Der deutsche Mittelstand bewertet die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zunehmend kritisch, sieht Bürokratieabbau als größte Herausforderung und setzt verstärkt auf Eigenverantwortung sowie Investitionen in Cybersecurity und Künstliche Intelligenz.

Deutsche Mittelstandsunternehmen bewerten Bürokratie und Rahmenbedingungen kritisch, investieren aber in Zukunftstechnologien wie KI und Cybersecurity.
Der Standort Deutschland hat in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität verloren. Der deutsche Mittelstand bewertet die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kritischer denn je. Zugleich übernimmt er Verantwortung und wirkt mit Investitionen der unsicheren Lage entgegen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Commerzbank, die sich mit Lage und Perspektiven der Unternehmen befasst. Für die Untersuchung wurden mehr als 1.500 Führungskräfte der ersten Führungsebene befragt.
Mäßige Schulnoten für den Wirtschaftsstandort Deutschland
Müssten Unternehmen ihrem Wirtschaftsstandort Schulnoten geben, fielen diese überwiegend bedenklich aus: Nur 10 Prozent vergeben für die Rahmenbedingungen in Deutschland ein „sehr gut“ oder „gut“. Rund 60 Prozent bewerten diese allenfalls als „befriedigend“ oder „ausreichend“, während beinahe ein Drittel sie als „mangelhaft“ oder „ungenügend“ einschätzt. Im Ranking einer Liste von Wirtschaftsnationen landet Deutschland somit nur auf Platz 9 und liegt damit auch hinter Ländern wie Vietnam und Italien. Im Vergleich zu einer früheren Befragung aus dem Jahr 2019, als Deutschland noch Platz 1 belegte, ist das eine deutliche Verschlechterung.
Besonders kritisch sehen die Unternehmerinnen und Unternehmer auch die abnehmende Relevanz des Qualitätssiegels „Made in Germany“: 71 Prozent aller Befragten sind der Meinung, dass es an Bedeutung verloren hat.
Bürokratieabbau und Energiepreise als Hauptprobleme
Die befragten Unternehmen machen sehr deutlich, dass sie den Abbau von Bürokratie als größte Herausforderung der kommenden Monate ansehen – 46 Prozent nennen dies als vorrangiges Thema. Die Energiekosten (29 Prozent) sowie die hohe Steuerbelastung (21 Prozent) folgen mit einigem Abstand. Diese Priorisierung spiegelt sich auch in ihren Forderungen an Staat und Politik wider: 98 Prozent fordern ausdrücklich den Abbau von Bürokratie und weniger Regulierung.
Darüber hinaus wünschen sich 95 Prozent eine Verbesserung der digitalen und physischen Infrastruktur sowie 88 Prozent sinkende Energiepreise.
Mittelstand setzt auf Eigenverantwortung
Trotz der Kritik bekennt sich der Mittelstand zur Eigenverantwortung. Wichtige Erfolgsfaktoren, auf die Unternehmen verstärkt setzen, sind die Qualifikation der Beschäftigten (68 Prozent), die Optimierung der Prozessabläufe (62 Prozent) sowie die Unternehmenskultur (45 Prozent).
Bei der Investitionsplanung steht vor allem Cybersecurity ganz oben. Über die Hälfte der Befragten sieht außerdem qualifizierte Fachkräfte und die Technologie der künstlichen Intelligenz (KI) als lohnende Investitionsfelder für die Zukunft.
Künstliche Intelligenz: Nutzung vor allem bei größeren Unternehmen
Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen setzt künstliche Intelligenz bereits ein – wenn auch oft nur in einzelnen Bereichen. Dabei sind es vor allem größere Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 2 und 15 Millionen Euro, die diese Nutzung angeben. Je kleiner die Unternehmen, desto zurückhaltender sind sie bei der KI-Anwendung.
Diese Skepsis könnte längerfristig bestehen bleiben, denn die Mehrheit der Unternehmen, die heute noch keine KI einsetzen, plant dies auch in Zukunft nicht. Damit bleiben viele Chancen für Optimierungen und Innovationen bislang ungenutzt.
Erwartungen an die Hausbank steigen
Von ihrer Hausbank erwarten mittelständische Unternehmen in herausfordernden Zeiten Leistungen, die über klassische Bankangebote hinausgehen. Besonders gefragt sind Beratungen zu Fördermitteln (53 Prozent), individuelle Finanzierungsangebote (43 Prozent) und die Vernetzung mit anderen Unternehmen und Experten (33 Prozent).
Auch die persönliche Nähe zur Bank spielt eine bedeutende Rolle: Für 83 Prozent ist es „wichtig“ oder „sehr wichtig“, dass die Hausbank ihren Sitz in Deutschland hat.
US-Zollpolitik sorgt für Planungsunsicherheit
Die Studie wurde um eine Sonderbefragung ergänzt, die sich gezielt mit den Auswirkungen der aktuellen US-Zollpolitik befasst. Obwohl die Mehrheit der befragten Unternehmen kaum direkt davon betroffen ist, sorgt die zunehmende Planungsunsicherheit für Sorgen.
Unternehmen, die betroffen sind, reagieren mit Gegenmaßnahmen: Sie versuchen, sich neue Absatzmärkte in Deutschland und der EU zu sichern, um Risiken zu minimieren.
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