Deutsche Banken haben Transformationsbedarf

Zwischen Krisenbewältigung und Zukunftssicherung

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Steigende Risiken, schrumpfende Erträge und neue Konkurrenz: Eine aktuelle Studie zeigt, warum deutsche Banken jetzt handeln müssen – und welche Strategien über Zukunft oder Bedeutungsverlust entscheiden könnten.

Deutsche Banken unter Druck: Der Handlungsbedarf wächst

Deutschen Banken drohen Ertragseinbußen in Milliardenhöhe – aber auch neue Chancen tun sich auf.

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Die internationale Strategieberatung Oliver Wyman kommt in einer aktuellen Studie zu einem klaren Befund: Die deutschen Banken stehen inmitten wirtschaftlich und geopolitisch turbulenter Zeiten unter erheblichem Transformationsdruck. Das rückläufige Zinsniveau, eine anhaltende Wachstumsschwäche und globale Spannungen gefährden die Ertragslage erheblich. Laut der Analyse wird der Ertragspool der Branche bis Ende 2026 um rund neun Prozent schrumpfen – von zuletzt 156 auf nur noch 142 Milliarden Euro.

Zudem steigen die Risikokosten der Institute deutlich. Während die Nettoerträge nach Risikokosten Ende 2024 noch bei rund 145 Milliarden Euro liegen dürften, erwartet Oliver Wyman bis 2026 einen Rückgang auf 124 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Rückgang um etwa 20 Milliarden Euro – ein ernstzunehmender Rückschritt für die Profitabilität der Branche.

Zwischen Krisenbewältigung und Zukunftssicherung

Trotz sinkender Erträge betont die Studie, dass Investitionen in die eigene Wettbewerbsfähigkeit unabdingbar sind. Denn strukturelle Veränderungen in der Wirtschaftslandschaft, dem Kundenverhalten und dem Kapitalbedarf – insbesondere in Hinblick auf Altersvorsorge und Infrastruktur – führen bis 2035 zu erheblichen Verschiebungen in den Ertragsstrukturen. Insgesamt steht ein potenzieller Nettoertragsumbau in Höhe von rund 60 Milliarden Euro im Raum – das entspricht rund 40 Prozent des heutigen Niveaus.

Bleiben entsprechende Gegenmaßnahmen aus, drohen den Banken spürbare Verluste: 29 Milliarden Euro an potenziellen Erträgen könnten verloren gehen. Gleichzeitig schlummern in den entstehenden Bedarfen Chancen auf zusätzliche 32 Milliarden Euro. Die Branche muss sich also doppelt wappnen: gegen kurzfristige Belastungen und für langfristige Umwälzungen.

Die doppelte Herausforderung der Kreditwirtschaft

Die Banken stehen somit vor einem komplexen Spagat: Sie müssen einerseits ihre Widerstandskraft gegenüber kurzfristigen ökonomischen Belastungen stärken, andererseits ihr Geschäftsmodell so ausrichten, dass sie auf lange Sicht profitabel und zukunftsfähig bleiben. Dabei spielen Veränderungen in der Kundenstruktur, in der Produktnachfrage sowie im Finanzierungsumfeld eine zentrale Rolle – ebenso wie politische Initiativen wie die angestrebte Kapitalmarktunion.

Ein weiteres Problem: Die Institute haben die in der Niedrigzinsphase etablierte Kostendisziplin nicht konsequent beibehalten. Zwar stiegen die Erträge zwischen 2020 und 2023 dank Zinswende und stabiler Märkte um etwa 25 Prozent – allerdings erhöhten sich im gleichen Zeitraum die Kosten um rund zwölf Prozent. Mit Blick auf die kommenden Jahre ist die Aussicht ernüchternd: Eine stagnierende Konjunktur, höhere Arbeitslosen- und Insolvenzraten sowie ein absehbarer Rückgang der Zinserträge lassen die Kapitaleffizienz der Banken auf einen historischen Tiefstand zusteuern.

Vier Handlungsfelder für kurzfristige Stabilität

Um der wirtschaftlichen Schieflage zu begegnen, identifiziert die Studie vier kurzfristig notwendige Handlungsfelder:

1. Bilanzoptimierung

Ein proaktives Management, höhere Fungibilität und eine bessere Steuerung und Bepreisung von Einlagen sind zentrale Hebel.

2. Fokussierung des Geschäftsportfolios

Banken müssen gezielt in Geschäftsfelder investieren, in denen Skaleneffekte und hohe Kapitalrenditen zu erwarten sind.

3. Risikomanagement

Frühwarnsysteme und ein aktives Kreditrisikomanagement sollen Ausfallrisiken minimieren.

4. Digitalisierung und Automatisierung

Der verstärkte Einsatz von KI sowie die Prozessoptimierung sollen Effizienz und Servicequalität steigern.

Diese Maßnahmen sind jedoch vor allem taktischer Natur. Um langfristig erfolgreich zu bleiben, müssen Banken strategisch umdenken und sich an fundamentale Veränderungen im Umfeld anpassen.

Strukturwandel fordert neue Geschäftsmodelle

Der Wandel in der deutschen Wirtschaft, insbesondere die zunehmende Internationalisierung der Industrie, hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Firmenkundengeschäft. Banken sind gezwungen, ihr Geschäftsmodell zu überdenken, neue Fähigkeiten aufzubauen und sich stärker zu differenzieren. Dabei wächst der Druck durch neue Wettbewerber wie FinTechs und sogenannte Schattenbanken – alternative Kapitalgeber außerhalb des klassischen Bankensektors.

Die Studienautoren benennen vier zentrale Zukunftsfaktoren, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden könnten – je nachdem, wie frühzeitig und entschlossen Banken darauf reagieren.

1. Industrielle Transformation

Die industrielle Wertschöpfung in Deutschland wird laut Studie bis 2035 deutlich zurückgehen – vor allem infolge hoher Energie- und Lohnkosten. Investitionen und Produktionsstandorte verlagern sich vermehrt ins Ausland. Das bedeutet für Banken: Ohne ausreichende Größe, Kapitalstärke und Leistungsfähigkeit wird es schwer, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Bis zu 14 Milliarden Euro an Erträgen könnten andernfalls wegbrechen.

2. Neue Wettbewerber

Digitale Angreifer wie FinTechs, Neobanken oder Schattenbanken gewinnen rasant an Bedeutung. Ihr Marktanteil am Finanzvermögen könnte bis 2035 auf etwa 20 Prozent steigen. Vor allem junge, digitalaffine Kundengruppen bevorzugen zunehmend diese Anbieter – ein Trend, der traditionellen Banken bis zu 15 Milliarden Euro kosten könnte, wenn sie nicht gezielt gegensteuern.

3. Investitionsbedarf als Chance

Der massive Investitionsbedarf in Infrastruktur, Digitalisierung und Zukunftsbranchen wie IT oder Pharma eröffnet Banken neue Geschäftsmöglichkeiten. Voraussetzung sind jedoch flexible Bilanzmodelle, angepasste Risikobewertungen und der Aufbau neuer Partnerschaften – etwa mit Private-Credit-Anbietern oder Asset-Managern. Laut Studie liegt das Potenzial in diesem Bereich bei bis zu 20 Milliarden Euro.

4. Altersvorsorge als Wachstumstreiber

Die wachsende Altersvorsorgelücke in Deutschland wird privaten Sparwillen und die Nachfrage nach Wertpapieren erhöhen – vor allem in der Erbengeneration. Diese Entwicklung eröffnet Banken zusätzliche Ertragspotenziale, insbesondere in der Vermögensberatung. Der mögliche Zugewinn: bis zu zwölf Milliarden Euro.

Strategischer Neustart: Das Bankmodell der Zukunft

Die Studienautoren warnen davor, die Herausforderungen nur mit kurzfristigen Reaktionen zu beantworten. Vielmehr sei ein tiefgreifender strategischer Wandel erforderlich. Die strukturellen Veränderungen verlaufen zwar oft schleichend, entwickeln aber enorme Sprengkraft. Wer jetzt nicht handelt, wird in wenigen Jahren kaum noch die Kraft zur Kurskorrektur haben.

Daher empfiehlt die Studie eine klare Positionierung entlang eines zukunftsfähigen Geschäftsmodells. Oliver Wyman identifiziert fünf Archetypen, mit denen Banken langfristig erfolgreich sein können:

  • Pan-Europäische Universalbank,
  • Deutsche Transformationsbank,
  • Regionaler Finanzplayer,
  • Digitaler Champion,
  • Spezialbank für Wealth, Asset Management und Immobilien.

Welcher Typ passt, hängt maßgeblich vom aktuellen Geschäftsmodell und dem gewählten Zukunftspfad ab. Ein klares Zielbild, eine Standortbestimmung sowie ein konkreter Transformationsplan sind essenziell für den Umbau. Wer sich beispielsweise als Deutsche Transformationsbank aufstellt, muss Kompetenz in der dynamischen Bilanzsteuerung und Zugang zu Investoren mitbringen. Wer hingegen den Weg zum Digitalen Champion wählt, muss breite Services effizient bereitstellen und hohe Kundenbindung schaffen.

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Über den Autor

Dr. Hansjörg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring ist Herausgeber des Bank Blogs und der Finanzbranche seit über 30 Jahren beruflich verbunden. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Als Experte für Strategien in den Bereichen Digitalisierung, Innovation und Vertrieb ist er gefragter Referent und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

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