Banken und Biodiversität: Nur eine weitere Berichtspflicht?

Chancen für Resilienz und Profitabilität

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Die Artenvielfalt schrumpft rasant, mit Folgen für Wirtschaft und Finanzmärkte. Die Berücksichtigung von Biodiversitäts- und Naturkapitalrisiken in Portfolios macht Banken resilienter und sichert langfristig sowohl Ökosysteme als auch Renditen.

Berücksichtigung von Biodiversität in Banken und Sparkassen

Biodiversitätsverlust bedroht Finanzstabilität: Wie Banken Risiken messen, regulieren und nachhaltige Portfolios aufbauen.

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Die Finanzwelt steht vor einer unterschätzten Krise: Der Verlust der biologischen Vielfalt bedroht nicht nur Ökosysteme, sondern auch die Stabilität von Portfolien. Laut der Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) sind 1 Million Arten vom Aussterben bedroht. Das hat direkte Folgen für die Wirtschaft. In Bereichen wie Landwirtschaft, Tourismus oder Infrastruktur sind die Abhängigkeiten von Biodiversität und Naturkapital offensichtlicher als in anderen Sektoren, aber grundsätzlich sind alle Industrie- und Dienstleistungssektoren direkt und indirekt betroffen.

Wenn Unternehmen von intakten Ökosystemen und deren Dienstleistungen abhängen, steigen bei Banken Kreditrisiken etwa durch Wasserknappheit oder Ernteausfälle. Gleichzeitig eröffnet der Schutz der Biodiversität neue Geschäftsmodelle, z.B. „Nature-Based Solutions“ und deren Finanzierung durch nachhaltige Anleihen.

Wie lassen sich diese Risiken und Chancen systematisch erfassen? Während Klimarisiken bereits in Stresstests der EZB einfließen, fehlen für Biodiversität oft noch die entsprechenden Rahmenwerke und die entsprechenden Daten aus der Realwirtschaft. Hier setzt unter anderem die Taskforce on Nature-related Financial Disclosures an, die 2023 in Anlehnung an die TCFD für Klima ein entsprechendes Reporting-Rahmenwerk vorlegte. Banken wie BNP Paribas beginnen bereits, Biodiversität in ihre ESG-Strategien zu integrieren und Biodiversitätsrisiken separat zu betrachten. Im Folgenden wird gezeigt, welche Schritte jetzt notwendig sind.

Biodiversität als Finanzrisiko: drei Hebel für Banken

Banken sind Biodiversitätsrisiken auf drei Ebenen ausgesetzt:

  1. Physische Risiken: Direkte Auswirkungen auf Kreditnehmer, z. B. wenn Monokulturen in der Landwirtschaft aufgrund fehlender Bestäuber Ertragseinbußen erleiden.
  2. Transitionsrisiken: Regulatorische Änderungen wie beispielsweise die EU-Verordnung 2020/852 zu nachhaltigen Investitionen.
  3. Systemische Risiken: Kollaps von Ökosystemen kann ganze Volkswirtschaften destabilisieren, da mehr als die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung, entsprechend USD 44 Billionen p.a., moderat oder sogar stark von Biodiversität und Ökosytemdienstleitungen abhängt.

TNFD & Co.: Tools zur Messung von Biodiversitätsrisiken

Um Risiken zu quantifizieren, setzen Banken zunehmend auf folgende Instrumente und Daten:

  • TNFD-Framework: 14 empfohlene Kennzahlen, etwa „Anteil der Finanzierungen in geschützten Gebieten“ oder „Abhängigkeit von Ökosystemleistungen“.
  • ENCORE-Tool (Exploring Natural Capital Opportunities, Risks and Exposure): Entwickelt von der UN Environment Programme Finance Initiative (UNEP FI), bewertet es Sektorrisiken – z. B. wie stark die Fischereiindustrie von gesunden Meeresökosystemen abhängt.
  • Satellitendaten: Partnerschaften mit Anbietern wie Iceye oder Planet Labs helfen, Entwaldung in Echtzeit zu überwachen.

Von der Risikoanalyse zur Chance: drei Strategien

Banken können Biodiversität aktiv gestalten:

  1. Ausschlusskriterien: Keine Finanzierung bestimmter Aktivitäten, Industriesektoren oder in bestimmten Gebieten.
  2. Positive Impact Finance: Gezielte Kredite für regenerativen Landbau oder Renaturierungsprojekte.
  3. Kundenberatung: Schulungen für Unternehmen, um Abhängigkeiten von Biodiversität und Naturkapital aufzuzeigen und die Lieferketten biodiversitätsfreundlich umzugestalten – etwa durch die Science Based Targets for Nature (SBTN)-Initiative.

Ausblick: Biodiversität ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit

Der Schutz der Biodiversität ist kein philanthropisches Projekt, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Banken, die heute handeln, reduzieren nicht nur Risiken, sondern erschließen neue Märkte – von biodiversitätsbezogenen Anleihen bis zu Beratungsdienstleistungen für nachhaltige Lieferketten. Die EU-Naturwiederherstellungsverordnung und die wachsende Nachfrage nach TNFD-konformen Berichten werden den Druck weiter erhöhen.

Entscheidend ist nun, dass Finanzinstitute Biodiversität systematisch in Risikomodelle integrieren und gleichzeitig innovative Finanzinstrumente entwickeln. Denn eines ist klar: Wer die Natur ignoriert, ignoriert auch die Zukunftsfähigkeit seines Portfolios.

Über den Autor

Dr. Ralf Lütz

Dr. Ralf Lütz, Senior Advisor Sustainable Business und Biodiversity Lead Germany bei BNP Paribas S.A. Niederlassung Deutschland, berät Kunden rund um Nachhaltigkeitsthemen mit Fokus auf Biodiversität und Impact Accounting. Der Volkswirt war zuvor für die DZ Bank und die HSH Nordbank tätig.

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