Digitalisierung produziert Stress am Arbeitsplatz

Digital Workplace: Zwischen Effizienz oder Überforderung

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Der digitale Arbeitsplatz verspricht Entlastung und Effizienz, sorgt jedoch häufig auch für Stress und Überforderung. Zwischen Chancen durch KI und Automatisierung und den Hürden technischer Komplexität zeigt sich, wie entscheidend Einfachheit und Klarheit sind.

Überforderung am digitalen Arbeitsplatz

Digitale Arbeitsumgebungen bieten Chancen, können aber auch zu Stress und Überlastung führen.

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Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Digitale Technologien prägen den Alltag vieler Beschäftigter, und gerade am Arbeitsplatz werden die Auswirkungen unmittelbar spürbar. Unternehmen setzen zunehmend auf Automatisierung und Künstliche Intelligenz (KI), um Mitarbeiter von Routinetätigkeiten zu entlasten und so mehr Raum für wertschöpfende Aufgaben zu schaffen.

Dieser Wandel ist nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern auch eine Antwort auf demografische Entwicklungen und den zunehmenden Mangel an Fachkräften. Ein digitaler Arbeitsplatz, der sicher, intuitiv bedienbar und auf die wesentlichen Kerninstrumente reduziert ist, kann dabei zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor werden. Doch in der Realität erleben viele Beschäftigte nicht nur Erleichterung, sondern auch Belastung.

Eine aktuelle YouGov-Studie im Auftrag von HIRSCHTEC und  Powell verdeutlicht dieses Spannungsfeld: 42 Prozent der digital arbeitenden Menschen in Deutschland fühlen sich – zumindest teilweise – durch den Digital Workplace überfordert.

Zwischen Potenzial und Überforderung

Die Zahlen zeigen, dass zwar 58 Prozent der Befragten problemlos mit digitalen Arbeitsumgebungen umgehen können, aber fast ein Fünftel (18 Prozent) gibt an, regelmäßig überfordert zu sein. Weitere 25 Prozent empfinden dies zumindest in Teilen so. Damit entfaltet der digitale Arbeitsplatz bei rund vier von zehn Beschäftigten nicht den Nutzen, den er eigentlich haben sollte.

Besonders problematisch sind aus Sicht der Befragten technische Störungen. Etwa die Hälfte nennt Systemausfälle und Probleme als größten Stressfaktor. Hinzu kommen häufige Updates und Änderungen (31 Prozent) sowie fehlende Schulungen und Unterstützung (25 Prozent). Die Botschaft für Unternehmen ist eindeutig: Stabilität, Verlässlichkeit und ein klarer Servicegedanke sind für die Akzeptanz des Digital Workplace unverzichtbar.

Digitale Einfachheit statt Tool-Wildwuchs

Gefragt nach Verbesserungen, wünschen sich 37 Prozent der Beschäftigten gezielte Schulungen und mehr Support. Ein weiteres Drittel (35 Prozent) sieht in einer einfacheren Bedienung von Tools den größten Hebel zur Stressreduktion. Gerade bei Kollaborationsplattformen wie Microsoft Teams droht die Gefahr, dass Inhalte unstrukturiert abgelegt und schwer auffindbar werden.

Ein schlanker, logisch strukturierter digitaler Arbeitsplatz ist daher essenziell. Hilfreich sind konsistente Metadaten, die eine schnelle Suche ermöglichen, sowie klare Governance-Regeln, die unkontrollierte Tool-Vielfalt vermeiden. Fast 30 Prozent der Befragten plädieren dafür, die Zahl der eingesetzten Anwendungen generell zu reduzieren und sich auf die wirklich relevanten Kerninstrumente zu konzentrieren.

Informationslücken bei KI am Arbeitsplatz

Neben der Frage nach der Usability rückt auch der Umgang mit KI zunehmend in den Fokus. Zwar geben 42 Prozent der Befragten an, sich bereits gut oder zumindest teilweise informiert zu fühlen, doch 28 Prozent sehen deutliche Defizite. Über ein Viertel berichtet sogar, dass KI in ihrem Arbeitsalltag bislang keine Rolle spielt.

Hier zeigt sich Handlungsbedarf: Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter nicht nur mit passenden KI-Tools ausstatten, sondern auch verständlich aufzeigen, welchen Mehrwert diese im Alltag schaffen können. Ob automatisierte Dokumentenerstellung, intelligente Suchfunktionen oder Chatbots für den internen Support – KI kann nur dann Wirkung entfalten, wenn Beschäftigte wissen, wie sie diese sinnvoll einsetzen können.

Altersunterschiede bei den Anforderungen

Interessant sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Beschäftigte ab 45 Jahren wünschen sich deutlich häufiger eine einfachere Bedienung digitaler Tools (43 Prozent gegenüber 30 Prozent bei den Jüngeren). Auch beim Thema Schulung und Unterstützung liegt die ältere Generation mit 44 Prozent klar vorn, während nur etwa ein Drittel der Jüngeren dies einfordert.

Das verdeutlicht, wie wichtig es ist, Schulungs- und Kommunikationsangebote zielgruppenspezifisch zu gestalten. Ein „One-size-fits-all“-Ansatz wird den unterschiedlichen Bedürfnissen nicht gerecht. Unternehmen, die ihre Maßnahmen auf die jeweilige Altersstruktur abstimmen, können digitale Kompetenzen effizienter fördern und Überforderung vermeiden.

Fazit: Digitalisierung gezielt nutzbar machen

Der digitale Arbeitsplatz bietet enorme Chancen, wird in vielen Unternehmen jedoch noch nicht konsequent ausgeschöpft. Statt zusätzlichen Stress zu erzeugen, sollte er als Plattform verstanden werden, die zentrale Tools bündelt, Zusammenarbeit vereinfacht und Informationen leichter zugänglich macht.

KI und Automatisierung eröffnen neue Möglichkeiten, Wissensmanagement und Content-Erstellung intelligenter zu gestalten. Chatbots können personalisierte Antworten auf dringende Fragen liefern, automatisierte Systeme Routineaufgaben übernehmen. Entscheidend ist jedoch, dass Technologie den Menschen dient – nicht umgekehrt. Nur dann gelingt es, digitale Arbeitswelten zu Orten zu machen, an denen Mitarbeiter produktiv, zufrieden und motiviert arbeiten können.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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