Was werden die großen Themen für Sparkassen im Jahr 2035 sein? Welche dicken Bretter sind zu bohren, um auch in zehn Jahren noch erfolgreich zu sein? Ein Blick auf die To-do-Liste der Frankfurter Sparkasse.

Die Frankfurter Sparkasse auf dem Weg ins Jahr 2035.
Der morgendliche Blick auf das Handy, den Fernseher oder die Zeitung offenbart dieser Tage meist wenig Erfreuliches. Man will kaum hinsehen und kann doch nicht anders, wenn die neuesten Negativschlagzeilen in hoher Taktfrequenz über den Ticker jagen. Die gestiegene Intensität und die Dramatik der Nachrichtenlage lenken unsere Aufmerksamkeit in hohem Maße auf das Tagesgeschehen. Wie weit entfernt erscheint da eine Prognose bis ins Jahr 2035!
Heilsam an dieser Stelle ist der Griff ins eigene Archiv. Was hat uns vor 10 Jahren beschäftigt? Im Geschäftsbericht 2015 der Frankfurter Sparkasse fallen vertraute Begriffe wie Digitalisierung und Umweltschutz. Diese Megatrends haben heute vielleicht neue Namen, aber sie begleiten uns schon seit Jahren, wenn nicht sogar seit Jahrzehnten. Es gibt fernab vom operativen Tagesgeschäft demnach Entwicklungen und Themen, die überdauern und uns auch künftig fordern. Um es auf den Punkt zu bringen: Auch ein Donald Trump kann den Klimawandel nicht per Dekret abschaffen.
Daher sollten wir trotz der angespannten Weltlage und ständigen Eilmeldungen die langfristige Perspektive nicht aus den Augen verlieren. Die „großen Themen“ werden uns erhalten bleiben. Das ist, wie schon angeschnitten, erstens, die voranschreitende Digitalisierung, die mit der Erschaffung von Künstlicher Intelligenz nun in eine neue Phase tritt. Zweitens werden wir den Weg hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft weiter gehen. Und drittens müssen wir uns den Herausforderungen der demografischen (Fehl-)Entwicklung stellen. Wo wird also die Frankfurter Sparkasse in diesen Disziplinen in rund zehn Jahren stehen?
Digitalisierung bleibt Top-Thema
Um sich die atemberaubende Geschwindigkeit der Digitalisierung unseres Alltages vor Augen zu führen, bietet sich erneut der kurze Blick zurück an. 2015 stellte Amazon der stauenden Öffentlichkeit den ersten Smart-Speaker „Echo“ vor. Sprachassistentin Alexa ist seitdem in tausende Haushalte weltweit dauerhaft eingezogen. Vergleichen wir die damals noch recht holprige Steuerung mit der Leistungsfähigkeit heutiger KI-gestützter Voicebots, gewinnen wir einen vagen Eindruck, was nur zehn Jahre Weiterentwicklung bedeuten. Moderne Sprachassistenten sind kaum noch von einem menschlichen Gegenüber zu unterscheiden. Moderne KI besteht problemlos den Turing-Test.
Ob wir es wollen oder nicht – Gemini, ChatGPT & Co. sind längst Teil unseres Lebens. Kinder und Jugendliche wachsen damit auf. Die KI wird auf dem Smartphone zum ständigen Begleiter. Aus unternehmerischer Sicht eröffnen sich durch den Einsatz von KI für die Frankfurter Sparkasse vielfältige Chancen. Die Digitalisierung von Bankdienstleistungen wird ein neues Level erreichen – und zwar sowohl was den Bedienkomfort betrifft als auch die intelligente Nutzung vorhandener Daten.
Wie jede Bank sitzen wir auf einem riesigen Datenschatz, den wir bislang noch nicht (in Gänze) heben können. In 2035 werden wir in der Lage sein, unseren Kundinnen und Kundin auf der Grundlage immenser Datenmengen extrem zielgerichtete und maßgeschneiderte Angebote zu machen. Das Gießkannenprinzip weicht noch exakterer, kundenindividueller Ansprache dank der intelligenten Nutzung vorhandener Daten.
Das Ziel ist klar: Alltagsgeschäfte werden dank innovativer, digitaler Technik immer einfacher und schneller abgewickelt, während die persönliche Beratung bei finanziellen Entscheidungen gewisser Tragweite in den Mittelpunkt rückt. Daher werden wir auch noch in zehn Jahren mit unseren Filialen in der Fläche präsent sein.
Aus Nachhaltigkeitspflichten werden Nachhaltigkeitsvorteile
Bis 2035 haben wir in Sachen Nachhaltigkeit noch so einiges auf dem To-do-Zettel. Der ein oder andere hat(te) vielleicht die heimliche Hoffnung, dass im Zuge der Neuwahlen oder gerade angesichts der weltweiten Krisen das Thema Nachhaltigkeit in den Hintergrund rückt. Zu sehr lasten die umfassenden Berichtspflichten und regulatorischen Vorschriften auf den müden Schultern. Wie schön wäre es da, einfach in alte Muster zurückzufallen. Doch ein Paradigmenwechsel bleibt aus. Zurecht!
Zugegeben – manch neue Vorschrift scheint einer regulativen Obsession zu entspringen. Und doch ändert das nichts an der Tatsache, dass wir die Letzten sind, die den Klimawandel zumindest noch begrenzend beeinflussen können. Daher geht kein Weg daran vorbei, dass wir als Wirtschaftssubjekte und als Individuen diese Verantwortung annehmen und die richtigen Konsequenzen daraus ziehen.
Doch in Zukunft werden wir nicht mehr von Nachhaltigkeitspflichten sprechen, sondern von Nachhaltigkeitsvorteilen. Dann zahlt sich der Vorsprung aus, der sich aus dem bewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen für uns als Sparkasse und für unsere Kundinnen und Kunden ergibt.
Denn dem Homo oeconomicus muss klar sein: Fossile Energie wird nicht mehr signifikant günstiger. Dauerhafte Kostenvorteile haben demnach diejenigen, die konsequent auf erneuerbare setzen. Ohne Biodiversität und gesunde Böden keine sichere Ernte. Ohne Bildung keine Innovation. Ohne Diversität keine gesunde Unternehmenskultur. Diese Aufzählung könnte beliebig fortgeführt werden.
Kurzfristig mögen Kostenvorteile verlockend sein. Langfristig jedoch ist eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wirtschaft nicht nur erstrebenswert, sondern die einzig überlebensfähige. Daher stellen wir als Sparkasse heute die Weichen, indem wir unseren eigenen Geschäftsbetrieb nachhaltig aufstellen und zudem sukzessive Kapital in nachhaltige Unternehmen und Anlageformen allokieren. In zehn Jahren wird dieser Prozess noch nicht abgeschlossen, jedoch weit vorangeschritten sein.
Nur Top-Bedingungen locken Top-Talente
Der zunehmende Fachkräftemangel infolge des demografischen Wandels stellt viele Unternehmen vor große Herausforderungen – so auch uns. Der Wettbewerb um junge Talente und erfahrene Fachkräfte ist knallhart. Das gilt nicht nur, aber doch umso mehr für den Finanzplatz Frankfurt.
In naher Zukunft werden altersbedingt etwa siebzig bis achtzig Mitarbeiter der Frankfurter Sparkasse in Rente gehen. Jedes Jahr! Bei rund 1.500 Beschäftigten sind das ca. 5 Prozent der Belegschaft. Es kostet uns eine erhebliche Kraftanstrengung, diese personellen Lücken immer wieder vom Neuem zu schließen.
Ein Weg, diese Vakanzen mit geeignetem Fachpersonal zu besetzen, ist die frühzeitige Ausbildung von Nachwuchskräften. Daher haben wir schon vor einigen Jahren unsere Ausbildungsquote deutlich hochgefahren. Mit mehr als 150 aktiven Auszubildenden gehören wir zu den größten kaufmännischen Ausbildungsbetrieben in der Region.
Zudem setzt die Frankfurter Sparkasse sehr erfolgreich auf Quereinsteiger, die binnen neun Monaten eine Ausbildung zur Sparkassenkauffrau bzw. zum Sparkassenkaufmann durchlaufen. Ob Einzel- oder Großhandel, Hotel oder sonstige kaufmännische Branchen – mit den hochmotivierten Kolleginnen und Kollegen machen wir sehr gute Erfahrungen. Es ist durchaus denkbar, dass die Frankfurter Sparkasse in den kommenden Jahren dieses Engagement noch weiter ausweitet.
Darüber hinaus gewinnen wir auch vermehrt berufserfahrene Spezialistinnen und Spezialisten. Flexible Arbeitsbedingungen, 36 freie Tage sowie zahlreiche Sozialleistungen und Benefits wie finanzielle Zuschüsse zum Jobrad, dem Deutschlandticket oder für Kinderbetreuung gehören zu dem attraktiven Gesamtpaket, mit dem die Frankfurter Sparkasse am Arbeitsmarkt erfolgreich um Fachkräfte wirbt.
Die Gesamtzahl der Stellen wird in zehn Jahren identisch sein. Allerdings gehen wir davon aus, dass der Anteil der Beschäftigten im Vertrieb höher sein wird. Mit unseren Maßnahmen und Angeboten sind wir auf einem guten Weg, die besten personellen Voraussetzungen dafür zu schaffen.
Fazit: Langfristige Ziele immer im Blick
Wir haben unsere langfristigen Ziele immer im Blick und wir wissen, an welchen Stellschrauben wir in den kommenden Jahren drehen müssen, um im Jahr 2035 und weit darüber hinaus noch erfolgreich zu sein. Davon können uns weder Trump’sche Kapriolen noch rückwärtsgewandte Wirtschaftsnostalgiker ablenken!
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