Kunden mit interaktiven Angeboten im Internet binden

Digitalisierung in Förderbanken durch Online-Portale

Für viele Bankkunden ist Online Banking inzwischen Standard bei Finanzgeschäften. Allerdings noch nicht bei komplexen Geschäftsvorfällen wie Förderkrediten. Ein Beispiel der Investitionsbank des Landes Brandenburg zeigt, dass es auch anders geht.

Komplexe Bankgeschäfte erfolgreich digitalisieren

Auch komplexe Bankgeschäfte lassen sich erfolgreich digitalisieren.

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Bankkunden erledigen immer mehr Bankgeschäfte von zuhause aus. Online Banking gehört inzwischen zum guten Ton und ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Weniger selbstverständlich ist die vollständige elektronische Abwicklung von komplexen Geschäftsvorfällen wie Haus- oder Warenvorfinanzierungen oder das Beantragen und Bearbeiten von Förderkrediten. Gerade im Bereich der Förderbanken sind umfangreiche Genehmigungs- und Prüfprozesse eher die Regel als die Ausnahme.

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Je mehr Prozessschritte in der Antragsabwicklung auf den Kunden verlagert werden können, desto mehr Prozesskosten lassen sich einsparen. Der Kunde seinerseits hat eine rund um die Uhr verfügbare Online-Plattform an der Hand, spart sich Papieranträge und vor Ort Termine bei der Bank und damit Zeit. Ein Win-Win für beide Seiten – auch bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg, deren Kerngeschäft die Förderung öffentlicher und privater Investitionsvorhaben in den Bereichen Wirtschaft, Arbeit, Infrastruktur und Wohnungsbau ist.

Digitale Prozesse bei Förderbanken

Elektronisch abgebildete Prozesse des Förderbankengeschäfts lassen sich auf den Plattformen namhafter Hersteller wie z. B. SAP oder IBM umsetzen, die die benötigten Grundkomponenten bereits enthalten. Die Prozesse werden dabei über entsprechende Regeln gesteuert und lassen sich in sogenannten Business Rules Engines flexibel festlegen. Workflow-Prozess-Systeme organisieren die fachliche Zuständigkeit und die Zuteilung der Aufgaben an die jeweiligen Prozessbeteiligten.

Nachdem ein Kunde beispielsweise einen Förderantrag online gestellt hat, lassen sich je nach Geschäftsvorfall Dritte in den digitalen Prozess einbinden, seien es technische Gutachter, die KfW oder andere genehmigende Instanzen. Jeder Beteiligte hat die Möglichkeit, Rückfragen zu stellen, wenn Unterlagen für seine Aufgaben unvollständig sind.

Der Kunde wird über die Nachforderung informiert und kann seine Dokumente elektronisch nachreichen. Erst wenn alle Unterlagen und Genehmigungen vorliegen, wird der Förderantrag im bestandsführenden System vollautomatisch angelegt. Nach dem Kreditentscheid können Geschäftsvorfälle sowohl kunden- als auch bankseitig gestartet werden. So kann der Kunde beispielsweise Mittel abrufen oder die Bank Nachweise für die Verwendung des Geldes fordern.

Projekt zur Digitalisierung der Geschäftsprozesse

Genau dieses Vorgehen ist bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) bereits seit knapp fünf Jahren Realität. Die ILB startete dazu in 2012 ein Projekt zur Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse über das Internet. Seit 2014 können die Kunden der Bank online Förderanträge stellen. Durch die Kombination aus telefonischer Förderberatung und Online-Verfügbarkeit von Dokumenten im Portal lassen sich so erheblich verkürzte Feedbackzeiten für die Kunden realisieren. Damit werden die größten Vorteile einer Filiale – die persönliche Beratung und die sofortige Rückmeldung – quasi auch im Internet verfügbar.

Das System wurde unter der Leitung von der innobis AG, einem IT- und SAP-Dienstleister für Banken und Finanzdienstleister, mit einem Aufwand von ca. 2.800 Personentagen innerhalb von zwei Jahren in einer SAP-Landschaft entwickelt. Inzwischen laufen mehr als 2.500 Förderanträge und etwa 10.000 Geschäftsvorfälle pro Jahr durch die Systeme. innobis hat bereits mehrere Online-Portale bei Förderbanken konzipiert und eingeführt.

Sicherheitsaspekte bei der Umsetzung digitaler Prozesse

Natürlich sind Banken mit digitalen Prozessbestandteilen im Internet ein häufiges Ziel von Cyber-Angriffen. Daher müssen bei der Umsetzung digitaler Prozesse Sicherheitsaspekte frühzeitig berücksichtigt werden. Dazu werden in allen Projektphasen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Das reicht von der Ermittlung der Bedrohungsszenarien und geeigneter Gegenmaßnahmen, über die Schulung der Entwickler bis hin zur Auswahl und Konfiguration der späteren Produktionssysteme und dem Einsatz von Systemen, die Angriffsmuster erkennen und Angriffe unterbinden.

Durch die Online-Abbildung komplexer Geschäftsvorfälle lassen sich Kunden enger in den gesamten Prozess involvieren. Durch eine integrierte Geschäftsvorfallsteuerung ist es jederzeit möglich, nachzuvollziehen, wo ein Geschäftsvorfall gerade steht – ein wichtiger Anknüpfungspunkt zum Customer Relationship Management. Das größte Potenzial wird dabei in Kombination mit anderen Kanälen wie beispielsweise dem Telefon ausgespielt, da hier der Kunde am Telefon beraten wird und im Internet „mitlesen“ kann.

Vorteile der Digitalisierung für Förderbanken

Die Abbildung komplexer Geschäftsprozesse ist besonders für Förderbanken interessant. In Kombination mit persönlicher Beratung und Hilfestellung am Telefon können Prozesskosten eingespart werden, ohne die persönliche Kundenbindung aufzugeben. Im Sinne der digitalen Transformation, die auch vor den Förderbanken nicht Halt macht, lohnt es sich zu prüfen, ob Teile der Kundenprozesse digitalisierbar sind.

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Über den Autor

Björn Kibbel

Björn Kibbel ist als Manager Development und Integration Services bei der innobis AG tätig. Er analysiert bankfachliche Geschäftsprozesse und die damit verbundenen Anforderungen an die IT-/SAP-Landschaft und übernimmt die Architekturberatung bei Banken. Der studierte Diplom-Physiker ist ein erfahrener Projektleiter und begleitet seit mehr als zehn Jahren Förderinstitute bei der Umsetzung digitaler Strategien, insbesondere im Bereich von Förderportalen.

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