Deutsche schützen sich unzureichend gegen Cybercrime

Zunahme digitaler Risiken

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Die digitale Welt ist voller Chancen – und voller Risiken. Doch während Cyberangriffe zunehmen, sinkt die Aufmerksamkeit vieler Menschen für den eigenen Schutz. Ein Blick auf das Spannungsfeld zwischen Sorglosigkeit und realer Bedrohung.

Cybersicherheit 2025: Zwischen Sorglosigkeit und realer Gefahr

Trotz hoher Betroffenheit: Menschen schützen sich immer weniger vor Cyberkriminalität.

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Cyberkriminalität ist längst Teil des Alltags. Betrügerische E-Mails, gefälschte Online-Shops oder falsche Supportanrufe gehören zu den häufigsten Angriffen. Die aktuelle geopolitische Lage verstärkt den Druck: Digitale Angriffe bedrohen Staaten, Unternehmen und private Haushalte gleichermaßen.

Gleichzeitig zeigt eine neue Befragung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. (ProPK), dass viele Menschen heute weniger Schutzmaßnahmen ergreifen als noch vor wenigen Jahren. Diese wachsende Lücke zwischen Bedrohungslage und Schutzverhalten macht Cybersicherheit zu einem zentralen Thema für Gesellschaft und Politik.

Nachlassendes Interesse an Cybersicherheit

Nur 14 Prozent der Befragten informieren sich regelmäßig über Cybersicherheit. Im Vorjahr lag der Anteil bei 16 Prozent, 2023 sogar bei 15 Prozent. Rund ein Viertel der Bevölkerung interessiert sich überhaupt nicht für Sicherheitsthemen im Netz.

Wer selbst betroffen war, zeigt ein höheres Informationsinteresse. Ein knappes Viertel der Betroffenen informiert sich regelmäßig, weitere 43 Prozent zumindest gelegentlich. Informationsquellen bleiben vor allem Internetseiten, gefolgt von Familie und Bekannten.

Besonders gefragt sind praxisnahe Handlungsempfehlungen: Mehr als die Hälfte sucht nach klaren Schritten für den Ernstfall – etwa bei einem gehackten Konto. Auch Erkennungszeichen für Betrug im Netz und präventive Tipps stehen hoch im Kurs. Technisches Hintergrundwissen interessiert dagegen nur rund ein Fünftel der Befragten.

Cyberkriminalität betrifft Millionen

Jede bzw. jeder Fünfte war schon einmal Opfer von Cyberkriminalität. Im Jahr 2025 berichten sieben Prozent von Vorfällen innerhalb der letzten zwölf Monate – weniger als 2023 (12 Prozent) und 2024 (10 Prozent).

Die häufigsten Delikte sind Betrug beim Online-Shopping (22 Prozent), Phishing (12 Prozent), Missbrauch von Kontodaten (11 Prozent) und Identitätsdiebstahl (10 Prozent). Neu hinzugekommen sind Fälle, in denen Täter KI-Anwendungen für Betrug oder Manipulation einsetzen.

Schäden durch Cybercrime nehmen zu

Mehr als 80 Prozent der Betroffenen erlitten einen Schaden. Besonders auffällig: Der Anteil finanzieller Schäden steigt seit Jahren deutlich. 2023 waren es noch 18 Prozent, 2024 bereits 26 Prozent und 2025 schon 33 Prozent.

Neben Geldverlusten klagen viele über Vertrauensverluste gegenüber digitalen Diensten, emotionale Belastungen oder erheblichen Zeitaufwand. Damit zeigen die Ergebnisse: Cyberkriminalität bleibt keine Bagatelle, sondern verursacht reale, teils existenzbedrohende Schäden.

Wie Menschen reagieren

Am häufigsten wenden sich Betroffene an die Betreiber der betroffenen Dienste (33 Prozent). Rund ein Drittel erstattet Anzeige bei der Polizei. 30 Prozent versuchen, das Problem selbst zu lösen – ein Wert, der in den Vorjahren noch deutlich höher lag.

Etwa jeder Fünfte bittet Familie oder Freunde um Hilfe. Auffällig ist auch, dass sieben Prozent überhaupt nicht reagieren – ein Hinweis darauf, dass Unsicherheit und Überforderung groß sind.

Nachlassender Schutz gegen Cyberkriminalität

Während Cybergefahren zunehmen, nimmt das Schutzverhalten ab. Die Nutzung von Zwei-Faktor-Authentisierung fiel von 42 Prozent im Jahr 2023 auf nur noch 34 Prozent. Auch automatische Updates werden seltener aktiviert: von 36 Prozent (2023) auf 27 Prozent im Jahr 2025.

Am bekanntesten bleiben Antivirenprogramme und sichere Passwörter. Doch selbst diese setzen nur rund 44 Prozent aktiv ein – ein Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren. Im Schnitt kennen die Befragten rund sechs Schutzmaßnahmen, nutzen aber weniger als vier.

Die Gründe für diese Zurückhaltung sind vielfältig. Rund 30 Prozent fühlen sich bereits ausreichend sicher. 24 Prozent empfinden Schutzmaßnahmen als zu kompliziert, 20 Prozent sind schlicht überfordert. Fast jede fünfte Person beklagt widersprüchliche Empfehlungen.

Das Ergebnis: Trotz hoher Aufmerksamkeit in Medien und Politik steigt der Anteil jener, die keine oder nur wenige Schutzmaßnahmen nutzen. Besonders die jüngsten Altersgruppen zeigen ein geringes Schutzniveau.

Scheinbare Sicherheit trotz Risiken

Mehr als die Hälfte der Befragten hält das persönliche Risiko, Opfer von Cyberkriminalität zu werden, für gering oder ausgeschlossen. Dieser Anteil wächst seit Jahren – 2023 lag er bei 50 Prozent, 2025 bereits bei 58 Prozent.

Besonders ausgeprägt ist die Sorglosigkeit bei den über 69-Jährigen, aber auch unter den 16- bis 22-Jährigen. Wer sich als wenig gefährdet einschätzt, nutzt im Schnitt weniger Maßnahmen – ein gefährlicher Trugschluss angesichts realer Schadensfälle.

Digitale Gewalt als neues Problemfeld

Neben klassischer Cyberkriminalität nimmt auch digitale Gewalt zu. Fünf Prozent der Befragten berichten, dass ihnen nahe Personen digitale Mittel zur Überwachung oder Kontrolle entzogen haben – etwa durch Missbrauch von Geräten, Standortüberwachung oder Manipulation von Konten.

Diese Form von Gewalt zeigt, dass Cybersicherheit längst nicht nur Kriminalität durch Fremde betrifft, sondern auch persönliche Beziehungen belasten kann.

Fazit: Sicherheit braucht mehr Aufmerksamkeit

Die Befragung offenbart eine gefährliche Diskrepanz: Während die Bedrohungen durch Cyberkriminalität wachsen und Schäden zunehmen, sinkt das Sicherheitsbewusstsein in der Bevölkerung. Viele fühlen sich sicher, verzichten aber auf grundlegende Schutzmaßnahmen.

Staatliche Stellen und Sicherheitsbehörden bieten bereits vielfältige Hilfen an – doch deren Reichweite hängt davon ab, ob Menschen bereit sind, sich zu informieren und zu handeln. Nur dann kann Cybersicherheit im Alltag wirklich wirksam werden.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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