Profifußballfinanzierung in Zeiten der Corona-Krise

Das Comeback der Fans

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Monatelang keine Spiele, dann leere Tribünen und Ränge – der Profifußball hat in diesem Jahr mehr als nur gelitten. Neue Finanzierungskonzepte können die Zukunft des hoch dotierten Sports sichern. Sie bieten Finanzinnovatoren ein spannendes Feld.

Neue Konzepte zur Finanzierung im Profifußball in Zeiten von Corona

Neue Konzepte zur Finanzierung im Profifußball in Zeiten der Corona-Krise.

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Kurz nach Beginn des Corona-Lockdowns wurde bekannt, dass eine zweistellige Zahl an Erst- und Zweitligaklubs ohne die nächste Rate für die Fernsehübertragungsrechte schnell in arge Finanzprobleme geriete. Borussia Dortmund hat einen Verlust von 45 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2019/20 ausgewiesen.

Einwurf eins: Eigenkapital

Das perfekte Mittel, um Verluste zu tragen und um einen Klub für die Zukunft widerstandsfähiger zu machen, wäre Eigenkapital. Angesichts der aktuellen Verluste muss es hier um externes Eigenkapital gehen.

Dabei sind die Besonderheiten des Profifußballs zu bedenken. Sie führen dazu, dass die üblichen Finanzierungsstrategien nicht eins zu eins übernommen werden können: Während die Mehrheit der Bundesligisten ihre Profifußballabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert hat, gab es im Juni 2020 beispielsweise in der ersten Liga auch fünf eingetragene Vereine (e. V.). Aber diese Vereine können kein externes Eigenkapital aufnehmen, müssten also zuerst ihre Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgliedern. Diese Kapitalgesellschaften wiederum müssen der „50+1“-Regel der Deutschen Fußball Liga entsprechen. Sie besagt, dass der Verein auch nach der Ausgliederung die Profiabteilung kontrollieren muss, etwa durch Stimmenmehrheit oder indem die Profiabteilung in eine Kommanditgesellschaft ausgegliedert wird mit dem eingetragenen Verein als Komplementär.

Zwischenfazit in der Halbzeit: Grundsätzlich können Bundesligisten also externes Eigenkapital aufnehmen, wenn die Profiabteilung ausgegliedert ist, die „50+1“-Regel eingehalten wird und sich Käufer für die Anteile finden.

Einwurf zwei: Die Fans

Nun kommt aber noch ein weiterer, extrem wichtiger Spieler in die Partie: die Mitglieder und Fans; im Folgenden vereinfacht nur als Fans bezeichnet. Wie wichtig sie für den Fußball sind, hat man nicht zuletzt an der sterilen Atmosphäre der Geisterspiele sehen können.

Insbesondere für die aktiven Fans liegt der Hauptzweck des Vereins im Sport. Er basiert auf Mitgliedschaft; jedes Mitglied hat eine Stimme und kann am Entscheidungsprozess teilhaben. Die Fans sind dem Verein und seiner Tradition emotional stark verbunden. Sie kritisieren die Kommerzialisierung des Fußballs.

Allerdings kann es dabei lediglich um den Grad der Kommerzialisierung gehen, nicht um ihre Vermeidung, denn Profifußball ohne jegliche Kommerzialisierung ist unmöglich. Fans stehen externen, also vereinsfremden Eigenkapitalgebern kritisch gegenüber. Sie gehören für die Fans ebenso zur Kommerzialisierung wie bereits die Ausgliederung als Vorstufe für den möglichen Einstieg externer Gesellschafter. Der Blick auf die bisherigen externen Gesellschafter in den Bundesligen gibt den Skeptikern unter den Fans größtenteils recht.

Breites Spektrum an Investoren im Profifußball

Natürlich ist das Spektrum von Kühne beim HSV, Adidas bei Bayern München und Windhorst bei Hertha BSC Berlin sehr breit – von Staatsfonds und anderen Investoren im internationalen Fußball ganz zu schweigen. Aber eines ist deutlich: Es handelt sich immer um Anteilsgrößen, die über die Möglichkeiten des normalen Fans weit hinausgehen. Und natürlich erwarten diese Investoren Einfluss im Gegenzug für ihre Mittel.

Mit kleinen Mitteln zur Beteiligung

Es ist schon paradox: Die einzige Möglichkeit für Fans, sich mit kleinen Beträgen zu engagieren, bieten ausgerechnet die beiden börsennotierten deutschen Klubs, Dortmund und Unterhaching. Paradox deshalb, weil der Börsengang von den Fans als besonders starke Ausprägung der Kommerzialisierung empfunden wird. Deshalb soll der Börsengang hier nicht weiterverfolgt werden.

Damit ist die Lücke für Finanzinnovatoren klar: Gesucht werden Vehikel, über die sich Fans mit kleinen Beträgen am Eigenkapital der ausgegliederten Profiabteilung „ihres“ Klubs beteiligen können. Entweder eröffnet die Rechtsform der ausgegliederten Profiabteilung direkt diese Möglichkeit oder es ist ein Vehikel zu konstruieren, das die Mittel der Fans sammelt und sich dann seinerseits an der Profiabteilung (etwa in der Rechtsform einer GmbH) beteiligt. Inspiration könnte hier von den „Supporters Trusts“ in England kommen.

Genossenschaftsmodell als Spielmacher?

Bei Schalke 04 kursierte in diesem Sommer im Zusammenhang mit einer möglichen Ausgliederung ohne weitere Details das Stichwort Genossenschaft. Die Genossenschaft als Vehikel für die Mitgliedermittel hätte aus Fanperspektive einige sehr attraktive Eigenschaften: Wer mehr einzahlt, hat nicht mehr Stimmen, weil nach Köpfen abgestimmt wird, ebenso wie in der Mitgliederversammlung des eingetragenen Vereins. Genossenschaftsanteile zu halten ist erkennbar nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet, da aussteigende Genossen nur an Verlusten, aber nicht an Gewinnen beteiligt würden. Daneben müsste klar kommuniziert werden, dass keine Ausschüttungen zu erwarten sind.

Wer hier beitritt, möchte seinen Klub unterstützen, aber keine finanzielle Rendite erzielen. Und es gibt genügend Beispiele, dass Fans dazu bereit sind, ihrem Klub Geld zu leihen oder sogar zu schenken, wie Fananleihen oder die Crowdfinanzierung von Stadionnamen (Nürnberg) zeigen. Dabei sind Volumina bis in den zweistelligen Millionenbereich vorstellbar. Warum nicht diese Fanmittel als Eigenkapital bereitstellen, so dass sie gleichzeitig den Faneinfluss stärken?

So könnte dieses Vehikel eine zeitgemäße Variante sein, diejenigen Kräfte im Fußball zu unterstützen, die den Faneinfluss sichern wollen um beispielsweise über den Grad an Kommerzialisierung in ihrem Klub mitzubestimmen. Man könnte daran denken, dass der eingetragene Verein die Stimmen des Anlagevehikels in der Gesellschafterversammlung der ausgegliederten Profiabteilung vertritt. Die Stimmrechtsvertretung gehört zu den vielen Details des Anlagevehikels, die noch zu klären wären. Dazu gehören auch die Binnen-Governance und der Ausstieg von Anteilshaltern. Eine einfache Kündigung wie bei einer Genossenschaft würde das Vehikel vor große Probleme stellen, da es seinerseits der ausgegliederten Profiabteilung dauerhaft Eigenkapital zur Verfügung stellt.

Lücke für Finanzinnovatoren

Es zeigt sich: Im Finanzierungsspektrum des Profifußballs gibt es eine große Lücke. Diese bestand schon vor Corona und ist nun noch signifikanter geworden. Potenzial ist bei der Eigenkapitalfinanzierung durch Fans. Diese Lücke bietet große Chancen für Finanzinnovatoren.


Der Beitrag erschien ursprünglich als Teil des Jahrbuchs 2020/21 des Vereins Finanzplatz Hamburg e.V.. Das Jahrbuch können Sie hier herunterladen.

Über den Autor

Prof. Dr. Stefan Prigge

Prof. Dr. habil. Stefan Prigge, ist Professor für Unternehmensrechnung und Unternehmensfinanzierung an der HSBA Hamburg School of Business Administration und verantwortlich für Forschung am IMF Institut für Mittelstand und Familienunternehmen, Hamburg. Außerdem ist er Gründungsmitglied von Sports Governance e.V. Seine Forschungsthemen Finanzierung und Corporate Governance bearbeitet er vor allen Dingen in den Bereichen Familienunternehmen und Profifußball.

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