Digitale Souveränität gewinnt in der deutschen Wirtschaft an Bedeutung, doch Strategien sind selten etabliert. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Abhängigkeiten zu reduzieren und handlungsfähig zu bleiben.

Deutsche Unternehmen stehen vor der Herausforderung, digitale Souveränität zu stärken und Abhängigkeiten zu reduzieren.
Digitale Souveränität entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor für die deutsche Wirtschaft. Eine aktuelle Studie von adesso und dem Handelsblatt Research Institute zeigt jedoch, dass nur wenige Unternehmen eine konkrete Strategie dafür besitzen. Die branchenübergreifende Umfrage unter rund 500 Unternehmen sowie Organisationen der öffentlichen Hand verdeutlicht: Zwar fühlen sich viele deutsche Unternehmen beim Thema Digitale Souveränität gut aufgestellt, tatsächlich sind sie jedoch weiterhin stark von digitalen Lösungen nicht-europäischer Anbieter abhängig.
Reifegrad deutscher Organisationen
Die Studie bewertet den aktuellen Stand der Digitalen Souveränität anhand von sechs Dimensionen: Hardware, Software, Cybersicherheit, Datenmanagement, Cloud und Künstliche Intelligenz. Im Durchschnitt erreichen die befragten Organisationen einen Reifegrad von knapp 66 Prozent. Dabei schneiden Unternehmen besser ab als Behörden, und kleinere Unternehmen übertreffen größere Firmen. Dies deutet darauf hin, dass Flexibilität und schlankere Strukturen häufig mit einer höheren digitalen Unabhängigkeit einhergehen.
Strategien bleiben lückenhaft
Obwohl 92 Prozent der Befragten die Digitale Souveränität als wichtig einstufen, spiegelt sich dies selten in konkreten Maßnahmen wider. Lediglich 21 Prozent der Unternehmen haben bisher eine gezielte Strategie entwickelt. In nur einem Viertel der Firmen ist das Thema auf Vorstandsebene verankert, und bei nur 13 Prozent ist es integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. In fast der Hälfte der Fälle liegt die Verantwortung allein bei der IT-Abteilung, wobei der Fokus überwiegend auf Cloud-Lösungen (72 Prozent) und Sicherheit (91 Prozent) liegt. Wichtige weitere Aspekte wie rechtliche Rahmenbedingungen, Weiterbildung, Kompetenzaufbau sowie Einkauf und Supply Chain Management werden vielfach vernachlässigt.
Reifegrad im Detail
Der Durchschnittsindex der Digitalen Souveränität liegt über alle Organisationsformen hinweg bei 65,8 Prozent. Unternehmen erreichen 67 Prozent, während die öffentliche Verwaltung bei 64 Prozent liegt. Kleinere Firmen unter 2.500 Mitarbeiter kommen auf 68,9 Prozent, größere Unternehmen ab 2.500 Mitarbeitern auf 64,2 Prozent. Zum Vergleich: Ein vollständiger Grad an Souveränität entspricht 100 Prozent.
Abhängigkeit von externen Anbietern
Die Untersuchung zeigt besonders bei Schlüsseltechnologien wie Cloud, Software und Künstlicher Intelligenz eine starke Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen geben an, auf Lösungen aus dem Ausland angewiesen zu sein. Im Bereich Künstliche Intelligenz bewerten 63 Prozent ihren eigenen Reifegrad lediglich als „ausreichend“. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, strategisch gezielt digitale Souveränität auszubauen.
Investitionsbereitschaft trotz Hindernissen
Die Umsetzung bleibt vielerorts hinter den Möglichkeiten zurück – vor allem aufgrund fehlender Kompetenzen, Fachkräftemangels und hoher Kosten. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass das Bewusstsein für die Dringlichkeit steigt: 80 Prozent der Unternehmen würden für souveräne digitale Lösungen einen Aufpreis zahlen, durchschnittlich 17 Prozent. Bei größeren Unternehmen liegt dieser Wert sogar bei knapp 30 Prozent.
Digitale Souveränität als Balanceakt
Digitale Souveränität bedeutet in einer global vernetzten Wirtschaft nicht Abschottung, sondern Selbstbestimmung, Partnerschaften und Resilienz. Die Studie macht deutlich, dass die strategische Bedeutung dieses Themas in der deutschen Wirtschaft oft unterschätzt wird. Eine hohe digitale Souveränität unterstützt Unternehmen dabei, ihre Innovationskraft, Handlungsfreiheit und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken – Potenziale, die bisher weitgehend ungenutzt bleiben.
Maßgeschneiderte Lösungen statt Autarkie
Welches Niveau an digitaler Unabhängigkeit sinnvoll ist, hängt stark vom Anwendungsbereich und der Sensibilität der verarbeiteten Daten ab. Daher streben Unternehmen und öffentliche Organisationen laut Umfrage keine vollständige Autarkie an, sondern einen mittleren Reifegrad von 77,8 Prozent. Ziel ist es, die richtige Balance zwischen Unabhängigkeit, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit zu finden und damit eine passgenaue Digitale Souveränität zu realisieren.
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