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Evolutionsstufe Metaverse – die Zukunft des Finanzsektors

Wie virtuelle Realitäten die Bankbranche beeinflussen

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In einem zukünftigen Metaverse bilden Daten die Währung und Menschen stehen als Avatare zwischen Rollenspiel und Realität. Es stellt sich die Frage, wie sich der Finanzsektor hierin platzieren kann und wird.

Das Metaverse ist eine Weiterentwicklung des Internets

Das Metaverse ist eine Weiterentwicklung des Internets, wie wir es heute kennen.

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Die Idee einer digitalen Repräsentation der realen Welt, in der Menschen durch Avatare verkörpert werden, gibt es seit Jahrzehnten. Doch die Zeiten, in denen ein vollwertiges „Metaverse“ Fiktion war, ändern sich rasant. Big Tech Firmen (z.B. Meta und Google AR), DLT-Unternehmen (z.B. Ethereum) und die Spieleindustrie (z.B. Fortnight und Minecraft) sind treibende Kräfte der Innovation in diesem Bereich. Gemeinsam haben sie das Konzept wieder in den öffentlichen Diskurs eingebracht, mit konkreten Visionen zu Wirkweise, Aussehen und Auswirkungen des Metaverse.

Während das Interesse der Öffentlichkeit seinen Höhepunkt hatte als Facebook seine Umbenennung in Meta angekündigt hatte (die Suchanfragen nach „Metaverse“ stiegen zwischen August und Oktober 2021 um das 20-fache), besteht in der Finanzbranche ein anhaltendes Interesse am Verständnis des zukünftigen Potenzials des Metaverse. Schließlich wird der Metaverse-Wirtschaft bis 2030 ein Wert von bis zu 13 Billionen US-Dollar vorausgesagt, wie eine Studie von Synpulse8 und dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug zeigte.

Umso wichtiger also, dass wir einen Blick darauf werfen, was Finanzexperten über den aktuellen Stand der Dinge wissen müssen und wie diese Innovation die Branche beeinflusst – von Avataren bis hin zu Investments.

Das Metaverse: Evolutionsstufe des Internets

Das Metaverse ist keine Revolution. Vielmehr sollte es als eine Weiterentwicklung des Internets, wie wir es heute kennen, verstanden werden. Das Konzept baut auf einem Wandel auf, der sich bereits mit dem Aufkommen des Web 3.0 vollzog, als die Nutzer (und ihre Daten) selbst zu den Inhalten wurden (ein weiteres Beispiel dafür wäre YouTube). Die potenzielle Flexibilität und das Ausmaß eines Metaverse sind jedoch deutlich größer – es handelt sich um eine komplexe virtuelle Welt, die keinem speziellen Zweck unterliegt. Hier verschmelzen reale Erfahrungen mit unbegrenzter Kreativität. Darüber hinaus wird es durch soziale sowie wirtschaftliche Systeme ergänzt und untermauert, was nochmal eine stärkere Verbindung zur realen Welt schafft.

Einer der bestimmenden Faktoren eines Metaverse ist, dass es nicht aus vereinzelten Plattformen besteht. Es verspricht eine stärkere Dezentralisierung und damit eine leichtere Kontrolle und Kommerzialisierung der Daten von Nutzern. Mit Hilfe der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) können die Eigentums- und Verfügungsrechte an persönlichen Daten, aber auch an digitalen oder digital repräsentierten physischen Gütern gestärkt werden – zum Beispiel in Form von Tokenization (bzw. NFT).

Wie Avatare die Interaktion zwischen Kunden & Unternehmen verändern

Avatare repräsentieren in einem Metaverse reale Nutzer. Diese virtuellen Selbstdarstellungen schaffen einen komplett neuen Vertriebsweg und Kommunikationskanal, um Bedürfnisse zu befriedigen, die auf bekannten sozialen Aspekten beruhen: Zugehörigkeitsgefühl, Wertschätzung und Status.

Die Gestaltung des Avatars und Kaufverhalten der Nutzer in einer virtuellen Welt stehen daher in direktem Zusammenhang. Mit Avataren wird ein bestimmtes Image erschaffen, indem die User digitale Güter wie Immobilien oder Kunstwerke kaufen, was letztlich auf die Befriedigung ihrer sozialen Bedürfnisse abzielt.

Für die Unternehmen ist es wichtig, das Potenzial dieses neuen Interaktionskanals auszuloten, denn hiermit ergibt sich eine kontinuierliche Option zur Erweiterung der Angebote von Unternehmen. Das gilt auch für die Finanzbranche. Viele der in der realen Welt angebotenen Produkte und Dienstleistungen könnten durchaus auch in der virtuellen Welt Verwendung finden (oder haben es bereits).

Finanzdienstleistungen – ein rares Gut im virtuellen Raum

Finanzdienstleistungen sind im Metaversum noch rar gesät, aber ihre Anwendungsfälle nehmen zu. In DLT-basierten virtuellen Welten wurden von den Entwicklern neue Zahlungsmittel eingeführt, um den Austausch von Waren und Dienstleistungen zu ermöglichen. In der Zwischenzeit beginnen etablierte Finanzinstitute damit, auf das Metaverse bezogene thematische ETFs (börsengehandelte Fonds) zu schaffen – zum Beispiel den Roundhill Metaverse ETF ($METV).

Letztere haben auch zunehmend die Entwicklung von Hubs in verschiedenen virtuellen Welten vorangetrieben. Allerdings gilt dies derzeit hauptsächlich für die Bereitstellung von Finanzinformationen in Form von Spielen oder Bildungsangeboten und nicht für die Bereitstellung konkreter Finanzlösungen und -beratung für Kunden, die durch Avatare verkörpert werden. Das Ziel der Unternehmen, die sich bereits recht früh im Metaverse engagieren, ist oftmals das Erlangen von Fachwissen, die Ermittlung von Kooperationspartnern im neuen Ökosystem und die Entwicklung von Hypothesen über künftige Geschäftsmodelle ab.

Im Bereich der Einlagen und Kredite werden noch keine konkreten Finanzlösungen angeboten. Bedenkt man, dass das Metaverse ein virtuelles Abbild der Realität und damit der heute stattfindenden Geschäftsaktivitäten sein wird, sollten traditionelle Finanzdienstleister damit beginnen, mögliche Anwendungen im Metaversum zu erkunden. Nur so können sie auf künftige Geschäftsmodelle, -anwendungen und Trends vorbereitet sein.

Neue Welt, neue Investitionsmöglichkeiten für den Finanzsektor

Obwohl ein voll umfängliches Metaverse noch nicht existiert, sollte sein Potenzial nicht ignoriert werden – es ist eine interessante Zeit für Investoren, die von der Entwicklung profitieren wollen.

Die Investition in relevante Technologien (und nicht in ein Metaverse selbst) kann eine gute Möglichkeit für Anleger sein, sich zu beteiligen. Insbesondere, da ein direktes finanzielles Engagement im Metaverse oft nicht möglich ist, bieten sich indirekte Investitionen in Anbieter der benötigten Technologien an.

Hier bieten sich besonders jene Lösungen an, die für ein realitätsnahes (oft interaktives) Metaverse-Erlebnis erforderlich sind, aber noch nicht ausgereift sind oder noch nicht den Mainstream erreicht haben. Beispiele hierfür sind Investitionen in DLT-Plattformen, die als Abrechnungsebene des Metaverses dienen könnten, oder in Entwickler von VR- oder AR-Geräten, NFT-Marktplätze oder Tools für die Avatar-Entwicklung.

Frühes Engagement als Grundstein zum Metverse-Erfolg

Damit sich das Metaverse durchsetzen kann, müssen bestimmte Herausforderungen überwunden werden: Von der Optimierung der Infrastruktur, über ein einheitliches System zur Erstellung von Avataren oder das Erlassen notwendiger Gesetze und Vorschriften zur Regelung der virtuellen Welt. Es muss ein kohärentes globales System eingeführt werden, das den Austausch von Waren und Dienstleistungen ermöglicht und den Wert der verschiedenen Angebote abbildet (Interoperabilität der Metaverse)

Finanzdienstleistungen sind daher ein essentieller Bestandteil für Entwicklung und Betrieb des Metaverse. Umso wichtiger ist es, dass sie den frühzeitigen Vorstoß in das Metaverse wagen, um so mit der Erprobung von Dienstleistungen und technischen Ansätzen beginnen zu können und besser auf künftige Anwendungen und Trends vorbereitet zu sein.

Über den Autor

Raphael Bianchi

Raphael Bianchi ist Senior Partner von Synpulse, Country Head der Schweiz und Group CEO von Synpulse8. Der diplomierte Wirtschaftsinformatiker war zuvor u.a. Associate Partner bei Solution Providers Management Consulting und IT Consultant bei der Zürich Versicherung.

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