Künstliche Intelligenz und Geldanlage: Die Zukunft beginnt jetzt

Wie KI das Investieren einer neuen Generation prägen könnte

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In den kommenden Jahren könnte Künstliche Intelligenz die Geldanlage tiefgreifend verändern. Wird KI zur objektiven beratenden Instanz für Investments – oder bleiben Anlageentscheidungen letztlich vom Menschen abhängig? Und: Wie wird Europa mit dem globalen Wettbewerb Schritt halten?

Anleger erwarten KI-basierte Finanzberatung

Digitale Assets und Blockchain verändern die Finanzwelt. Menschen möchten KI-gestützte Tools für die Geldanlage nutzen.

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Die Geldanlage befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, nicht nur durch KI, sondern auch durch Blockchain und digitale Vermögenswerte. Besonders junge Anleger investieren bereits heute überdurchschnittlich in digitale Assets. Sie treiben damit Innovation und die Entwicklung effizienterer Prozesse auf allen Ebenen voran.

Warum KI heute schon oft die bessere Beratung bieten könnte

KI-Systeme haben heute bereits das Potenzial, vielen klassischen Finanzberatern deutlich überlegen zu sein, zumindest was Objektivität, Datenbasis und analytische Präzision betrifft. In Sekundenschnelle kann eine KI Millionen von Markt- und Kundendaten auswerten, um individuell passende Anlagevorschläge zu generieren, frei von Verkaufsinteressen, Routinen oder kognitiven Verzerrungen.

Wer einmal ausprobiert, eine typische Anlagefrage wie „Ich würde gerne 10.000 Euro anlegen – was kannst du empfehlen?“ an ChatGPT zu richten, wird feststellen: Nach wenigen Frage-Antwort-Iterationen entsteht oft ein durchaus vernünftiger, diversifizierter Anlagevorschlag – objektiv, datenbasiert und nachvollziehbar – und natürlich versehen mit den typischen Disclaimern, dass es sich dabei um keine individuelle Anlageberatung handelt.

Trotzdem ersetzt KI bislang keine menschlichen Berater. Der Grund liegt weniger in der technischen Leistungsfähigkeit als vielmehr in fehlenden regulatorischen Rahmenbedingungen. Noch ist nicht klar definiert, unter welchen Voraussetzungen KI-gestützte Beratung rechtssicher und compliance-konform eingesetzt werden darf. Mit klaren Leitplanken könnte sich das jedoch schnell ändern – und das Investieren grundlegend revolutionieren.

Die Beratungslücke als gesellschaftliche Chance für KI

Die eigentliche Beratungslücke entsteht heute dort, wo sich für für Banken und Finanzberater eine persönliche Beratung wirtschaftlich nicht mehr lohnt. Kunden mit mittlerem Anlagevolumen erhalten häufig gar keine Beratung oder werden mit teuren, provisionsgetriebenen Produkten abgespeist.

Genau hier kann KI einen echten volkswirtschaftlichen Beitrag leisten. Ein KI-gestützter Finanzberater kann individuelle, qualitativ hochwertige Beratung nahezu kostenlos anbieten: zu jeder Zeit, objektiv und skalierbar. Das ermöglicht Millionen Menschen besseren Zugang zu Finanzwissen und zu fairen Anlageentscheidungen.

Damit dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann, braucht es jedoch zügig klare regulatorische Leitplanken. Europa sollte jetzt den Rahmen schaffen, der KI-basierte Beratung nicht verhindert, sondern gezielt ermöglicht: als Baustein für finanzielle Bildung, Fairness und Wettbewerbsfähigkeit.

Blockchain mit disruptivem Potenzial

Bereits heute investieren junge Menschen deutlich häufiger in Kryptowährungen und digitale Vermögenswerte als ältere Generationen. Digitale Assets, die direkt auf der Blockchain begeben werden – etwa Aktien, Anleihen oder Private-Equity-Beteiligungen –haben das Potenzial, traditionelle Modelle grundlegend zu verändern. Der Effizienzgewinn, solche Assets auf der Blockchain abzubilden, ist immens.

Gerade Banken und Backoffices kennen die Herausforderung: Grenzüberschreitende Transaktionen, etwa im Aktienhandel zwischen Ländern, sind oft langwierig und teuer. KI kann in Kombination mit Blockchain helfen, diese komplexen Prozesse zu vereinfachen und Kapitalmärkte agiler und effizienter zu machen.

Ein Beispiel ist Seturion, die von der Börse Stuttgart Group aufgebaute digitale, paneuropäische Abwicklungsplattform für tokenisierte Assets. Sie ermöglicht schnelle und kosteneffiziente Transaktionen über Grenzen hinweg. Tokenisierte Assets sind Vermögenswerte, die in Form digitaler „Tokens“ auf einer Blockchain abgebildet werden. Aktien oder Anleihen können damit direkt übertragen werden. Das könnte den Wertpapierhandel und die Abwicklung grundlegend transformieren. Dies wird unter anderem durch eine deutlich schlankere Wertschöpfungskette mit weniger erforderlichen Teilnehmern erreicht.

Das breite Spektrum digitaler Assetklassen

Die Vorteile digitaler Assetklassen reichen weit über Effizienzgewinne hinaus. So ermöglicht das erste, kürzlich in der Schweiz zugelassene DLT-Handelssystem die Emission, den Handel und das Settlement blockchain-basierter digitaler Assets. Dies eröffnet ganz neue Anlageklassen wie Private Equity, Real Estate und jegliche andere künftig denkbare Zahlungsströme.

Qualität statt Quantität

Wie bereits bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen wird auch bei digital verbrieften Wertschriften die Nachfrage der Anleger entscheidend sein. Während die Digitalisierung klassischer Wertpapiere vor allem Effizienzgewinne bringt, interessieren sich Kunden zunehmend für neue, substanzielle Assetklassen. Börsen müssen daher klar zwischen spekulativen Ideen und nachhaltigen, volumenstarken Anlageformen unterscheiden.

Innovation in den USA, Regulierung in Europa

Während US-Anbieter den Stablecoin-Markt in Größe und Dynamik dominieren, verliert Europa erneut an Tempo – bedingt durch regulatorische Vorsicht und zögerliche Umsetzung. In den USA sorgen wirtschaftsgetriebene Rahmenbedingungen dafür, dass Stablecoins und digitale Vermögenswerte schneller vorankommen. Europa läuft Gefahr, trotz MiCAR-Regulierung ins Hintertreffen zu geraten. Umso wichtiger ist ein entschlossener, innovationsfreundlicher Umgang mit KI-basierter Beratung und digitalen Assets.

Fazit: KI als Katalysator einer neuen Investmentkultur

KI hat das Potenzial, die Welt des Investierens in den kommenden Jahren grundlegend zu verändern – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu menschlichen Entscheidungen. Sie kann Beratungslücken schließen, Zugang zu neuen Assetklassen schaffen und die Effizienz durch Technologien wie Blockchain erhöhen. Entsteht der regulatorische Rahmen frühzeitig und mutig, könnte daraus eine neue Investmentkultur erwachsen – transparent, datengestützt und für Millionen Menschen zugänglich.

Über den Autor

Dr. Oliver Vins

Dr. Oliver Vins ist Mitglied des Group Executive Committee der Gruppe Börse Stuttgart und Managing Director bei Boerse Stuttgart Digital und verantwortet die Bereiche Finance, Operations, Risk und Regulatory. Darüber hinaus ist er Geschäftsführer der Boerse Stuttgart Digital Custody GmbH, einer Tochtergesellschaft der Gruppe Börse Stuttgart. Zuvor war der Diplomkaufmann Mitbegründer und Co-CEO der vaamo Finanz AG sowie Associate Principal bei McKinsey.

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