Drei Erfolgsfaktoren für Retail Banken

Transformationsdruck durch neue Wettbewerber

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Europas Privatkundenbanken feierten 2024 erneut Erfolge – doch der Rückenwind lässt nach. Was passiert, wenn die Zinsen weiter kippen? Und wie wappnen sich traditionelle Institute gegen Neobanken, neue Risiken und stagnierende Erlöse?

Zunehmender Transformationsdruck im Retail Banking

Der Transformationsdruck im Retail Banking steigt durch sinkende Zinsen und neue Wettbewerber weiter an.

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Die europäischen Privatkundenbanken haben 2024 ein weiteres Erfolgsjahr verzeichnet, sehen sich jedoch mit einer möglichen Trendwende konfrontiert. Wie eine aktuelle Studie von Strategy& zeigt, haben traditionelle Retailbanken in den letzten Jahren stark vom Zinsumfeld profitiert – ein Rückenwind, der nun rapide nachlassen könnte.

Insgesamt stiegen die Erträge der Privatkundenbanken im Jahr 2024 um 3 Prozent, die Gewinne legten um 4 Prozent zu. Neben den höheren Zinsen trugen auch Initiativen zur Kostentransformation und die erfolgreiche Einführung digitaler Geschäftsmodelle zu dieser positiven Entwicklung bei.

Vergleicht man die aktuellen Zahlen jedoch mit dem Vorjahr, zeigt sich eine klare Abschwächung: 2023 waren die Erträge noch um 14 Prozent und die Gewinne sogar um 30 Prozent gestiegen. Der Höhepunkt des zinsgetriebenen Wachstums scheint überschritten. Im Falle weiter eskalierender Strafzölle droht sogar ein Null-Zins-Szenario – ein Szenario, das insbesondere die Retailbanken empfindlich treffen würde, da ihr Wachstum in den letzten Jahren maßgeblich auf Zinsrenditen basierte.

Konkurrenz durch Neobanken wächst

In den vergangenen zehn Jahren haben Neobanken und sogenannte Challenger-Banken einen spürbaren Wandel in der Bankenlandschaft herbeigeführt. Nun erreichen sie einen Wendepunkt, an dem sie den etablierten Banken zunehmend Ertragsanteile streitig machen könnten. Zwischen traditionellen und neuen Anbietern nähern sich Kundenerlebnis und Produktangebot weiter an, auch wenn die strategischen Ansätze unterschiedlich bleiben.

Challenger-Banken erweitern ihr Portfolio zunehmend um Einlagen- und Kreditprodukte, verfolgen dieses Wachstum jedoch meist mit bilanzschonenden „Balance-Sheet-Light“-Modellen. Diese Herangehensweise eröffnet etablierten Privatkundenbanken die Möglichkeit zur Kooperation: Sie können ihre Größe und Bilanzkapazität einbringen, um durch Partnerschaften zusätzliche Marktanteile zu sichern.

Letzte Chance für strukturelle Transformation

Vor diesem Hintergrund könnte 2025 zur letzten Gelegenheit für Banken werden, sich im Rückenwind der Zinserträge nachhaltig neu aufzustellen und sich auf schwierigere makroökonomische Bedingungen vorzubereiten. Dazu ist es unerlässlich, zinsunabhängige Erträge – etwa aus Gebühren und Provisionen – zu stärken, das Betriebsmodell zu modernisieren und die Kostenbasis konsequent zu senken.

Obwohl der Veränderungsdruck längst erkannt wurde, fehlt es bislang an der nötigen Konsequenz in der Umsetzung. Die Erträge aus Gebühren und Provisionen stagnieren bei 27 Prozent der Gesamterträge. Gleichzeitig verharren die Kosten auf hohem Niveau und sind gegenüber dem Vorjahr sogar um 3 Prozent gestiegen. Das Kreditgeschäft wächst mit lediglich 1 Prozent moderat und zeigt erste Erholungstendenzen, birgt jedoch aufgrund leicht verschlechterter Kreditqualität neue Risiken.

Zinsabhängigkeit bleibt hoch

Trotz des steigenden Wettbewerbs veranschaulichen die Durchschnittserträge pro Kunde die starke Abhängigkeit der traditionellen Banken vom Zinsgeschäft. So erzielten belgische Institute 2024 durchschnittlich knapp 1.200 Euro Ertrag pro Kunde, Banken in Österreich etwa 850 Euro und deutsche Privatkundenbanken rund 670 Euro. Zum Vergleich: Challenger-Banken erreichten lediglich einen Maximalwert von 208 Euro je Kunde.

Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie stark die etablierten Institute weiterhin vom Zinspolster profitieren – eine Abhängigkeit, die mittelfristig zu einem Risiko werden kann, wenn das Zinsniveau sinkt.

Unterschiedliche Wege zur Effizienzsteigerung

Gestützt durch die noch vorhandene Zinsspanne verfolgen viele etablierte Banken unterschiedliche Ansätze zur Effizienzsteigerung. Einige Institute aus Spanien und Frankreich arbeiten länderübergreifend auf gemeinsamen Plattformen, um Skaleneffekte zu realisieren. Andere wiederum setzen auf tiefgreifende Eingriffe in ihre Betriebsmodelle: Durch die Abschaffung redundanter Kernbankensysteme oder den Rückzug aus unprofitablen Kunden- und Vertriebspartnerschaften konnten sie ihre Kosten teils um bis zu 30 Prozent senken.

Diese Maßnahmen verdeutlichen, dass mit konsequentem Handeln deutliche Fortschritte erzielt werden können – allerdings bleibt dies bislang die Ausnahme.

Drei Erfolgsfaktoren für die Zukunft

Für eine nachhaltige Differenzierung leistungsstarker Retailbanken gegenüber Herausforderern identifiziert die Studie drei zentrale Erfolgsfaktoren:

1. Digitale Bank mit Filialnähe

Erfolgreiche Banken werden digitale Prozesse ausbauen, ohne den persönlichen Kontakt zu verlieren. Callcenter bieten echte Beratung, GenKI-gestützte Self-Service-Tools unterstützen die Kunden. Dass Neobanken über die Einführung physischer Kontaktpunkte wie Geldautomaten nachdenken, unterstreicht die Bedeutung persönlicher Berührungspunkte.

2. Konforme Innovation

Etablierte Banken können ihren Vorsprung im regulatorischen Umgang nutzen – vorausgesetzt, sie entwickeln sich von risikoaversen zu risikobewussten, agilen Innovatoren. Die Herausforderung besteht darin, ein innovatives Produktportfolio innerhalb regulatorischer Grenzen zu managen – ein Pfad, den viele Challenger-Banken bereits beschreiten.

3. Starkes Bilanzmanagement

Die Fähigkeit, Aktiva und Passiva effektiv auszutarieren, ist ein zentraler Wettbewerbsvorteil. Während Neobanken mit bilanzschonenden Modellen arbeiten, ergeben sich für traditionelle Banken attraktive Partnerschaftsmöglichkeiten, um ihre Bilanzstärke strategisch einzusetzen.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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