Deutsche bleiben gespalten beim Thema KI

Zwischen Chance und Bedrohung

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Zwischen Fortschrittsglauben und Skepsis: Die Deutschen ringen mit den Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz. Zwischen Hoffnungen auf Produktivitätsschübe und der Angst vor Jobverlust prägt vor allem ein Thema die Debatte – Vertrauen.

Künstliche Intelligenz polarisiert die Deutschen

Zwischen Fortschritt und Skepsis – KI polarisiert die Deutschen.

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Seit der öffentlichen Einführung von ChatGPT Ende 2022 hat sich die Diskussion über künstliche Intelligenz (KI) spürbar intensiviert. Doch trotz zunehmender Präsenz im Alltag bleibt die Haltung der Deutschen gespalten. Das zeigt eine aktuelle Analyse der ING Deutschland. Auf die Aussagen „KI ist eine Chance für die Gesellschaft“ und „KI ist eine Bedrohung für die Gesellschaft“ reagieren jeweils mehr Menschen zustimmend als ablehnend. Das verdeutlicht die tiefe Ambivalenz, die technologische Euphorie und Skepsis gleichermaßen prägt.

Erfahrungen im Alltag nehmen zu

KI ist längst kein abstraktes Konzept mehr. Sie begegnet uns in Online-Shops, Musik-Apps oder Spam-Filtern – und zunehmend in Anwendungen, die Texte, Bilder oder Programmcode erzeugen können. 2023 hatten 44 Prozent der Befragten im privaten Bereich Erfahrungen mit generativer KI gesammelt. Heute sind es bereits 53 Prozent. Auch im beruflichen Kontext stieg der Anteil von 40 auf 43 Prozent. Der Durchbruch in der Breite steht allerdings noch aus, die persönliche Vertrautheit wächst nur langsam.

Auswirkungen auf den eigenen Job

Mit wachsender Nutzung rücken die möglichen Folgen für die Arbeitswelt stärker in den Blick. 56 Prozent der Erwerbstätigen erwarten, dass KI ihre Arbeit teilweise oder vollständig verändern wird – ein Anstieg gegenüber 51 Prozent im Jahr 2023. Besonders technische Berufe rechnen inzwischen häufiger mit Anpassungen. Dennoch bleibt die Sorge vor vollständigem Jobverlust gering: Nur 2,5 Prozent befürchten konkret, dass KI ihren Arbeitsplatz ersetzen könnte.

Pessimismus beim Blick auf den Arbeitsmarkt

Während viele ihren eigenen Arbeitsplatz relativ stabil einschätzen, herrscht beim Blick auf den Gesamtarbeitsmarkt Skepsis. 41 Prozent erwarten, dass KI mehr Jobs vernichtet als schafft, nur 12 Prozent glauben an einen positiven Nettoeffekt. Dieses Muster – Vertrauen in die eigene Anpassungsfähigkeit, aber Misstrauen gegenüber der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – ist typisch für Umfragen zu technologischen Umbrüchen. Historisch betrachtet führten Dampfmaschine, Elektrizität oder Computer zwar zu Disruptionen, aber langfristig auch zu höherer Produktivität und Beschäftigung.

Produktivität ja – aber nicht ohne Regulierung

Die Deutschen trauen der KI beachtliche Effizienzgewinne zu: 54 Prozent erwarten technologische Fortschritte und höhere Produktivität, 64 Prozent sehen vor allem Chancen für bestimmte Branchen. Doch gleichzeitig wächst das Bewusstsein für Risiken. KI-Modelle basieren auf menschlich geschaffenen Inhalten, deren Urheber oft unvergütet bleiben. Zudem können systematische Verzerrungen in Trainingsdaten Vorurteile verstärken. Besonders große Sorge bereitet das Thema Deepfakes: 58 Prozent befürchten, dass das Vertrauen in Bilder, Videos und Stimmen erheblich leidet.

Diese Risiken erklären die große Zustimmung zu einer strikten Regulierung. 64 Prozent der Befragten wollen Regeln auch dann, wenn Chancen eingeschränkt werden. Sogar 52 Prozent halten dies selbst dann für notwendig, wenn die meisten Möglichkeiten verloren gingen. Nur eine kleine Minderheit spricht sich dagegen aus. Die Regulierungserwartung zeigt: Der Wunsch nach Kontrolle überwiegt den Reiz des Unbegrenzten.

Zwischen Demokratisierung und Verunsicherung

Generative KI ermöglicht es, ohne Programmierkenntnisse komplexe Aufgaben zu lösen – ein demokratisierender Effekt. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass essenzielle Fähigkeiten entwertet werden. Was heute noch als Schlüsselkompetenz gilt, könnte morgen irrelevant sein. Die Folgen für Bildung, Qualifizierung und berufliche Identität sind weitreichend, aber schwer absehbar. Dass die Deutschen hier abwarten und zugleich verunsichert reagieren, ist Ausdruck dieser Spannung.

Ein differenzierter Blick auf Berufsgruppen

Interessant sind die Unterschiede zwischen Berufsgruppen. In technischen Berufen wächst die Erwartung, dass KI die Arbeit zumindest teilweise verändert. Bürokräfte und Dienstleistungsberufe zeigen ebenfalls steigende Anpassungserwartungen. Deutlich geringer fällt die Sorge in Berufen mit spezifischen Nischenanforderungen aus. Hier spiegelt sich die Erkenntnis, dass KI zwar vielseitig, aber nicht grenzenlos einsetzbar ist.

Vertrauen bleibt das zentrale Thema

Ob als Chance oder Bedrohung wahrgenommen – entscheidend ist die Frage des Vertrauens. Können Bürger sicher sein, dass Inhalte authentisch sind? Werden Arbeitsplätze durch neue Tätigkeitsfelder ersetzt, wie es historische Beispiele nahelegen? Oder setzt sich der Pessimismus durch, dass Automatisierung mehr zerstört als schafft? Die Antworten darauf werden bestimmen, wie stark KI langfristig Akzeptanz findet.

Anderthalb Jahre nach den ersten Befragungen zeigt sich: Die Deutschen sehen in KI Potenzial für Produktivität und Fortschritt, fordern aber gleichzeitig enge Leitplanken. Die Angst vor dem eigenen Jobverlust bleibt gering, während die Skepsis gegenüber dem Arbeitsmarkt hoch ist. Zwischen Hoffnung und Sorge bleibt das Verhältnis zwiespältig – und wird sich wohl erst mit stärkerer Durchdringung der Arbeitswelt klären. KI ist damit zugleich ein Symbol technologischer Möglichkeiten und gesellschaftlicher Unsicherheit.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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