Bankkontowechsel in der EU

Einfach oder nicht?

Wechsel der Bankverbindung und Mobilität der Bankkunden in Europa

Bankkundenmobilität in der EU

Wie schwierig ist der Wechsel der Bankverbindung von privaten Kunden in der Europäischen Union. Die aktuelle Studie von DB Research gibt Antworten.

 

Laut einer Eurobarometer-Umfrage hatten 2011 lediglich 5% der Kontobesitzer in den letzten fünf Jahren Schwierigkeiten, ihr Konto zu wechseln – definitiv eine Minderheit verglichen mit 88%, die sagten, es sei nicht nötig gewesen, ihr Konto zu wechseln. Eine unlängst veröffentlichte Studie der Kommission suggeriert nun genau das Gegenteil, danach berichteten 81% der Testkäufer von Schwierigkeiten, ihr Konto zu wechseln. Wie schwierig ist der Kontowechsel tatsächlich, und warum ist das überhaupt wichtig?

Kundenmobilität ist ein wichtiger Faktor für den Wettbewerb bei Bankkonten, so wie bei jeder anderen Dienstleistung auch. Ist es schwierig, aus einem Vertrag auszusteigen, dann steigt die Schwelle der Unzufriedenheit, die erreicht werden muss, bis ein Verbraucher tatsächlich den Anbieter wechselt. Wenn das so ist, verharren unzufriedene Verbraucher in Verträgen, die ihre Bedürfnisse nicht optimal erfüllen. Gleichzeitig haben Anbieter wenig Anreiz durch Innovationen, neue Dienstleistungen oder attraktivere Preise um Bestandskunden anderer Institute zu werben. Wechselschwierigkeiten oder hohe Wechselkosten begünstigen also ineffiziente und nicht innovative Anbieter. Die Folge von Wechselschwierigkeiten ist ein niedrigerer Wohlstand einer Volkswirtschaft, verglichen zu jenem Niveau, das bei höherer Mobilität erreichbar wäre.

Wenn es tatsächlich schwierig wäre zu wechseln, müsste man in den Statistiken niedrige Wechselraten bei gleichzeitig relativ hoher Unzufriedenheit sehen. Die in Abbildung 1 präsentierten Daten zeigen freilich das Gegenteil:

Die Wechselraten lagen 2006 durchschnittlich bei 12%, während weniger als 5% der Bankkunden in einer Umfrage im selben Jahr angaben, unzufrieden mit ihrer Bank zu sein.

Gleichzeitig sagten 63%, sie sind zufrieden mit ihrer Bank. Im Vergleich zu anderen Infrastrukturdienstleistern (z.B. Strom, Wasser, Mobilfunk o.ä.) liegen Banken im vorderen Drittel bei allgemeinen Zufriedenheitsumfragen.

88% der EU-Bürger sagten 2011, dass sie ihr Konto in den letzten fünf Jahren nicht gewechselt haben, weil es nicht nötig war.

80% halten einen Anbieterwechsel bzgl. Banken für einfach – Banken liegen damit nach Anbietern von Flugreisen auf Platz 2 bezüglich aller Anbieter von Infrastrukturdienstleistungen. Diese Antwort deckt sich beispielsweise auch mit Ergebnissen einer Kundenbefragung der Deutschen Bank aus dem Jahr 2007, in der immerhin 90% der befragten Neukunden sagten, dass der Kontowechsel leichter als erwartet gewesen sei und die betroffenen Banken gut kooperierten.

Diese Daten sprechen dafür, dass in Europa eher Kundenzufriedenheit der Grund für niedrige Wechselraten ist und nicht Wechselschwierigkeiten. Hohe Wechselraten sind entsprechend kein Ziel, das es um jeden Preis zu erreichen gilt, um für mehr Wettbewerb bei Bankkonten zu sorgen – zumal der Wettbewerb bei Bankkonten von Verbrauchern höher eingeschätzt wird, als bei sonstigen Dienstleistungen (laut Verbraucherbarometer 2011 der Europäischen Kommission).

Die oben genannten Aussagen scheinen nun auf den ersten Blick durch eine unlängst veröffentlichte Studie der Europäischen Kommission infrage gestellt zu werden. Danach konnten 81% der wechselwilligen Kontobesitzer ihr Konto nicht erfolgreich wechseln. Wie passen diese Zahlen mit den oben genannten niedrigen Werten zusammen? Zunächst ist ein großer Unterschied, dass die Eurobarometer-Umfrage als Basis alle Kontobesitzer einbezieht, also den Anteil derjenigen mit Wechselschwierigkeiten an allen Kontobesitzern ausweist. Dieser Anteil war mit 5% relativ gering. Die jüngere Studie der Kommission hat dagegen nicht alle Kontobesitzer, sondern alle wechselwilligen Kontobesitzer als Basis. Zieht man bei den Eurobarometer-Daten die wechselwilligen Kontobesitzer als Basis heran, haben in Europa im Durchschnitt 42% der wechselwilligen Kontobesitzer Schwierigkeiten. Das ist allerdings immer noch weit von 81% entfernt.

Der Grund für den großen Unterschied zwischen den Umfragedaten und dieser Studie liegt auch an den Regeln und Annahmen der Studie. Die Testkäufer bekamen Regeln, die sich am stilisierten Wechselprozess orientierten, der in den „Gemeinsamen europäischen Prinzipien zum Kontowechsel“ festgelegt wurde. Dabei wurden für den Test manche Bestimmungen besonders streng ausgelegt bzw. auch über die Prinzipien hinausgehende Regeln unterstellt.

Bemerkenswert ist auch, dass der Anteil der Wechselwilligen mit Schwierigkeiten im Vergleich der EU-Staaten sehr unterschiedlich ist (s. Abbildung 2). Von daher wären hier nationale Studien zu den Hintergründen angebracht, um eine Lösung für das Problem zu entwickeln. Die Gestaltung von Konten und Zahlungsmitteln ist in Europa nach wie vor sehr unterschiedlich, so dass eine „Rasenmäherlösung“ für ganz Europa vermutlich nicht in allen Märkten die Probleme gezielt beseitigen, sondern stattdessen einfach nur hohe Kosten verursachen würde.

Ein größeres Problem für eine weitere Integration der EU-Retailbankingmärkte und mehr Wettbewerb in diesem Bereich sind die nach wie vor hohen Hürden für die grenzüberschreitende Kontoeröffnung, sozusagen als den grenzüberschreitenden Wechsel. Die Europäische Kommission plant im Herbst Gesetzesvorschläge vorzulegen für mehr Gebührentransparenz bei Konten, evtl. für ein Recht auf ein Basiskonto und zum Kontowechsel. Anstatt die national sehr unterschiedlichen Bankenmärkte im Bereich Konten weiter im Detail zu regulieren, könnte eine Öffnung der nationalen Märkte hier automatisch für mehr Wettbewerb und eine weitere Angleichung bspw. auch bezüglich Transparenz (die in einigen Bankenmärkten bereits sehr hoch ist) sorgen. Eine Öffnung der grenzüberschreitenden Märkte für Konten würde man durch harmonisierte Kontoeröffnungsregeln inkl. Legitimationsprüfung, Kreditregisterabfrage, Geldwäschebestimmungen und steuerlicher Bestimmungen erreichen. Da ein Konto häufig die Grundlage für weitere Finanzdienstleistungen ist, hängt die Integration der EU-Retailbankingmärkte fundamental davon ab, ob eine Kontoeröffnung grenzüberschreitend einfach möglich ist. Eine gesetzliche Regelung des Kontowechsels jedoch trüge hierzu nichts bei.

Quelle: DB Research

Die komplette Studie „Bankkundenmobilität in der EU“ kann hier als PDF bezogen werden.

Hinterlassen Sie eine Antwort


6 + = 11