige Kapital ist eine der Hauptvoraussetzungen für eine funktionierende Geschäftsidee. Abseits der Finanzierung durch Bankenkredite konnten sich in den vergangenen Jahren neue Finanzierungsmodelle etablieren und weiterentwickeln. Doch welche Möglichkeiten bieten diese und welche Konditionen haben sie?

Neue Optionen durch Digitalisierung

Viele digitale Unternehmenstools erleichtern es nicht nur Unternehmensgründern, notwendige Geschäftsprozesse zu optimieren. Das betrifft alle Unternehmens-Bereiche wie Kundendaten-Pflege, Online-Rechnungsprogramme, automatisiertes Mahnwesen, Lager-Verwaltung oder smarte Buchhaltungssoftware. Die meisten dieser digitalen Tools funktionieren online und schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Business- und Finanzierungspläne reibungslos und schnell umgesetzt werden können.

Auch auf dem Kreditmarkt haben sich für Unternehmer gerade durch die voranschreitende Digitalisierung neue Optionen ergeben. Auch hat sich rund 11 Jahre nach Ausbruch der letzten globalen Banken-Finanzkrise ein fundamentaler Wandel vollzogen, der viele Anleger in alternative Finanzierungsquellen getrieben hat. Ein Trend hat sich dabei deutlich abgezeichnet: Die Unternehmens-Finanzierung war noch nie so stark mit privaten Investoren verknüpft wie heutzutage.

Im Folgenden werden einige der wichtigsten neuen Finanzierungsmöglichkeiten vorgestellt:

Crowdfunding

Das Crowdfunding in Deutschland hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich etabliert und dieses Finanzierungsmodell erfährt immer weiter Zulauf. Das Prinzip dahinter ist schnell erklärt: In Form einer Schwarmfinanzierung stellen Privatpersonen Kapital zur Verfügung, im Gegenzug erhalten diese entweder monetäre Gegenleistungen in Form von Gewinnbeteiligung oder in Form von Dienstleistungen oder Produkten.

Vor allem für junge, innovative Start-ups oder Projekte in der Kunst- oder Musikbranche bietet Crowdfunding eine attraktive Alternative zur Bankenfinanzierung, die für deren Projektrealisierung eher nicht zustande käme. Über Online-Marktplätze finden die Unternehmen sowie die Investoren zueinander und so gut wie jeder, dem die Idee gefällt, kann sich an deren Finanzierung beteiligen. In der Regel investieren einzelne Crowd-Teilnehmer eher geringe Summen.

Doch auch über viele kleine Einzelsummen kommen nicht unerhebliche Summen zusammen. Wie das Informationsportal crowdfunding.de im Juni berichtete, konnte in Deutschland die 500-Millionen-Euro-Marke von Crowdkapital geknackt werden. Das Institut hat die entsprechenden Investitionssummen seit 2011 beobachtet. Dabei wurde über die Hälfte des gesamten Crowdkapitals in den zuvor vergangenen 15 Monaten investiert.

Crowdinvesting

Anders als beim Crowdfunding erwerben die Investoren einen eigenen Anteil am Unternehmen. Beim Crowdinvesting geht es stets um die Finanzierung eines ganzen Unternehmens und nicht nur ein bestimmtes Produkt. Der Investor ist mit seiner Finanzierung direkt am Unternehmen beteiligt und abhängig von seinem Erfolg. Somit ist er an einer Wertsteigerung und bei Gewinnen genauso involviert wie im Falle von Verlusten oder einem finanziellen Konkurs. In Deutschland hat dieses Finanzierungsmodell zuletzt viele Immobilien- oder Energieprojekte unterstützt.

Crowdlending

Beim Crowdlending erwirbt ein Investor keine Anteile am Unternehmen, sondern gewährt ihm einen – großen oder kleinen – Unternehmenskredit. Für einen solchen Kredit bedarf es allerdings keiner größeren Sicherheiten, lediglich einige Unterlagen wie betriebswirtschaftliche Auswertungen, Jahresabschlüsse oder eine persönliche Bürgschaft reichen dafür aus. Für den Kreditnehmer im Unternehmen besteht der Vorteil darin, dass der gegebene Kredit nicht an einen bestimmten Zweck gebunden und damit flexibel einsetzbar ist.

Peer-to-Peer-Lending

Peer-to-Peer-Lending oder -Kredite sind reine Privatkredite, die von Privatpersonen an Privatpersonen vergeben werden. Die ersten Kredite dieser Art wurden 2005 in Großbritannien etabliert, in Deutschland wurde 2007 eine erste Internet-Plattform dafür errichtet. In Schwellenländern hat dieses Modell in Form von Klein- oder Mikrokrediten Furore gemacht, wo Kleinstunternehmer und ihre Familienprojekte mit den Geldern aufgebaut werden konnten. Beim Peer-to-Peer-Landing geht es nicht vorrangig um eine Investition, sondern um eine gemeinnützige und wohltätige Unterstützung. In diesem Zusammenhang hat sich ebenfalls der Begriff Social Lending etabliert.

Factoring

Beim Factoring geht es darum, ein Unternehmen liquide zu halten, was in bestimmten Unternehmensphasen entscheidend zur Stabilisierung beitragen kann. Hier werden Forderungen aus Leistungen oder Lieferungen an eine Factoring-Gesellschaft verkauft. Die sogenannten Factoren sind Factoringunternehmen, bei denen beispielsweise eine unbezahlte Rechnung eingereicht und von diesen übernommen wird. Das Unternehmen erhält den entsprechenden Forderungsbetrag dabei abzüglich eines Abschlags. Beim Factoring geht es fast immer nur um gewerbliche Forderungen.

Staatliche Fördermittel

Die deutsche Förderlandschaft ist mit über 2000 Programmen sehr vielfältig. Zinsgünstige Darlehen oder Mikrokredite haben eine Bandbreite von einigen Hundert bis über 25.000 Euro Fördersummen, je nach Projekt- und Unternehmensgröße. Auch tilgungsfreie Jahre sind möglich, was gerade in der Anlaufphase eines Unternehmens entscheidende Vorteile bringt. Für ein junges Start-up sind staatliche Förderungen oft die perfekte Finanzierungslösung.

Die staatlichen Fördermöglichkeiten sind allerdings genauso vielfältig wie die Verfahren umständlich und kompliziert sind. Um bei den Vergaberichtlinien durchzublicken und die aufwendigen Antragsverfahren zu meistern, sollten Gründer eine professionelle Beratung von außen hinzuziehen.

Contests

Mit etwas Glück und einer überzeugenden Unternehmensdarstellung können Unternehmensgründer auch beträchtliche Finanzierungssummen ergattern. Bei Contests oder Gründerwettbewerben, die in Zusammenhang mit Mentoring-Programmen stehen, sind die ausgeschriebenen Gewinnsummen eine gute Basis für den Aufbau einer Unternehmensidee bis zur Marktreife. Nicht nur die Unternehmensidee muss überragend darstellt sein, neben dem Pitch muss auch ein exzellenter Businessplan stehen. Der Aufwand dafür ist nicht unerheblich, darüber sollten sich Gründer im Klaren sein.

Work Investments

Um eine Unternehmensidee oder eine sinnvolle Erweiterung der Unternehmensstrategie voranzubringen, ist nicht nur finanzielle Unterstützung vonnöten. Abseits von monetärem Investment braucht ein erfolgreiches Start-up auch ein starkes Team und Expertenwissen. In Form von Work Investments können interessierte Beteiligte ihr Know-how und ihr Wissen in das Unternehmen investieren. Sie erhalten im Gegenzug in der Regel Anteile an dem Unternehmen.

Das Work Investment ist genau das Richtige für engagierte Personen, die sich intensiv an einer Unternehmensvision beteiligen, weil sie das Potenzial einer Idee sehen und ein Teil davon sein möchten. Eine solche Unterstützung ist in jeder Phase einer Gründung sinnvoll, vor allem jedoch in der frühen, Early-Startup-Phase, wenn man weder einen Prototyp vorweisen kann (wie es für Crowdfunding erforderlich ist) und noch nicht bereit für sogenannte Business Angels ist. Ein weiterer riesiger Vorteil für ein gründendes Unternehmen ist, dass bei einer Beteiligung in Form von Arbeitskraft keine extra Personalkosten anfallen, die ein Unternehmen immer mit am stärksten finanziell belasten.

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Über den Autor

Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Er ist Herausgeber von Der-Bank-Blog.de und hält Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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