Vorträge und Moderation

Warum Banken nicht wirklich innovativ sind

„Alte“ Erkenntnisse neu belebt

Banken und Sparkassen brauchen eine Strategie für Innovationen

Pixelio.de / Rainer Sturm

Eines der Schwerpunkte im Bank Blog sind ja die Themen Innovation und Innovationsmanagement, warum sich Banken damit so schwer tun und was und wie sie es besser machen könn(t)en. Im heutigen Artikel wird mit einem „historischen“ Rückblick erläutert, warum Banken schon von Natur aus eher innovationsträge sind.

Vor etwas über 20 Jahren hat mein Doktorvater, Prof. Dr. Leo Schuster, einen bemerkenswerten Artikel im Buch „Bankpolitik im Spiegel aktueller Themen“ geschrieben. Der Artikel war überschrieben mit „Produktinnovation und Strategisches Management im Bankbetrieb“. Nicht wirklich zufällig ist er mir dieser Tage wieder in die Hände gekommen und ich muss sagen, er war seiner Zeit (einmal mehr voraus).

Produkt-Markt-Matrix als Ausgangspunkt

Ausgangspunkt der damaligen Überlegungen war die Marktleistungsmatrix nach Ansoff, nach der es für Banken vier grundlegende Kombinationsalternativen für strategische Entscheidungen hinsichtlich Produkte und Märkte gibt.

Produkt-Markt-Matrix für Innovationen und Innovationsmanagement als Strategie für Banken und Sparkassen

Die Produkt-Markt-Matrix für Banken

Fast jeder Betriebswirt hat sich schon mal damit beschäftigt, wer nochmal dazu nachlesen will, findet hier und hier entsprechende Übersichtsinformationen.

Quintessenz der Matrix ist u.a., dass eine Diversifikationsstrategie (nicht nur) für Banken am schwierigsten umsetzbar ist, da man gleichzeitig mit zwei Neuerungen fertig werden muss.

Banken und Innovationen

Der eigentliche Clou der damaligen Analyse war es aber, strategische Grundmuster von Banken im Hinblick auf Innovationen zu erkennen und in der folgenden Matrix zu veranschaulichen.

Strategisches Innovationsmanagement für Banken und Sparkassen

Innovation und Grundstrategien für Banken

Die Konservatoren

Wie schrieb Schuster damals? „Es gibt nichts zu erneuern in einer Bank, betreibt sie doch das älteste Metier auf Erden“ und „Seien wir bescheiden, überlassen wir den neuen Bluff den anderen“. Heute sagen konservative Banker „Unsere Kunden brauchen das nicht“, ersatzweise auch „unsere Kunden wollen das nicht“, meist jedoch, ohne diese tatsächlich befragt zu haben.

Erfahrung, Intuition und Fingerspitzengefühl dominierten lange Zeit das Bankwesen mit der Folge einer stark beharrenden Unternehmenskultur.

Die Imitatoren

Niemals etwas als erster machen, erst mal die anderen Erfahrungen sammeln lassen und dann kopieren, auch das sind typische Verhaltensweisen von Bankmanagern mit ebenfalls sehr konservativem Ursprung.

Gerade für die beiden großen Verbünde ist dieses Verhalten hierzulande eher typisch. In Gesprächen über neue Ideen hört man oft sehr schnell die Frage „Haben Sie das schon bei einer anderen Sparkasse/Volksbank implementiert?“. „Nein, na, dann warten wir lieber auch erst mal ab“.

Lieber „nachmachen“ als „zuerst machen“, die Strategie hat zugegebenermaßen für Regionalinstitute ja auch durchaus eine gewisse Berechtigung. Schließlich läuft man hier nicht Gefahr im Wettbewerb gegen den eigenen Verbundkollegen bestehen zu müssen. Problemtisch wird eine solche Strategie dann, wenn damit der Verbund als Ganzes erstarrt. Wenn man mit Verbandvertretern unter vier Augen spricht, dann sehen die dieses auch eines der zentralen Probleme der dezentralen strategischen Steuerung an. Offen wird so etwas natürlich nicht gesagt, so etwas würde ja an den fundamentalen Grundprinzipien der Selbstständigkeit der Primärinstitute rütteln.

Die Kollektivakteure

Auch dies ein, insbesondere für Bankengruppen typisches Verhalten. Wenn man schon was macht, dann gemeinsam, auch wenn es damit länger dauert und im Zweifel die Konkurrenz außerhalb des Verbundes schon einen Schritt weiter ist.

Zugegeben, wenn der gemeinsame Dampfer erst mal Fahrt aufgenommen hat, dann kann dies wirklich zu einem schlagkräftigen Erfolg führen. Schwierig werden Kollektivaktionen jedoch meistens auch aufgrund der unterschiedlichen Interessen der einzelnen Teile des Kollektivs, es sind ja nicht nur die Banken, sondern auch IT Dienstleister und andere, die ihren Anteil an einer Innovation leisten müssen, bis diese marktreif ist.

Die Innovatoren

Gibt es die überhaupt im Bankbereich? Schon vor 20 Jahren kam Schuster in seinen Analysen zum Schluss, dass Banken die vorgenannten drei Grundmuster eher dem typischen Verhalten von Banken und Bankmanagern entsprechen als die Einführung von Innovationen und nannte das Fehlen einer entsprechenden Innovationskultur als eine der Hauptursachen dafür.

Lassen wir das Investment Banking mal außen vor, das ja in den letzten 20 Jahren nur aufgrund von Innovationen überhaupt zu der heutigen Bedeutung gefunden hat (und auch zu einer der größten Bankenkrisen der Nachkriegszeit beigetragen hat) und konzentrieren wir uns auf das Privatkundengeschäft, dann fällt auf, dass die wenigen wirklichen Neuerungen entweder stark technikgetrieben sind (z.B. im Bereich des Internet Banking wie das Direct Banking überhaupt) oder durch staatliches Zutun entstanden sind (z.B. Riesterrente).

Im ursprünglichen Leistungsangebot der Banken kann ich nur wenige wirkliche Neuerungen erkennen. Ja, OK das Tagesgeldkonto gab‘s vor 20 Jahren noch nicht für Private, aber sonst? Da wäre noch das Mehrwertkonto zu nennen, das als erstes von der Hamburger Sparkasse (Haspa) eingeführt wurde, die ich als eines der wenigen wirklich innovationsaufgeschlossenen Institute hierzulande bezeichnen würde. Aber sonst?

Welche Innovationen fallen Ihnen ein, wenn Sie die letzten 20 Jahre Privatkundengeschäft Revue passieren lassen? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

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Über den Autor ()

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern und verfügt über die Bankleiterqualifikation nach §33 KWG. Nach Banklehre und Studium arbeitete er in verschiedenen Positionen, u.a. als Direktor bei der Deutschen Bank, als Vorstand einer Sparkasse und als Geschäftsführer eines Online Brokers. Aktuell bietet er Banken und Finanzdienstleistern Dienstleistungen im Bereich (Interims)Management und Beratung/Consulting an und vertritt die Firma Meniga, einen innovativen Anbieter von White-Label-Lösungen für Persönliches Finanz Management (PFM) im deutschsprachigen Teil Europas. Darüber hinaus hält er Vorträge bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.

Kommentare (4)

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  1. Matt Sorum sagt:

    Ich finde die Quirin Bank mit ihrem transparenten Honorarsystem für deutsche Verhältnisse weit fortgeschritten. Solange kein Provisionsverbot erlassen wird, ist das Haus eine erfrischende Ausnahme. Damit rechne ich aber nicht, da die provisionsgetriebenen Strukkis bzw. deren Konzerne maßgebliche Gläubiger und Anleihenkäufer des Staates sind.

    Innovativ wäre ein Produkt für die breite Masse wie ratierliches Aktiensparen; gedanklich würde man sofort sagen: Geht nicht (wie bei Fonds), da man keine Aktienanteile sondern nur ganze Stücke kaufen kann. Dann muss der Kunde eben unterschreiben, dass er zum Stichtag einer fallweise auf- oder abgerundeten Menge Aktien zustimmt. Sollte der Kurs höher sein als die monatliche Sparsummen, muss der Vertrag angepasst oder stillgelegt werden.
    Der cost average hält zwar generell nicht, was er verspricht, aber wieso soll so etwas nicht für Aktien angeboten werden?

  2. Joachim H. Böttcher sagt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Leichsenring,

    die Ansätze von Prof. Dr. Schuster sind in der tat beeindruckend und haben nach wie vor einen Bezug zur Gegenwart. Einige Mankos hat die Argumentation jedoch: Der Autor schließt den Sektor der Investmentbanken aus, der durch eine eigene Produktgattung am Markt, die bis vor kurzem noch als Finanzinnovationen sogar eigentümlich andere Besteuerung erfuhren. Das ist nun mal aufgrund der getätigten Umsätze und – sieht man von 2008 und 2009 einmal ab – der Erträge nunmehr ein wesentlicher Anteil des Sektors. Die historische Argumentation des Artikelserährt aus heitiger Sicht demnach eine derart große Verzerrung, dass er einfach nicht mehr als zeitgemäß betrachtet werden kann. Daneben keimt immer noch das Pflänzlein der ESG-Integration, also der Berücksichtigung ökologischer (ecological), sozialer (social) und solider Unternehmensleitungs- (Corporate Governance)-Kriterien – auch das eine echte Innovation. Wobei ich dem Autor hier dann auch schon wieder Recht geben muss: Hiermit tut sich der Sektor enorm schwer…

    Joachim H. Böttcher

    • Hallo Herr Böttcher

      Danke für Ihre Hinweise. Zwei Aspekte der „Ehrenrettung“:

        Die ursprünglichen Gedanken von Prof. Schuster sind wie geschrieben über 20 Jahre alt. Mit Verlaub, damals war Investment Banking gerade erst im Entstehen begriffen und nach heutigen Maßstäben noch gar nicht existent.

        Im Artikel hatte ich ausdrücklich erwähnt, dass das Investment Banking in der Betrachtung „außen vor“ bleibt.

      Im Hinblick auf die ESG-Integration gebe ich Ihnen recht. Das ist eine (der wenigen) innovativen Ansätze, leider nicht in der Breite getragen von den Banken.

      Beste Grüße

      Hansjörg Leichsenring

  3. Auf die Ainladung als Referent vom Handelsblatt warte ich noch ;-)

    Beste Grüße

    Hansjörg Leichsenring

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